Wo bleiben die Bayern-Youngster?

Von SPOX
Mittwoch, 02.10.2013 | 16:01 Uhr
Pep Guardiola (l.) will derzeit keins seiner U-23-Talente dauerhaft zu den Profis hochziehen
© getty
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Aus Bayerns zweiter Mannschaft findet sich bisher keins der hoch gehandelten Talente bei den Profis wieder. Borussia Dortmund vertraut auf Stürmer-Verteidiger - sehr zum Leidwesen von Patrick Owomoyela. Und in Stuttgart macht Ersatzkeeper Thorsten Kirschbaum eine gute Figur.

Borussia Dortmund: In der Champions League gegen Marseille spielten mit Kevin Großkreutz und Erik Durm zwei gelernte Angreifer auf den defensiven Außenbahnen. Nicht ungewöhnlich für die Mannschaft von Jürgen Klopp, der in Marcel Schmelzer und Lukasz Piszczek bereits zwei Angreifer zu Außenverteidiger von internationalem Format gebastelt hat. Für Patrick Owomoyela ist deshalb kein Platz mehr.

Der Routinier, dessen Vertrag beim BVB nach fünf Jahren nicht mehr verlängert wurde, trainiert zwar nach seiner überstandenen Verletzung wieder in Dortmund mit, findet aber keinen Verein. Der 33-Jährige denkt noch nicht ans Aufhören, würde gerne noch ein paar Jahre auf ordentlichem Niveau dranhängen. Angeblich könne er sich unter anderem eine Rückkehr zu Werder Bremen gut vorstellen. Nur kann sich Owomoyela potenziellen Interessenten nach momentanem Stand überhaupt nicht präsentieren. Gute Angebote dürften rar gesät sein, zumal der ehemalige Nationalspieler mittlerweile auch recht verletzungsanfällig ist.

Bayer Leverkusen: Spätestens mit der Verpflichtung von Emre Can für satte fünf Millionen Euro schien für Simon Rolfes unterm Bayer-Kreuz die Abschiedstournee eingeläutet. Rolfes, 31, ist der mit Abstand älteste Mittelfeldspieler von Bayer Leverkusen. In der defensiven Dreierreihe im Mittelfeld war er an den ersten Spieltagen nicht erste Wahl, sondern musste sich mit dem Platz auf der Bank begnügen. Die Kritiker sahen sich bestätigt, dass die Zeit Rolfes' für Fußball auf europäischem Spitzenniveau sich bald dem Ende zuneigen würde. Seit drei Wochen spielt Rolfes aber wieder - und man hat den Anschein, er ist wieder so wichtig für die Mannschaft wie in seinen besten Tagen. Zusammen mit Stefan Reinartz und Lars Bender hält er die Defensive schon im Mittelfeld zusammen, zuletzt glänzte er in der Offensive zudem als Vorbereiter und Torschütze. Die Verletzungspause von Gonzalo Castro (Muskelfaserriss) hat Bayers Kapitän jedenfalls perfekt ausgenutzt...

Bayern München: Den Amtsantritt von Pep Guardiola bei den Bayern begleiteten stetes auch reichlich Spekulationen, welcher oder welche Spieler aus der zweiten Mannschaft denn nun bald auf eine Chance im Profiteam hoffen dürften. Guardiola eilte der Ruf voraus, bedingungslos auf junge Spieler aus dem eigenen Stall zu setzen. Viele übersahen dabei allerdings, dass der Trainer alle jene Spieler, die er dann wirklich von der B- in die Profimannschaft hochzog, schon lange kannte und als ehemaliger Trainer der Amateure auch selbst ausgebildet hatte.

Zudem hat Barcas zweite Mannschaft doch ein erheblich höheres Niveau vorzuweisen als die der Bayern, die unter Mehmet Scholl in der Regionalliga Bayern mit sieben Punkten Rückstand auf Lokalrivalen TSV 1860 nur Zweiter wurden und den Aufstieg in die 3. Liga verpassten. Dass die Bayern-Talente offenbar noch lange nicht so weit sind, wird jetzt immer deutlicher. Trotz zahlreicher verletzter Spieler schaffte es keiner der Youngster zuletzt in den Kader der Profis. Vladimir Rankovic, Julian Green oder Mitchell Weiser spielen keine Rolle. Der einzige, der einigermaßen nah dran ist, bleibt der Däne Pierre Emil Hojbjerg. Und selbst der kommt in der Liga - wenn auch verletzungsbedingt - auf keine einzige Minute Einsatzzeit. Der zweite mit einem Profivertrag ausgestattete Hoffnungsträger Patrick Weihrauch ist Stammspieler der U 23 - aber genau das hatte sich der 19-Jährige so nicht gewünscht. Zu allem Überfluss flog er am Wochenende im Spitzenspiel gegen den FV Illertissen (0:2) auch noch mit glatt Rot vom Platz. Guardiola bleibt bei seiner Marschroute und implementiert zunächst seine Ideen in den Stamm der Profis - erst danach erfolgt dann vielleicht die Kür mit dem einen oder anderen Amateurspieler.

1. FC Nürnberg: Das Remis bei Werder Bremen hat mal wieder die zwei Gesichter der Mannschaft offenbart. Nach einer unsäglich schwachen ersten Halbzeit spielte der Club nach dem Wechsel einen richtig guten Ball und schnupperte nach zweimaligem Rückstand sogar noch am Sieg. Ein wichtiges Puzzleteil des Aufschwungs in Bremen war Josip Drmic. Der Schweizer wirbelte nur so durch die hüftsteife Bremer Innenverteidigung, erzielte den Ausgleich zum 2:2 und scheiterte später noch per Volleyschuss an der Latte.

Mit Drmic erfolgte auch die Umstellung auf ein klassisches 4-4-2, mit Hiroshi Kiyotake als klarem Zehner hinter der Doppelspitze Drmic/Pekhart. Geht es nach Drmic, würde der Club mit der Formation öfter zu Werke gehen. "Ein System mit zwei klaren Angreifern kommt meinem Spiel mehr entgegen und ich glaube auch, dass es der Mannschaft gut liegt", sagte er nach der Partie im Weserstadion. Der 21-Jährige sieht sich dabei in vorderster Front am liebsten. "Durch meine Schnelligkeit kann ich auch auf den offensiven Außenbahnen im Mittelfeld spielen. Aber generell bin ich in der Spitze am besten aufgehoben." Der Ausfall von Daniel Ginczek (rund sechs Wochen nach Zehenbruch) sollte Drmic genügend Zeit lassen, um sich nachhaltig zu empfehlen.

VfB Stuttgart: Sven Ulreich fällt nun offenbar doch noch etwas länger aus, die Kapselverletzung am linken Daumen wird wohl auch einen Einsatz gegen Werder Bremen am Samstag verhindern. Also bekommt Thorsten Kirschbaum eine dritte Bewährungschance. Bisher machte der Zugang seine Sache sehr ordentlich, hielt gegen Freiburg im Pokal trotz der Niederlage gut und gegen Braunschweig bei den wenigen brenzligen Szenen ebenfalls.

Was beim 26-Jährigen besonders auffiel bisher: Kirschbaum strahlt eine enorme Ruhe aus, wird auch bei Rückpässen unter Druck mit dem Ball am Fuß nicht hektisch. Gegen Freiburg und Braunschweig verzichtete der Torhüter wenn möglich auf den klassischen Befreiungsschlag und versuchte vielmehr das kurze Zuspiel in den Fuß des Mitspielers. Und das beidfüßig souverän. Dem Aufbauspiel der Stuttgarter tat Kirschbaums Abgeklärtheit gut, das spielerische Element soll ja auch in Zukunft wieder mehr in den Blickpunkt rücken. Ansprüche auf einen längeren Aufenthalt im Tor stellt Kirschbaum aber nicht. Trotzdem hält er an seinem im Sommer formulierten Ziel fest, Sven Ulreich einen beherzten Konkurrenzkampf zu liefern.

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