Stresstest für den Kader

Dienstag, 08.10.2013 | 15:13 Uhr
Jürgen Klopp ist in den nächsten Wochen als Improvisationskünstler gefragt
© getty
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Borussia Dortmund geht angeschlagen in die nächsten Wochen. Vor allem im Mittelfeld sind die Verletzungssorgen groß. Die kommenden Spiele sind ein Stresstest für den Kader und die Arbeit in der Sommerpause.

Bastian Schweinsteiger war verletzt. Das Länderspiel gegen Paraguay Mitte August war also eine gute Chance für Ilkay Gündogan, sich in Abwesenheit des Münchner Mittelfeldspielers in der Nationalmannschaft als Alternative noch mehr in den Vordergrund zu spielen und weiter am Platz des Bayernspielers zu sägen.

Allerdings hatte Gündogan mit Rückenproblemen zu kämpfen, sein Einsatz war fraglich. Der Bundestrainer sagte, er werde im Testspiel kein Risiko eingehen. Gündogan bekam Spritzen und stand in der Startelf. Nach 27 Minuten war Schluss.

Gündogan macht keine Fortschritte

Seitdem hat Gündogan keine Minute mehr gespielt, weder für Deutschland noch für Borussia Dortmund. Bestand anfangs noch die Hoffnung, Gündogan könnte schon nach knapp zwei Wochen wieder für den BVB auflaufen, ist mittlerweile sogar das Hinrunden-Aus ein Thema. Nach seinem Wirbelgleiten plagt ihn nun ein entzündeter Nerv im Rücken.

"Er macht gerade keine großen Fortschritte. Wir wissen nicht, wann er wieder spielen kann", sagt BVB-Sportdirektor Michael Zorc.

Ausfälle gut kompensiert

Gündogan ist eigentlich die zentrale Figur im Mittelfeld des BVB. Als sich Henrikh Mkhitaryan zu Saisonbeginn verletzt abmelden musste, rückte Gündogan auf die Zehn - und überzeugte. Egal auf welcher Position, Gündogan ist der Chef und Taktgeber im Dortmunder Spiel.

Dass es auch ohne den Nationalspieler beim BVB bisher recht ordentlich läuft, unterstreicht noch einmal die Klasse seiner Ersatzleute im Mittelfeld. Auf der Zehn ist Mkhitaryan mittlerweile gesetzt, Anpassungsprobleme gab es kaum. Auf der Sechs und der Acht wechselten sich Sven Bender, Nuri Sahin und Sebastian Kehl ab.

Mammutprogramm ohne Mittelfeld

Nur sind die drei Letztgenannten aktuell alle verletzt. Der Borussia sind innerhalb kürzester Zeit wichtige Säulen aus einem doppelt besetzten Mannschaftsteil weggebrochen. Zwar besteht bei Bender berechtigte Hoffnung, dass er schon im nächsten Bundesligaspiel gegen Hannover 96 auflaufen kann, die anderen fallen aber definitiv noch etwas länger aus.

Immerhin hat die Länderspielpause den Dortmunder etwas Zeit verschafft, um sich um die Genesung der Spieler zu kümmern. Denn anschließend wartet mit sechs sehr wichtigen Spielen in 21 Tagen ein echtes Mammutprogramm auf den BVB. Darunter die beiden wichtigen Champions-League-Partien gegen den FC Arsenal und Auswärtsspiele auf Schalke und beim VfL Wolfsburg.

Neben den zentralen Mittelfeldspielern fehlen dem BVB auch noch Lukasz Piszczek, Marcel Schmelzer, Sokratis, Jonas Hofmann, Marian Sarr und Marco Reus. Stand jetzt wären nur elf der in dieser Saison bisher eingesetzten Feldspieler fit. Darunter der in der Liga gesperrte Mats Hummels und Koray Günter, der erst am Samstag in Gladbach zu seiner ersten Einsatzminute kam.

Wie variabel ist der Kader?

Die Dortmunder hatten es sich vor der Saison zur Aufgabe gemacht, den Kader im Vergleich zum Vorjahr breiter aufzustellen. Dabei ging es gar nicht nur um die quantitative Aufstockung, sondern auch um die Variabilität der Spieler.

Kevin Großkreutz beispielsweise hat in den meisten Spielen einen guten Rechtsverteidiger gespielt, er könnte auch links hinten aushelfen, wo gerade Erik Durm umgeschult wird und Schmelzer ersetzt.

Eine derartige Verletzungsserie unterzieht aber auch den gut bestückten Kader der Borussia einem Stresstest. Wie weit die Flexibilität geht, ohne dass dabei ein Qualitätsverlust entsteht, wird in den nächsten Spielen geklärt werden.

Klopps Möglichkeiten

Als einziger gelernter defensiver Mittelfeldspieler steht im Moment Oliver Kirch zur Verfügung, der in seinen knapp anderthalb Jahren in Dortmund den Beweis seiner BVB-Tauglichkeit noch schuldig geblieben ist. Den meisten Dortmunder Anhängern wäre nicht wirklich wohl, wenn der BVB bei Arsenal mit Kirch im Mittelfeld auflaufen müsste.

Da Benders Aussichten auf ein schnelles Comeback relativ hoch sind, wäre auch eine Systemumstellung auf 4-3-3 möglich. Sowohl Jakub Blaszczykowski als auch Mkhitaryan könnten auf den Halbpositionen vor Bender agieren. Auch Großkreutz hat dort schon gespielt.

Seinen Platz rechts hinten könnte dann der vermutlich bald genesene Sokratis einnehmen, wenn der nicht gerade wie im nächsten Bundesligaspiel Mats Hummels im Zentrum ersetzen muss.

Trainer Jürgen Klopp stehen spannende und arbeitsreiche Wochen bevor, er ist in diesen Tagen auch als Improvisationskünstler gefragt. Dass er diese Rolle ausfüllen kann, hat er in den vergangenen Jahren bewiesen. Beim Basteln der Aufstellung wird für ihn wohl Mannschaftsarzt Dr. Markus Braun der wichtigste Ansprechpartner sein.

Der Kader von Borussia Dortmund

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