Nach Polizei-Rückzug aus Schalker Arena

Jäger: Kein Präzedenzfall für deutschen Fußball

SID
Freitag, 13.09.2013 | 14:48 Uhr
Nach Kritik für ihr Vorgehen gegen Schalker Fans fasste die Polizei ihren Entschluss
© getty
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Der Rückzug der Polizei aus dem Schalker Stadion hat keine Konsequenzen für die Heimspiele anderer Fußball-Bundesligisten.

Update "Das ist allein ein Problem, das in Schalke existiert - und das in Schalke gelöst werden muss", betonte der nordrheinwestfälische Innenminister Ralf Jäger im "SID"-Interview, womit er einen Präzedenzfall für den deutschen Fußball ausschloss.

Jäger hatte mit seiner Anordnung am Donnerstag auf die teilweise harsche Kritik an einem harten Einsatz der Polizei im Play-off-Hinspiel zur Champions League am 21. August gegen PAOK Saloniki (1:1) reagiert. Polizeibeamte waren mit Schlagstöcken und unter Einsatz von Pfefferspray in den Schalker Block eingedrungen. 80 Personen mussten sich anschließend in ärztliche Behandlung begeben, weil sich griechische Fans anscheinend durch eine mazedonische Fahne provoziert gefühlt hatten.

Kritik aus der Politik

Statt vom betroffenen Fußball bekommt Jäger für seine Anordnung in der Politik kräftigen Gegenwind. "Die nordrhein-westfälische Polizei ist nicht die Privatarmee von Herrn Jäger. Er darf sie nicht nach Gutsherrenart führen. Der Schnellschuss ist eine Kriegserklärung an die gesamte Bundesliga. Zudem spielt er fahrlässig mit der Gesundheit und der Sicherheit der Fußballfans", erklärte Peter Biesenbach als stellvertretender CDU-Fraktionsvorsitzender im Düsseldorfer Landtag gut eine Woche vor der Bundestagswahl. Jägers Maßnahme sei "völlig unverhältnismäßig".

Biesenbach verwies auf mögliche Auswirkungen der "unausgegorenen Pläne" über den Schalker Bereich hinaus. Die Maßnahme träfe "auch alle anderen Klubs, die im Laufe der Saison in Gelsenkirchen antreten werden. Auch deren Fans werden künftig mit Sicherheitsentzug durch NRW-Innenminister Jäger bestraft", sagte der Unionspolitiker.

Schalkes bevorstehende Begegnungen in der Liga mit den Erzrivalen Bayern München (21. September) und Borussia Dortmund (26. Oktober) sowie in der Champions League mit dem FC Chelsea, meinte Biesenbach weiter, "dürfen nicht ohne die Polizei über die Bühne gehen. Falls es dort zu brenzligen Situationen kommen sollte, weil sich die Polizei nicht auf dem Stadiongelände aufhalten durfte, ist Herr Jäger dafür verantwortlich."

Rückendeckung von der Sportministerkonferenz

"Ich kann das nachvollziehen, wenn einem Innenminister da der Kragen platzt, wenn die Polizei so behandelt wird", sagte dagegen Boris Rhein (CDU), der Vorsitzende der Jahrestagung in Wiesbaden, dem "SID": "Ralf Jäger zeigt hier ein deutliches Signal, aber Schule wird das nicht machen. Wenn was ist, wird die Polizei immer kommen."

Am Ende die "Polizei in die Pfanne zu hauen", sei "nicht sportlich", sagte Rhein, der betonte, "dass es das bei uns in Hessen nicht geben wird. Wir stehen hier in einer Kultur des Austausches."

Gute Zusammenarbeit mit Dortmund

Der Schalker Revierrivale Borussia Dortmund muss ähnliche Schritte der Polizei in seiner Arena nicht befürchten. "Wir haben eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem BVB. Die Gelsenkirchener Verhältnisse sind nicht eins zu eins auf uns übertragbar", sagte Polizeisprecher Kim Ben Freigang und betonte, dass die Polizei weiter an Gesprächen mit den Ultras interessiert sei, diese einen Austausch aber "leider" ablehnten.

Auch Minister Jäger sieht in Dortmund derartige Probleme nicht. "Weil wir mit Borussia Dortmund außergewöhnlich gut und eng zusammenarbeiten", stellte der SPD-Politiker fest.

"Ungewöhnlich, wenn es nicht zu einem Verstoß kommen würde"

Heribert Bruchhagen, in Personalunion Vorstandsvorsitzender der Deutschen Fußball Liga und des Bundesligisten Eintracht Frankfurt, geht ebenfalls nicht davon aus, dass sich die Polizei aus dem Stadion in Frankfurt zurückziehen wird. "Ich habe keinerlei Anzeichen von Innenminister Rhein oder Polizeipräsident Thiel in diese Richtung gehört. Wir zeichnen uns in Hessen dadurch aus, dass wir sehr kooperativ mit der Polizei zusammenarbeiten", sagte Bruchhagen bei hr-iNFO.

Natürlich seien die Polizei nicht immer mit dem Fanverhalten und unsere Fans nicht immer mit der Polizei einverstanden. Aber alles, was um das Spiel von Eintracht Frankfurt herum geschehe, sei sehr professionell, ergänzte Bruchhagen.

Dass Fußball-Stadien künftig zu polizeifreien Zonen werden, in denen nur noch Mitarbeiter von Sicherheitsdiensten für Ordnung sorgen, glaubt Bruchhagen nicht. "Es gibt Diebstähle, es gibt Scharmützel zwischen rivalisierenden Fans - es wäre ja ungewöhnlich, wenn 48.000 Menschen zusammenkommen und es nicht zu einem rechtsstaatlichen Verstoß kommen würde", so Bruchhagen weiter. Das sei auf jeder Kirmes so. Von daher könne er sich nicht vorstellen, dass auf einmal aus der doch relativ problematischen Bundesliga-Zone ein Eldorado der Glückseligen ohne jede Polizeinotwendigkeit entstehen würde.

Recht auf Präsenz der Polizei

In einer Stellungnahme der Gewerkschaft der Polizei heißt es, dass der der offene Streit über die Anwesenheit der Polizei in den Stadien nicht zum Abbruch des Dialogs über die Sicherheit rund um den Fußball führen dürfe. "Wir haben großes Verständnis für die massive Verärgerung unserer Kolleginnen und Kollegen aus Nordrhein-Westfalen, die für einen mit den Verantwortlichen von Schalke 04 abgestimmten Einsatz zu Unrecht kritisiert wurden", meinte der stellvertretende GdP-Bundesvorsitzende Jörg Radek.

Die weit über zehn Millionen Zuschauer allein in einer Bundesligasaison hätten jedoch das Recht auf ein sicheres Fußballerlebnis und damit auch auf die Präsenz der Polizei.

Schalke 04 im Überblick

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