Unbekannte Reise des Underdogs

Von Tim Noller
Dienstag, 24.09.2013 | 09:38 Uhr
Der FC Augsburg feiert nach dem gelungenen Saisonstart in der Bundesliga
© getty
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Andauernder Höhenflug oder Eintagsfliege? Qualität oder Glück? Nach dem überraschenden Saisonstart des FC Augsburg rätselt Fußball-Deutschland über das Team von Trainer Markus Weinzierl. Mit drei Siegen steht die Mannschaft auf Platz acht der Bundesligatabelle, bleibt jedoch bescheiden. Die nächste Bewährungsprobe folgt mit dem Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach (20.15 Uhr im LIVE-TICKER).

Samstag, 16.43 Uhr: Der FC Augsburg führt in Hannover mit 1:0. Mit diesem Ergebnis würden die Schwaben bis auf Tabellenplatz vier vorrücken.

Doch dann das: FCA-Keeper Alexander Manninger trifft nach einer Szabolcs-Huszti-Hereingabe nicht den Ball, sondern streckt seinen Mitspieler Ragnar Klavan nieder. Hannovers Stürmer Artur Sobiech schiebt ungehindert zum 1:1-Ausgleich ein. Im Anschluss findet der FCA nicht mehr ins Spiel und verliert die Partie folgerichtig mit 2:1 durch einen späten Handelfmeter. Eine Szene mit Symbolcharakter?

Bisher verlief die Saison für die Augsburger wie in einem Traum. Mit drei Siegen aus den ersten fünf Spielen stellte man nicht nur einen Vereinsrekord auf, sondern rückte sogar bis auf Rang sechs der Bundesligatabelle vor. Eine ungewohnte Situation, denn in Augsburg kannte man seit dem umjubelten Bundesliga -Aufstieg im Jahr 2011 nichts anderes als Abstiegskampf.

Ein Blick zurück verdeutlicht, dass Augsburg zweimal nur hauchdünn am Abstieg in Liga zwei vorbeischrammte. Jos Luhukay führte sein Team in der Saison 2011/2012 mit 38 Punkten auf den 14. Platz. Noch knapper wurde es in der abgelaufenen Saison: Nach einer völlig verkorksten Hinrunde, in der dem FCA nur ein Sieg gelang, rettete sich das Team von Markus Weinzierl erst am letzten Spieltag. Damals profitierten die Augsburger von einer Düsseldorfer Niederlage, sodass sie sich mit 33 Punkten noch auf den ersehnten Nichtabstiegsplatz vorkämpften.

Weichen für den Erfolg im Winter gestellt

Möchte man das Erfolgsgeheimnis des FC Augsburg in der aktuellen Saison untersuchen, muss man deshalb zwangsläufig die Winterpause der vergangenen Spielzeit beleuchten. Denn in diesem Zeitraum wurden bereits wichtige Grundlagen gelegt, was sich bis heute auszahlt.

Eine bemerkenswerte Entscheidung der Vereinsführung, allen voran Präsident Walther Seinsch, war, an Trainer Markus Weinzierl festzuhalten. Statt den Coach aufgrund der mageren Punkteausbeute zu entlassen, stärkte man ihm den Rücken. Anders als in Hoffenheim und Wolfsburg, die sich von Markus Babbel beziehungsweise Felix Magath trennten, behielt man die Geduld und vertraute auf den Trainer. Zusätzlich unterstützte man ihn mit einem erfahrenen Geschäftsführer Sport.

Erfolgsfaktor Stefan Reuter

Der Welt- und Europameister Stefan Reuter arbeitet seit Dezember 2012 eng mit Weinzierl zusammen. Wo es in anderen Klubs möglicherweise Kompetenzgerangel gegeben hätte, kooperierten die beiden von Beginn an. "Wir respektieren uns tausendprozentig und ich bin froh, dass er da ist", sagte Weinzierl und konkretisierte: "Mit Stefan Reuter haben wir von Anfang an in eine Richtung gearbeitet und das Ding gedreht. Er hat uns den Glauben gegeben, dass wir das schaffen können und hat positiven Schwung rein gebracht."

Neben dieser wichtigen Personalie in der Führungsebene, gab aus sportlicher Sicht der Transfer von Andre Hahn Auftrieb. Der Rechtsaußen kam von den Offenbacher Kickers und etablierte sich schnell als Stammspieler. Zudem stellte Weinzierl das System um. Während er in der Hinrunde größtenteils mit zwei defensiven Mittelfeldspielern im 4-2-3-1 spielen ließ, agierte der FCA ab der Rückrunde etwas offensiver. "Die Systemumstellung auf ein 4-1-4-1 im Winter hat uns stabilisiert", weiß auch Defensivmotor Daniel Baier.

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All diese Veränderungen haben das Fundament für die jüngsten Erfolge gelegt. Ergänzt wurden sie durch eine vernünftige Transferpolitik im Sommer. Vom VfB Stuttgart kam Raphael Holzhauser auf Leihbasis und mit Halil Altintop holte man einen erfahrenen Spieler zurück in die Bundesliga. Nachdem Arkadiusz Milik seine Muskelverletzung auskuriert hat, steht Coach Weinzierl mit der Leihe aus Leverkusen eine weitere Alternative für das Sturmzentrum zur Verfügung.

Abgestimmtes Defensivverhalten

Doch die Gründe für den Augsburger Höhenflug liegen weniger im Angriff, als in der starken Defensive. Vor dem letzten Spiel gegen Hannover ließ Augsburg die wenigsten Torschüsse (39) aller Bundesligateams zu. Ohnehin ist die große Stärke der Schwaben, dass sich alle elf Spieler an der Defensivarbeit beteiligen. Selbst Offensivspieler wie Sascha Mölders oder auch Andre Hahn glänzen mehr durch aufopferungsvollen Kampf als durch virtuose Kunststücke am Ball.

So leitet Mölders häufig das Augsburger Pressing mit geschicktem Anlaufen ein. Die offensive Viererreihe im Mittelfeld agiert im Anschluss sehr variabel, um den Gegner ständig unter Druck zu setzen. Abgesichert wird dieses Pressing von Daniel Baier, der im defensiven Mittelfeld für die nötige Balance zwischen Aggressivität und Kompaktheit zuständig ist.

Schweres Programm in der Bundesliga

Mit diesem laufintensiven Verteidigungsstil und der geduldigen Mentalität im Verein steht der FC Augsburg völlig verdient auf dem achten Tabellenplatz. Blickt man jedoch auf das kommende Programm in der Bundesliga, wird deutlich, dass die Schwaben gut daran tun, den Saisonstart nicht über zu bewerten: "Der Blick auf die Tabelle ist sehr schön. Wir haben 9 von 40 Punkten, die wir brauchen, um in der Klasse zu bleiben", dämpfte Weinzierl die Erwartungen im Umfeld angesichts der nächsten Aufgaben.

Mit Gladbach, Schalke, Wolfsburg und Leverkusen warten nun Gegner, deren Ziele die internationalen Plätze sind. Die bisherigen Siege fuhr Augsburg allesamt gegen schwächelnde Teams wie Freiburg, Stuttgart oder Nürnberg ein.

So kann das kommende Spiel gegen die auswärtsschwachen Gladbacher möglicherweise schon Auskunft darüber geben, in welche Richtung sich die Saison für Augsburg entwickelt. Weinzierl jedenfalls bleibt bescheiden und weiß genau, welchen Aufwand der FC Augsburg in jedem Spiel betreiben muss, um die Klasse zu halten: "Wir sind bodenständig und wissen ganz genau dass es für uns immer zu 100 Prozent passen muss, um in der Bundesliga 3 Punkte zu holen."

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