Selbstanzeige beim Finanzamt

Hoeneß unter Verdacht der Steuerhinterziehung

SID
Samstag, 20.04.2013 | 18:33 Uhr
Uli Hoeneß ist seit 2009 Präsident des FC Bayern München
© getty
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Uli Hoeneß hat beim Finanzamt Selbstanzeige wegen eines Kontos in der Schweiz erstattet. Die Staatsanwaltschaft München II ermittelt wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung.

Das bestätigten sowohl der Präsident des FC Bayern München als auch Oberstaatsanwalt Ken Heidenreich dem "Focus".

Laut Recherchen des "Focus" ist Hoeneß' Anwesen im Tegernseer Tal durchsucht worden - dies wird von Hoeneß und der Staatsanwaltschaft allerdings nicht bestätigt. "Ich habe im Januar 2013 über meinen Steuerberater beim Finanzamt eine Selbstanzeige eingereicht", sagte Hoeneß. Diese hänge "mit einem Konto von mir in der Schweiz" zusammen. Die Wirksamkeit der Selbstanzeige und die steuerlichen Folgen würden "derzeit von den Behörden geprüft".

Hoeneß vertraut den Behörden

Das bestätigte auch Ken Heidenreich, der sagte, Gegenstand des im Januar eingeleiteten Verfahrens sei die "Prüfung auf Wirksamkeit und Vollständigkeit der Selbstanzeige".

Bei dieser Prüfung, erklärte Hoeneß, arbeite er mit seinen Anwälten und Beratern selbstverständlich "in vollem Umfang" mit. "Ich vertraue voll und ganz auf die Arbeit der mit dem Fall befassten Behörden und bitte, mit Respekt darauf von weiteren Anfragen abzusehen", sagte der 61-Jährige. Der Verein wollte sich auf Anfrage am Samstag nicht äußern.

Laut Recherchen der "SZ" hat Hoeneß seit mehr als zehn Jahren versteuertes Geld in Millionenhöhe bei einer in Zürich ansässigen Bank liegen. Anscheinend, so die Zeitung, hat er dem deutschen Fiskus allerdings nicht die anfallende Kapitalertragsteuer gezahlt.

Kritik von Transparency International

Kritik gab es von Sylvia Schenk, Sportbeauftragte der Anti-Korruptions-Organisation Transparency International. "Die Glaubwürdigkeit von Hoeneß ist extrem erschüttert. Es wird sicher ganz schwer sein für ihn, da wieder herauszukommen", sagte Schenk der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

Der Fall Hoeneß sei ein "Schlag gegen den ganzen Sport, der gerade auf verschiedenen Gebieten um seine Glaubwürdigkeit kämpft".

Seehofer wusste schon lange Bescheid

Auch der bayerische Landesvater hatte anscheinend Kenntnis von dem Vorgang. CSU-Chef Horst Seehofer war am Samstag in Sachen Landtagswahl in München unterwegs und sagte auf "AZ"-Anfrage: "Ich weiß, dass ein Verfahren läuft." Er sei darüber bereits "seit geraumer Zeit" informiert. "Das müssen jetzt die Justiz- und Finanzbehörden regeln", sagte Seehofer.

Der Politiker betonte, es werde seitens der Staatsregierung kein Einfluss auf die Behörden genommen: "Er wird behandelt wie jeder andere Bürger auch." Laut "AZ" hat Hoeneß am vergangenen Mittwoch gegenüber der Zeitung noch dementiert, dass gegen ihn in Steuersachen ermittelt werde.

Hoeneß wollte Deutsch-Schweizer-Steuerabkommen nutzen

Mit einer Selbstanzeige kann ein Steuerhinterzieher für sich das Strafmaß und die Nachzahlungen deutlich reduzieren. Wenn er aber zum Zeitpunkt der Selbstanzeige bereits Kenntnis vom Beginn von Ermittlungen hat oder haben müsste, ist eine Selbstanzeige nicht mehr möglich bzw. nicht mehr strafmildernd oder strafbefreiend. Mit der Frage, ob Uli Hoeneß die Vorteile der Selbstanzeige nutzen kann, beschäftigt sich derzeit die Staatsanwaltschaft.

Hoeneß erklärte, er habe die "Angelegenheit" ursprünglich über das Deutsch-Schweizer Steuerabkommen regeln wollen, das "bekanntlich Mitte Dezember 2012 nicht zu Stande gekommen" sei. Über das Steuerabkommen hätten Personen, die in der Schweiz nichtversteuerte Gelder liegen haben, dies mit einer für den deutschen Fiskus anonymen pauschalen Einmalzahlung legalisieren können.

Uli Hoeneß im Steckbrief

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