Zwei Zungen, eine Botschaft

Von Andreas Lehner
Montag, 18.03.2013 | 16:21 Uhr
Uli Hoeneß holte Matthias Sammer vor der Saison zum FC Bayern
© getty
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Der FC Bayern kann an Ostern schon Meister werden. Trotzdem gibt es Kritik von Uli Hoeneß und Matthias Sammer, wenn auch auf unterschiedliche Art und Weise. Warum, zeigt die Vergangenheit.

Uli Hoeneß hat vergangene Woche mal wieder auf den Tisch gehauen. Einen schönen Dreck habe der FC Bayern in den letzten drei Wochen gespielt, schimpfte der Präsident nach dem Einzug ins Viertelfinale der Champions League gegen den FC Arsenal.

Hoeneß sorgte dafür, dass vorerst wieder Unruhe herrschte in der Wohlfühloase FC Bayern. Beim souveränen Tabellenführer der Bundesliga, beim DFB-Pokal-Halbfinalisten, beim Champions-League-Viertelfinalisten.

Hoeneß schwingt den Holzhammer

Den Trainer ließ diese Kritik relativ unberührt, auch die Spieler dürften sich nicht sonderlich angestachelt gefühlt haben. Schließlich wissen sie, wie solche Spiele zustande kommen und wie diese am Ende auch bewertet werden sollten. Hoeneß dürfte das auch wissen, er hat ja jahrelang auf höchstem Niveau gespielt. Trotzdem hat er sich mal wieder für die Holzhammer-Rhetorik entschieden.

In diesem Zusammenhang sei auch erwähnt, dass Hoeneß einst feststellte: Der Weihnachtsmann war noch nie der Osterhase. Letzter hat auch noch nie die Meisterschale verteilt, sollte sie aber in zwei Wochen zumindest im Gepäck haben, wenn die Bayern ihr Heimspiel gegen den HSV gewinnen und Borussia Dortmund zuvor nicht beim VfB Stuttgart gewinnt.

Bis hierher und nicht weiter

Mit Rechenspielen zur frühesten Meisterschaft der Geschichte sollte man Sportvorstand Matthias Sammer nicht auf den Geist gehen. "Das ist mir wurscht. Wir wissen, dass wir einen Vorsprung von 20 Punkten haben", sagte Sammer nach dem 2:1-Sieg in Leverkusen. "Aber wir wissen auch, dass wir bei den Zielen, die wir haben, ein paar Dinge besser machen müssen."

Die Bayern sind gewissermaßen ein Opfer ihrer selbst. Sie haben vor der Saison die deutsche Meisterschaft als oberstes Ziel ausgegeben, um dem BVB endlich die Meisterschale wieder abzuknöpfen. Hoch konzentriert und mit beeindruckender Entschlossenheit marschierten die Münchner durch die Liga. 20 Punkte Vorsprung acht Spieltage vor Schluss sind das Resultat.

Als Konsequenz der Dominanz sind den Bayern Gegner und Eigenmotivation abhandengekommen. "Etwas gemenschelt" habe es in den vergangenen Wochen, sagte Sammer, der wie schon vor der Saison von ein paar fehlenden Prozent sprach. "Das haben wir auch akzeptiert - bis hierher, aber jetzt nicht mehr." Spätestens nach der Länderspielpause wehe an der Säbener Straße wieder ein anderer Wind.

Seitenhieb auf Hoeneß

Anders als Hoeneß machte Sammer aber nicht die Medien für den Spannungsabfall innerhalb des Teams verantwortlich, sondern suchte intern nach Gründen. Den vorläufigen Saisonhöhepunkt gegen Dortmund im DFB-Pokal habe man "völlig hyper-eingeschätzt, statt da mal ein bisschen sachlich zu bleiben". Deshalb "fallen wir natürlich dann in Extreme, wenn wir mal so ein Spiel verlieren wie gegen Arsenal".

Davon dürfte sich auch Hoeneß angesprochen fühlen, der nach dem 1:0-Sieg über den BVB die Machtverhältnisse in Deutschland als geklärt ausrief, die Revanche öffentlich genoss und nach dem Arsenal-Spiel übertrieben austeilte.

Das Triumphgefühl über Dortmund gefiel Sammer schon am Tag des Sieges nicht. Er sehe überhaupt keinen Grund, zu diesem Zeitpunkt schon zu reden, meinte der Sportvorstand. Ein Viertelfinalsieg in einem Heimspiel über Dortmund sei doch kein bedeutender Eintrag auf einer Autogrammkarte.

Sammer moniert spieltaktische Fehler

Unter dieser Fehleinschätzung haben auch die Mechanismen auf dem Platz gelitten. Sammer spricht dann immer von Inhalten. "Dort haben wir eindeutig ein paar Schwächen gezeigt, dass wir nicht mehr so rigoros und so konsequent im Spiel gegen den Ball gearbeitet haben." Sammer erkannte Mängel im Umkehrspiel, in der Aufmerksamkeit und der Grundordnung. Hoeneß fand die Leistung gegen Leverkusen dagegen "total okay".

Sammers Aufgabe ist es auch, etwas mehr Konstanz in den Verein zu bringen, was die Bewertung von Leistungen betrifft. Der FC Bayern definiert sich bisher vor allem über Erfolge und danach richten sich sehr oft auch die Kommentare von Hoeneß und meistens auch von Karl-Heinz Rummenigge. Langfristige Einschätzungen, völlig losgelöst von Zahlen, Ergebnissen und Tabellen, sind dagegen Sammers Sache. Er kann Strömungen und Entwicklungen besser erkennen und bewerten.

So kommt es, dass die Oberen in München oft mit mehreren Zungen sprechen, aber eigentlich nur eine, gemeinsame Botschaft übermitteln wollen. Diese lautet: Achtung, jetzt wird's ernst! Titel werden vergeben!

Warnung aus der Saison 2007/08

Mannschaft und Trainer sind in den nächsten Wochen gefordert, die Spannung wieder aufzubauen, um in den entscheidenden K.o.-Spielen in den beiden Pokalwettbewerben die bestmögliche Leistung abrufen zu können.

In einer ähnlich komfortablen Situation befanden sich die Münchner zuletzt in der Saison 2007/08. In der Meisterschaft war alles geregelt, im Pokal zitterte man sich nach einem Halbfinalsieg über Wolfsburg im Finale zum Triumph über Dortmund.

In der Europa League wartete erst ein bedeutungsloses Rückspiel gegen den RSC Anderlecht, dann der FC Getafe und schließlich Zenit St. Petersburg. Die Bayern schafften es zwar irgendwie ins Halbfinale, gewannen auf internationalem Parkett gegen eigentlich zweitklassige Gegner aber keines ihrer letzten fünf Spiele.

Die Termine des FC Bayern München

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