Aufstieg im Schatten der Großen

Von Susanne Schranner
Freitag, 25.01.2013 | 11:52 Uhr
Fabian Giefer hat bei der Fortuna zuletzt einigen Grund zum Jubeln
© Getty
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Zum Rückrundenauftakt gegen Augsburg erlebte Fabian Giefer seine erste tiefdunkle Stunde als Bundesligatorwart. Dabei ist der Keeper ein Garant für die gute Rolle, die Düsseldorf in der Liga spielt.

Nach seinen unglücklichen Patzern gegen den FC Augsburg (2:3) am letzten Wochenende gab sich Düsseldorfs Torwart Fabian Giefer zwar selbstkritisch, nahm sich seine Fehler jedoch auch nicht zu sehr zu Herzen.

"Ich werde mich jetzt nicht einbuddeln, dazu bin ich nicht der Typ", sagte er nach seiner äußert unglücklichen Vorstellung mit zwei halben Eigentoren. Giefer hat auch keinen Grund, an sich selbst zu zweifeln, denn abgesehen von seinem dunklen Tag gegen die Schwaben spielt der 22-Jährige bislang eine herausragende Saison.

Giefer kam vor der Saison von Bayer Leverkusen nach Düsseldorf. Im Kampf um den Platz zwischen den Pfosten setzte er sich in der Vorbereitung promt gegen seinen Konkurrenten Robert Almer durch. Und das, obwohl er bis zu diesem Zeitpunkt gerade mal sechs Bundesligaspiele für den Werksklub bestritten hatte.

Platz drei hinter Neuer und Adler

Die Entscheidung, auf den jungen Keeper zu setzen, sollte sich für die Fortuna trotzdem als durchweg richtig erweisen. Giefer liegt in der Torhüter-Statistik bei den gehaltenen Bällen mit 74,8 Prozent auf Platz drei hinter Manuel Neuer und Rene Adler.

16 Großchancen vereitelte Giefer in den ersten 18 Saisonspielen, nur Stuttgarts Sven Ulreich war besser (19). "Fabian strahlt Ruhe aus und gibt uns Vetrauen. Wir wissen, dass wir uns auf ihn verlassen können", sagte Mitspieler Nando Rafael.

Sieben Mal spielte Düsseldorf schon zu Null und 25 Gegentore, davon fünf gegen die Bayern, sind für einen Aufsteiger ebenfalls kein schlechter Wert. Frankfurt und Fürth kassierten je 30 Gegentreffer.

Torwartprobleme bei der Konkurrenz

Die Konstanz ihres Torwarts wird man bei der Fortuna umso mehr zu schätzen wissen, wenn man die Situation bei manch anderen Teams beobachtet, die neben Düsseldorf um den Klassenerhalt kämpfen. In Hoffenheim wurde Tim Wiese nach seiner durchwachsenen Leistung in der Hinrunde zwischenzeitlich auf die Bank degradiert und durch Koen Casteels ersetzt.

Der FC Augsburg hat diese Saison - auch auf aufgrund der Verletzung von Simon Jentzsch - bereits drei verschiedene Torhüter getestet. Aktuell ist Alexander Manninger die Nummer eins.

Und in Nürnberg stand in der Hinrunde kurzzeitig sogar nur ein Torwart zur Verfügung. Raphael Schäfer fiel wegen einer Achillessehnenreizung für drei Spiele aus, sein eigentlicher Ersatz Alexander Stephan konnte aber aufgrund eines Knorpelschadens im Knie nicht einspringen. Übrig blieb nur noch Patrick Rakovsky, der ansonsten im Regionalliga-Team der Franken zu seinen Einsätzen kommt.

Da auch die zweite Mannschaft des Clubs nicht von Verletzungssorgen verschont blieb, saß für ein Bundesligaspiel sogar der U19-Keeper Max Nawe auf der Bank.

Auch Bayern und Schalke waren schon dran

Der Wert von Fabian Giefer kann in Düsseldorfs Kampf um den Klassenerhalt also eigentlich nicht hoch genug eingeschätzt werden.

Doch nicht nur die Fortuna setzt große Stücke auf das junge Torwart-Talent. Als sein Abschied von Bayer Leverkusen im Sommer beschlossene Sache war, wurde er gleich von mehreren Bundesligaklubs umworben, darunter war auch FC Bayern München.

Für FCB-Trainer Jupp Heynckes war Giefer sogar ein alter Bekannter: Zu seiner Zeit bei Bayer verhalf er dem Torwart damals zum Bundesligadebüt. "Fabian ist ein sehr talentierter Torwart", schwärmte Heynckes und beriet sich mit seinem ehemaligen Schützling im Sommer sogar über dessen Zukunft.

Giefers Wahl fiel dennoch auf Fortuna Düsseldorf. Er entschied sich gegen ein finanziell lukratives Angebot aus München, um in Düsseldorf seine realistische Chance warzunehmen, die Nummer eins zu werden.

Nach seiner starken Hinrunde wurde auch Schalke 04 auf Giefer aufmerksam. Weder Timo Hildebrand noch Lars Unnerstall konnten bei den Knappen überzeugen. Für Giefer war der Champions-League-Achtelfinalist jedoch keine Option. "Ich sehe meine Zukunft vorerst bei Fortuna Düsseldorf", stellte er klar.

Abstiegskampf als Problem?

Bei der Fortuna wird man dieses Bekenntnis mit Freude aufnehmen. Ein bisschen könnte das aber auch Giefers einziges wirkliches Problem werden. Denn während bundesweit Namen wie Marc-Andre ter Stegen (Mönchengladbach) oder Bernd Leno (Leverkusen) immer wieder als Beweis für die Luxusprobleme im deutschen Torhüter-Nachwuchs genannt werden, bleibt Giefer bislang noch außen vor.

Früher noch war Giefer fester Bestandteil der DFB-Nachwuchsmannschaften, zuletzt schien seine Länderspielkarriere allerdings ein wenig zu stagnieren. Im November wurde er das erste Mal zur U-21-Nationalmannschaft eingeladen, musste dort allerdings von der Bank aus die Paraden von Freiburgs Oliver Baumann verfolgen. Auch Kevin Trapp von Eintracht Frankfurt hat dort normalerweise noch die Nase vorn.

Die große Auswahl an jungen hoffnungsvollen Torhütern ist für Giefer also mehr Fluch als Segen. Seine Konkurrenten haben darüber hinaus auch noch den Vorteil, dass sie bei ihren Bundesligaklubs nicht nur in einer anderen Tabellenregion spielen, sondern im Fall von Leno und ter Stegen auch noch Einsatzzeiten in der Europa-League sammeln können.

Mit der Fortuna kämpft Giefer zur gleichen Zeit um den Klassenerhalt. Im Derby gegen Mönchengladbach muss er beweisen, dass ihm die Fehler gegen Augsburg keinen Knacks gegeben haben.

Fortuna Düsseldorf: Kader, News, Termine

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