Ist Keller ein zu großes Risiko?

Von SPOX
Sonntag, 16.12.2012 | 21:06 Uhr
Jens Keller (l.) wurde von Manager Horst Heldt als neuer Cheftrainer auf Schalke installiert
© Getty
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Huub Stevens ist auf Schalke Geschichte. Neuer Cheftrainer ist in Jens Keller ein relativ unerfahrener Coach - und das in einer sehr schwierigen Phase für den Klub. An Kellers Schicksal hängt nun auch besonders das von Manager Horst Heldt. Das sagen die Beteiligten, die mySPOX-User und SPOX zu den turbulenten Entscheidungen auf Schalke.

SPOX-Meinung von Stefan Rommel:

Beim Schalker Spiel in Leverkusen sei etwas kaputtgegangen. Was genau zum Bruch zwischen Huub Stevens und der Schalker Mannschaft geführt hat, wird wohl nie restlos geklärt werden.

Jedenfalls hat der erfahrene (Jahrhundert-)Trainer Stevens binnen weniger Wochen komplett den Zugang zu seiner Mannschaft verloren. Der beste Saisonstart seit Jahrzehnten mündete plötzlich in die Schreckensbilanz eines Absteigers. Innerhalb der Mannschaft gibt es einige gravierende Baustellen, zudem ist Schalke nicht irgendein Klub. Sondern einer mit hohen Ansprüchen und Zielen, der auf Grund seiner finanziellen Lage quasi verpflichtet ist, auch am Ende dieser Saison wieder in die Champions League einzuziehen. Eine sehr brisante Mischung hat sich da zusammengebraut.

Insofern verwundert es, dass die Verantwortlichen einem im Profigeschäft wenig erfahrenen Trainer wie Jens Keller diese Mannschaft in dieser Situation anvertrauen. Keller hat im Jugendbereich in Stuttgart und auf Schalke gute Arbeit geleistet. Das alleine befähigt ihn aber kaum, auch eine Truppe gestandener und bisweilen sehr eigenwilliger Profis wieder zu einer Einheit und aus der Krise zu führen. Seine Reputation in der Bundesliga beläuft sich auf neun Spiele mit dem VfB Stuttgart, in denen er nur neun Punkte holte und dann wieder entlassen wurde.

Nicht mit dem besten Leumund, leistete er sich doch unter anderem gegenüber seinem Vorgänger Christian Gross einige Attacken, die man unter Trainern in der Form eigentlich nicht setzt. Die Chance auf eine Rückkehr in die Bundesliga tendierte quasi gegen Null. Die Wahl Kellers kommt auch vor dem Hintergrund, dass sich in Co-Trainer Markus Gisdol schon längst ein begehrter Coach Hoffnungen auf eine Beförderung machen durfte, überraschend.

Jetzt musste aber auch Gisdol gehen, damit Keller als starker Mann seine Arbeit aufnehmen kann. Nachfragen zur Personalie Gisdol beantwortete Manager Horst Heldt relativ knapp. Vielmehr verwies er mehrmals darauf, dass sich bei einem Verbleib Gisdols keine klare Hierarchie - also Abgrenzung zum neuen Cheftrainer Keller - hätte bilden können. Keller bekommt stattdessen nun, ohne auch nur ein Spiel absolviert zu haben, einen Freifahrtsschein bis zum Saisonende. Schalke geht großes Risiko. Und mit Keller haben sich nun auch Heldt und Tönnies aufs dünne Eis begeben.

 

Das sagen die Beteiligten:

Horst Heldt (Manager Schalke 04): "Die Bundesliga ist unser tägliches Brot. Nach einem sehr guten Saisonstart, dem besten seit 40 Jahren, hat sich leider ein schleichender Prozess in der Bundesliga entwickelt. Wir sind in der Hinrunde insgesamt leider hinter unseren Erwartungen geblieben. [...] Warum soll man in die Ferne schauen, wenn man selbst gute Leute vor Ort hat? Jens war sofort bereit, die Aufgabe zu übernehmen. Ich kenne ihn noch aus meiner Zeit in Stuttgart und bin davon überzeugt, dass er ein hervorragender Trainer ist. Jens war selbst Profi und hat einen großen Erfahrungsschatz. Wir erhoffen uns von ihm neue Impulse, um wieder in die Erfolgsspur zurückzukehren. Er genießt unser vollstes Vertrauen. [...] Markus Gisdol hat sehr gute Arbeit auf Schalke geleistet. Mit der Benennung von Jens Keller wollten wir eine klare Hierarchie im Trainerstab schaffen. Ich möchte aber betonen, dass Markus gegenüber dem Verein immer loyal war."

Jens Keller (Trainer Schalke 04): "Als ich im Sommer als U-17-Trainer vorgestellt wurde, hätte ich nicht damit gerechnet, hier einmal Coach der Profis zu werden. Ich habe mich einfach nur auf die spannende Aufgabe im Nachwuchsbereich gefreut [...] Die Mannschaft hat mich positiv aufgenommen. Im Training habe ich gespürt, dass das Team absolut fokussiert auf das DFB-Pokalspiel ist."

Clemens Tönnies (Präsident Schalke 04): "Kurz vor Weihnachten entlässt man nicht gerne einen Trainer. Aber ich bin felsenfest davon überzeugt, dass wir die richtige Entscheidung getroffen haben. Stevens hat die Mannschaft nicht mehr erreicht. Jens Keller ist keine Interimslösung.Er bleibt mindestens bis zum Saisonende Cheftrainer."

Das sagen die mySPOX-User:

chris1995: Keller sollte man auf jeden Fall eine Chance geben. Aktuell war er im Verein der erfolgreichste Trainer, 13 Spiele, 13 Siege mit der besten B-Jugend Deutschlands. Und Trainer können aus Fehlern auch lernen, deswegen werde ich ihm jedenfalls eine Chance geben. Für den Sommer wird man wohl eine "größere" Lösung anstreben wollen.

steveaustin: Souverän in der CL, Heimspiel im DFB-Pokal vor der Nase, die CL-Plätze sind in Reichweite für die Rückrunde, da dort auch Teams vor Schalke stehen, denen eine konstante Saison auf dem Niveau nicht unbedingt zuzutrauen ist und man entlässt den Trainer. Dann mal Glück auf.

aliasx: Keller braucht nur ein Spiel zu machen. Der wird es sicherlich nach der Winterpause nicht mehr sein, zumal der in der U17 hervorragende Arbeit leistet. Im Prinzip könnte man am Dienstag auch Erwin als Trainer auf die Bank setzen und sich in der Winterpause den richtigen Mann suchen.

Pseudoexperte: Das ist doch jetzt nicht etwa DER Jens Keller?! Wie kann der Typ noch mal ernsthaft einen Job als Bundesligatrainer bekommen? Hab kaum einen Trainer erlebt, der so inkompetent gewirkt hat wie der... Auch dass man Stevens entlassen hat, finde ich seltsam. Schalke hat in dieser Saison phasenweise super Fußball gespielt. Dass es zuletzt nicht lief, lag in meinen Augen eher an Formtiefs gewisser Spieler wie Huntelaar oder Holtby. So gibt man solchen Spielern gleich mal ein Alibi, indem man das offensichtlich schwächste Glied der Kette entlässt...

Mentor: Absolute Vollkatastrophe. Bei der Alternative wäre man besser mit Stevens in die Rückrunde gegangen.

elbonito: Manche lernen's nie, besonders lernresistent ist wohl Horst Held! Zuerst holt er den Megaflop Marica vom VfB zu S04, dann holt der den Trainerflop Keller auch zu S04 und nun macht er den Keller schon wieder zum Profitrainer. S04 ist ein zu großer Club, um als Experimentiertisch für bereits gescheiterte Trainer her zu halten. Ich kann mich noch gut an 2010 beim VfB erinnern, als dieser Keller bei seiner Vorstellung erstmal fleißig über seinen Vorgänger gelästert hat, um dann selber schnellstmöglich entsorgt zu werden, weil er als Profitrainer total versagt hat. Schade für Huub, durch ihn wurde S04 wieder richtig sympathisch. Die Entscheidung ihn zu entlassen kann man, so leid es mir tut, nachvollziehen. Aber nicht die Wahl des Nachfolgers.

Das ist der FC Schalke 04

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