Youngster feiert Comeback beim FC Bayern

David Alaba: Der Newcomer, Teil II

Von Fatih Demireli
Freitag, 12.10.2012 | 11:44 Uhr
David Alaba feierte gegen die SpVgg Unterhaching (2:0) sein Comeback
© Getty
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David Alaba war der Newcomer der vergangenen Saison und schickte sich an, in dieser Saison den nächsten Schritt zu machen. Eine schwere Verletzung setzte ihn beim FC Bayern München aber bis zuletzt außer Gefecht. Jetzt ist Alaba voller Tatendrang wieder da, doch die Rückkehr in die Startelf gestaltet sich längst nicht so einfach, wie man es sich vielleicht vorstellt.

Sein Lächeln hat David Alaba nie verloren. Und dennoch war ihm die auffallend positive Gemütslage deutlich anzusehen. Als gerade seine Kollegen den Rasen der Allianz Arena betraten, war Alaba auf dem Weg zu seinem Platz auf der Tribüne ein paar Meter weiter höher.

Der Plan ging nicht sofort auf, sich gemütlich hinzusetzen und das Heimspiel Bayerns Münchens gegen Alabas Ex-Kollegen von 1899 Hoffenheim anzusehen. "David, ein Foto?", fragten immer noch einige Fans, obwohl das Spiel, das später 2:0 enden sollte, schon längst angepfiffen war.

Alaba kam jedem Wunsch nach, strahlte dabei fast mehr als die Fotojäger selbst und saß erst wieder, als alle mit ihrer Ausbeute zufrieden waren. Auch beim Halbzeitplausch mit dem noch nicht ganz gesunden Mario Gomez setzte Alaba eine freundliche Miene auf.

Vergessen sind die Schmerzen, vergessen ist der Ermüdungsbruch, den Alaba im Testspiel gegen den SSC Neapel im Trainingslager am Gardasee erlitten hatte. Immer wieder meldete sich der 20-Jährige mit neuen - hoffnungsvollen - Fortschritten zu Wort.

Comeback gegen Unterhaching

Operation, erste Geh- und Laufversuche mit dem sogenannten "Superschuh" VACOpedes, der den Heilungsverlauf beschleunigen sollte, Lauftraining und schließlich die Erlösung: Der Rückkehr ins Mannschaftstraining folgte nun das Comeback auf dem Spielfeld.

Nicht nur, aber vor allem wegen David Alaba verabredeten die Verantwortlichen des FC Bayern ein Testspiel gegen die SpVgg Unterhaching.

Alaba spielte 90 Minuten durch, erst als Zehner im offensiven Mittelfeld, später auf der linken Außenbahn. 90 Minuten, die zeigten, dass der Youngster noch Zeit braucht. Noch fehlt ihm das Gefühl für den Ball, für die Situation und das Timing in den Zweikämpfen, in denen er hie und da die letzte Einsatzbereitschaft vermissen ließ, was aber eine völlig normale Reaktion nach langer Verletzungspause ist.

"Die letzten Prozente fehlen noch, in Sachen Spritzigkeit, im Abschluss. Man konnte sehen, dass auch der letzte Pass oder die Ballannahme und -mitnahme nicht immer perfekt war", sagte Alaba selbst, fügte aber auch an: "Ich bin auf einem ganz guten Weg."

Es war der erste große Schritt zurück in die fußballerische Glückseligkeit für einen jungen Mann, der wenig überraschend zum Newcomer der vergangenen Saison gewählt worden war. Unabhängig davon, dass der FC Bayern erneut keinen Titel holte, war es für Alaba persönlich eine Traumsaison.

Neuer Status

Der Youngster stieg vom vielversprechenden Talent zum unangefochtenen Stammspieler auf - und das auf einer Position, die nicht als Alabas Premiumoption galt. Doch mit seinen Leistungen, gerade in der Champions League, ist Alaba in kürzester Zeit zu einem der besten Linksverteidiger Europas aufgestiegen.

"Es ist außergewöhnlich, dass solch ein junger Spieler, der erst in diesem Jahr Stammspieler geworden ist, solche Fortschritte macht", lobte Heynckes damals Alaba und schickte hinterher, dass "das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht" sei.

Unvergessen war Alabas Auftritt im Champions-League-Halbfinale bei Real Madrid, als er früh in der Begegnung nicht nur einen Elfmeter verursachte, der zum Rückstand führte, sondern auch eine Gelbe Karte sah, die die Teilnahme am späteren Finale im heimischen München verhinderte.

Nur fünf Minuten nach dieser herben Enttäuschung sah man Alaba auf der linken Seite wieder temporeich marschieren. Beim späteren Elfmeterschießen, das den Einzug ins Endspiel perfekt machte, war der jüngste Bayer der erste Schütze.

ORF vor Ort

"Er hat die Durchsetzungsfähigkeit, die man braucht, um eine Mannschaft anzuführen. Gleichzeitig ist er neugierig und hört einem zu um weiterzukommen. Es macht einfach Spaß, ihn beim Wachsen zu beobachten", lobt Österreichs Nationaltrainer Marcel Koller bei SPOX.

Der Prozess des Erwachsenwerdens ist noch nicht abgeschlossen. In dieser Saison soll Alaba den nächsten Schritt machen, seinen Status untermauern, den er sich in der Vorsaison erarbeitete. Wie wichtig er ist, bewies die Anwesenheit eines Kamerateams des "ORF" beim Testspiel der Bayern gegen Unterhaching.

Die Abgesandten der Öffentlich-Rechtlichen aus Österreich hatten Alaba 90 Minuten im Sucher - und löcherten ihn buchstäblich mit Fragen zu seinen Einsatzchancen in den WM-Qualifikationsspielen gegen Kasachstan. Allerdings muss sich Österreichs Fußballer des Jahres zumindest beim FC Bayern erst einmal wieder hinten anstellen.

Zwar genießt Alaba einen Bonus beim Trainer, aber dieser hat nach dem besten Saisonstart der Geschichte und nur zwei Gegentoren in sieben Spielen keine dringende Notwendigkeit, große Umarbeiten in der Startelf vorzunehmen.

Badstuber wieder nach innen?

Alaba schätzt seine Ausgangsposition realistisch ein: "Holger Badstuber spielt derzeit als linker Verteidiger sehr gut, obwohl er Innenverteidiger ist. Ein Fixleiberl gibt es bei Bayern nicht."

Das Fixleiberl, wie Alaba in seinem Wiener Schmäh den Stammplatz nennt, muss sich der Youngster erst wieder erarbeiten. Alabas Auftrag lautet also, erneut einen Durchmarsch in die Startelf hinzulegen, wie es ihm schon in der Vorsaison gelang. "Der Newcomer - Klappe, die Zweite!", heißt die neue Episode.

"Ich werde alles dafür tun, um wieder in die Mannschaft zu kommen. Im Training gebe ich immer mein Bestes und versuche, mich so gut wie möglich zu präsentieren", sagt Alaba.

Dass es schneller geht als erhofft, dafür konnte ausgerechnet Badstuber selbst sorgen. Den Innenverteidiger zieht es wieder nach innen, auch wenn der Nationalspieler dies nur indirekt einfordert. "Ich gebe mein Bestes auf dieser Position, kann da auch spielen. Das habe ich auch gegen Valencia und in der Bundesliga bewiesen. Aber ich weiß, wo ich besser bin." Badstubers Wink ist nicht zu überhören.

Dante überzeugt

Spätestens, wenn Alaba wieder soweit ist, nicht nur ein Trainingsspiel mit Wettkampfcharakter zu absolvieren, sondern auch in einem Pflichtspiel über 90 Minuten zu gehen, erreicht die Rotation auch die bisher unangetastete Viererkette. Rückt Badstuber wieder nach innen, ist es unwahrscheinlich, dass sein Partner Dante heißen wird, zumal es fraglich ist, dass Jupp Heynckes zwei Linksfüßer in der Innenverteidigung nebeneinander aufstellt.

Hinzu kommt, dass Dante bisher mit sehr ansprechenden Leistungen seine Startelf-Ambitionen klar untermauert. Der Brasilianer hat bisher alle Pflichtspiele absolviert, gewann durchschnittlich 64 Prozent seiner Zweikämpfe und ist mit 84 Ballkontakten im Schnitt sehr präsent im Aufbau. Der Brasilianer dirigiert, ist lautstark und längst anerkannt. Auch das Miteinander mit Jerome Boateng klappt schon sehr gut.

Statistiken, die eine sofortige Alaba-Rückkehr erschweren. So oder so, sein Lächeln wird Alaba aber nicht so schnell verlieren.

David Alaba im Steckbrief

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