
Alternative Liste - 7. Spieltag
Homo homini lupus
Die Meute fällt über Trainer her, ganze Mannschaften spielen mit gezinkten Karten und Alpharüden beißen sich vor laufenden Kameras. Irgendwer - es muss wohl Ailton oder Thomas Hobbes gewesen sein - hat mal behauptet, der Mensch sei des Menschen Wolf. Für die Bundesliga gilt das allemal!
Vergangenheit und Gegenwart: Die erste Saisonniederlage der Frankfurter in Mönchengladbach hatte Trainer Armin Veh schnell analysiert: Schuld war der fiese Schokoladenonkel Lucien Favre, der immer so lieb guckt, ihm aber doch partout nicht in die Karten spielen wollte. "Dass der Tabellenvierte aus der letzten Saison im eigenen Stadion so tief steht, ist doch nicht normal", beschwerte sich der 51-Jährige, weil er nämlich viel lieber gegen eine blindlings ins Verderben rennende Abwehr gespielt hätte.
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Aber schauen Sie mal, Veh: Erstens spielte da ja nicht die Zaubertruppe aus dem Vorjahr, sondern der Tabellendreizehnte aus diesem. Und zweitens kann man sich in der Bundesliga seinen Gegner nun mal nicht aussuchen. Jeder muss mit den Karten auskommen, die der Spieltag und das Schicksal ihm ausgeteilt haben. Und nur weil Sie sich in die Ihren haben gucken lassen, heißt das noch lange nicht, dass Gladbach falsch gespielt hat.
Legalize it: Durchaus Grund zur Klage hatte dagegen Felix Magath. Während der 0:3-Niederlage auf Schalke konnte man die Wolfsburger Torchancen mal wieder am Daumen einer Hand abzählen, was die königsblauen Witzbolde im Stadion natürlich zu "Magath raus!"-Sprechchören animierte. Und weil Magath den begründeten Verdacht hegte, dass auch die VfL-Fans mit eingestimmt hätten, wenn denn welche da gewesen wären, wurde er nach dem Spiel gleich grundsätzlich: "Es hat sich leider eingebürgert, dass in solchen Situationen immer alle nach dem Trainer schreien." Tja, so sind sie halt, die Menschen - oberflächlich, blutrünstig und schon am Nachmittag besoffen; schuld daran sind die Bild-Zeitung, RTL II und wahrscheinlich Markus Lanz. Würden sie stattdessen Gras rauchen, die TAZ lesen und Arte gucken, dann hätten sie vielleicht gelernt zu differenzieren. Und würden angesichts des Verhaus im Wolfsburger Kader eher mal den Sportdirektor hinterfragen.
Apropos: Aber Fußball ist nun mal Theater; und im Theater ist es wie im echten Leben: Die Leute klatschen meistens an den falschen Stellen. Weil der HSV nun nur noch 11 Punkte hinter den Bayern liegt, finden alle plötzlich Rafael van der Vaart total dufte - und applaudieren Frank Arnesen, weil der ihn beim Tingeln über die Dörfer ausgegraben hat, während das restliche Deutschland dachte, der Niederländer sei beruflich mittlerweile nur noch Spielerfrauen-Ehemann von Sylvie. In Wahrheit gebührt der Beifall aber Thorsten Fink. Der Trainer nämlich hat erkannt, dass es überhaupt nichts bringt, wenn Heung-Min Son von ganz rechts draußen Flanken in die Mitte ballert. Stattdessen muss der Zauberkoreaner selbst vors Tor - er ist nämlich der einzige, der's trifft! Entstanden ist die geniale Strategie übrigens nach der intensiven Videoanalyse einer Trainingseinheit. Das kurze Filmchen liegt der AL vor. Wenn sie mal schauen möchten.
Unentschieden: Richtig gut im Tore vorbereiten ist dagegen Szabolcs Huszti. Eigentlich. Denn gegen Dortmund hatte Hannovers Hunnenkönig eine kleine Krise: kein einziger Assist! Macht aber nichts, sein größter Konkurrent in der Scorer-Liste der Bundesliga brachte an diesem Spieltag ebenfalls nichts auf die Kette. Nürnberg legte dem SC Freiburg auch keinen auf.
Natürlicher Kreislauf: Tief durchatmen, Boulevard! Die kleine Rauferei zwischen Jupp Heynckes und Matthias Sammer hat sich erledigt. Und so absurd sie auch war, muss man sie doch im Nachhinein in ihrem Kontext sehen. Es war Oktoberfest - und das heißt für ganz München: zwei Wochen lang nur emotionaler Krautsalat und intellektueller Obazda. Das färbt auch auf die Würdenträger ab. Und immerhin haben sich die beiden auf der Wiesn ja auch gegenseitig wieder schön gesoffen...

Apropos Wiesn: Haben Sie Philipp Lahm im Bierzelt gesehen? Da gibt es doch einen psychologischen Fachbegriff dafür. Wie heißt das noch? So ähnlich wie Penisneid, nur eben für Männer? Gibt's da kein eigenes Wort? Weil der Lahm ist ja doch eher klein.
Und seine Frau ist auch nicht allzu groß, aber im Dirndl an bestimmten markanten Stellen immerhin recht angenehm drall. Weshalb es da ganz tief drin im Lahm vielleicht so eine Art Kompensationsreflex gab. Und dann hat er so bei sich gedacht: Och ja, warum nicht mal so einen Hut aufsetzen, etc.
Pro Labbadia: Über Bruno Labbadia kann man ja viel sagen, bestimmt auch sehr viel Schlechtes. Aber dass ein Trainer für die Auswechslung eines angeschlagenen Spielers angepöbelt wird, ist wirklich ziemlich bescheuert. Wir unterstützen deshalb Brunos Brandrede unbedingt - auch wenn uns zwei Details dann doch verwundert haben. Erstens: Warum schleuderte der gute Mann seinen geplatzten Kragen nur gegen die Stuttgarter Medien und nicht auch gegen die Fans, die sich davon so plump haben aufhetzen lassen? Weil die zu doof sind, um sich eine eigene Meinung zu Bild-en? Und zweitens: Was sind das denn für "Unwahrheiten, die unter der Gürtellinie liegen"? Hat da wirklich jemand Lügen über Labbadias Intimbereich in die Zeitung geschrieben? Denn das ginge dann wirklich eindeutig zu weit!









