Das Erbe der Großkopferten

Von Andreas Lehner
Mittwoch, 05.09.2012 | 22:32 Uhr
Das Bayern-Triumvirat 2009: Karl-Heinz Rummenigge, Uli Hoeneß und Karl Hopfner
© Getty
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Karl Hopfner hört Ende des Jahres als Finanzchef des FC Bayern auf, Karl-Heinz Rummenigges Vertrag endet 2013: Wie geht es dann weiter beim FC Bayern? Wer kommt als Nachfolger in Frage? Und welches Erbe haben die Neuen zu verwalten?

Javi Martinez hier, Javi Martinez da. Beim FC Bayern drehte sich in den letzten Tagen und Wochen fast alles um den Zugang von Athletic Bilbao. 40 Millionen Euro zahlten die Münchner schließlich, um den 24-Jährigen aus seinem Vertrag mit den Basken herauszukaufen.

Die Verantwortlichen der Münchner gaben sich zwar alle Mühe, den Vorgang in seiner Gesamtkonstellation nicht als Rekordtransfer in der Geschichte des Klubs zu bezeichnen. Die Summe war für die Bayern trotzdem ein Novum.

Es war ein komplizierter Transfer, wie der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge zugab. "Ein großes Kompliment an unsere Klubführung", sagte Matthias Sammer bei der Vorstellung von Martinez. "Vor allem an Karl-Heinz Rummenigge und Karl Hopfner, sie haben Großartiges geleistet."

Es war der letzte große Transfer, den dieses Duo auf die Beine gestellt hat. Es war der letzte große Scheck, den Hopfner für einen Transfer ausgestellt hat - und gleichzeitig der größte. Hopfner wird am Ende des Jahres seinen Posten als Finanzchef räumen. Nach fast 30 Jahren gibt es erstmals einen Wechsel auf dieser Position.

Karl Hopfner: Das finanzielle Gewissen des FC Bayern

Hopfner bekam den Job 1983, nachdem er sich einige Monate zuvor auf eine Annonce in der "Süddeutschen Zeitung" für den Posten beworben hatte. Er setzte sich gegen rund 400 Mitbewerber durch. "Alle Besseren haben wohl abgesagt", sagt der 60-jährige Hopfner heute im Scherz.

In seiner Position als stellvertretender Vorstand zeichnet er "verantwortlich für die Bereiche Finanzen und Controlling, Ticket- und Mitgliederservice, Interne Dienste, Recht, Personal und die gesellschaftliche Vertretung in den Beteiligungen der FC Bayern München AG", wie es im Organigramm des Klubs korrekt heißt. Der Begriff "finanzielles Gewissen des Klubs" trifft es aber auch und ist zudem griffiger.

Lob von Hoeneß, Rummenigge und Beckenbauer

Präsident Uli Hoeneß nennt ihn einen "absoluten Glücksfall" für den Verein, Rummenigge den "am meisten unterschätzen Mann in unserer Geschäftsführung" und Franz Beckenbauer meint: "Ohne Karl Hopfner würde der FC Bayern nicht so funktionieren, wie er es tut."

Massives Lob für einen Mann, der Zeit seines Arbeitslebens immer im Schatten der großen Namen des Vereins stand, aber über dessen Tisch alle großen Investitionen liefen. "In unserer knapp 30-jährigen Zusammenarbeit war ich immer mehr der Geschäfteaufreißer und Geschäftemacher", sagt Hoeneß.

Hopfner habe dann aus ein paar losen Zahlen "mit seiner detailversessenen Art" ganze Verträge entworfen. "Dass der FC Bayern der vielleicht bestgeführte und wirtschaftlich gesündeste Vereint der Welt ist, hat auch sehr viel mit seiner Person zu tun."

Vom kleinen Verein zur Weltmarke

Hoeneß und Hopfner waren das Tandem, das den FC Bayern in den letzten 30 Jahren zur Weltmarke gemacht hat. Beide haben den Verein übernommen, als er noch als e.V. organisiert war und daraus die florierende FC Bayern München AG gemacht. Zusammen mit Rummenigge (Vorstandsvorsitzender seit 2002) haben sie Topsponsoren langfristig an den Verein gebunden, jeweils 9,1 Prozent der Anteile an Adidas und Audi verkauft und damit die Liquidität des Vereins erhöht - ohne die Unabhängigkeit zu verlieren.

Ihr größtes Projekt war der Bau der Allianz Arena, die dem FC Bayern mittlerweile als alleinigem Eigentümer gehört. Hopfner war es, der mit dem damaligen Geschäftsführer von 1860 München Stefan Ziffzer zu der Lösung kam, dass der FC Bayern dem Rivalen die Anteile an der Arena abkauft, um 1860 vor dem Bankrott zu retten.

Nach sieben Jahren hat der FC Bayern 170 Millionen der 346 Millionen Euro Kosten abbezahlt. In den nächsten fünf, sechs Jahren sollen die restlichen Verbindlichkeiten getilgt werden. "Wenn das geschehen ist, gehören wir auf jeden Fall zu den finanziell gesündesten Klubs der Welt", sagt Hopfner. "Ungeachtet dessen, ob es bei dem einen oder anderen Klub einen Investor oder Mäzen gibt, der immer wieder Geld einschießt."

Nur noch Rummenigge übrig

Trotz zweier titellosen Saisons ist das Unternehmen FC Bayern bestens aufgestellt. Offen ist dagegen noch, wer das Erbe verwalten darf. Vom Vorstand, der die Münchner durch die Nullerjahre geführt hat, wird zu Beginn des Jahres 2013 nur noch Rummenigge übrig sein.

Hoeneß ist als Präsident des Vereins am operativen Geschäft eigentlich nicht mehr beteiligt und will sich nach der Verpflichtung von Sammer noch mehr zurückziehen, Hopfner steht nur noch für ein Ehrenamt zur Verfügung. Auch Rummenigges Abschied ist absehbar. Der 56-Jährige steht noch bis 31. Dezember 2013 unter Vertrag, eine Verlängerung um weitere zwei Jahre scheint möglich, aber dann?

Wird Rummenigge UEFA-Präsident?

Franz Beckenbauer hat Rummenigge schon als UEFA-Präsident ins Spiel gebracht, der winkte vorsorglich ab. Allerdings steht 2015 auch die Nachfolge von Sepp Blatter als FIFA-Präsident an, Michel Platini gilt als aussichtsreicher Kandidat, der Platz an der UEFA-Spitze wäre dann frei.

Auch wenn Rummenigge, aktuell Vorsitzender der Interessenvertretung der europäischen Vereine (ECA), keine Ambitionen auf den UEFA-Chefsessel offenbart, wird sein Platz beim FC Bayern in naher Zukunft frei werden.

Die Position von Hopfner wird Bayern mit einem Fachmann besetzen, der nicht zwingend aus dem eigenen Haus kommen muss. Die Führung des Vereins ist seit 1994, als Beckenbauer zum Präsidenten gewählt wurde, allerdings in den Händen von prominenten Ex-Spielern und diente auch der folkloristischen Bindung zur Basis.

Doch wer kommt dafür in Frage? Die Generation Lothar Matthäus spielt im Verein kaum eine Rolle, die Generation Stefan Effenberg sucht zu großen Teilen den Einstieg ins Trainergeschäft. Nur Thomas Linke und Oliver Kreuzer arbeiten in Ingolstadt beziehungsweise in Karlsruhe als Sportdirektoren.

Sammer rügt Kahn

Ein Name, der im Zusammenhang mit einer Führungsposition immer wieder fällt, ist Oliver Kahn. Der ehemalige Torhüter arbeitet zurzeit als einer von vielen ehemaligen FCB-Akteuren als TV-Experte. Der Klub sei aktuell "umzingelt von Freunden", wie es die "Süddeutsche Zeitung" ausdrückte.

Dass die Bayern aber bei gewissen Leuten genau hinhören, ließ Sammer zuletzt wissen. "Die Meinung von Lattek und Bruchhagen interessiert mich nicht", sagte der Sportvorstand zur aufkommenden Kritik an seinem Verhalten auf der Bank. "Bei Oliver Kahn ist das etwas anderes."

Die Erklärung lieferte Sammer am Mittwoch via "Bild": "Ein Oliver Kahn hat in Deutschland eine starke Wirkung. Er muss sich seiner Worte bewusst sein. Was er sagt, wird von unserem Cheftrainer und von den Fans wahrgenommen und geglaubt."

Sammer sagte zwar auch, dass er ein "super Verhältnis" zu Kahn habe. Trotzdem: er dürfe sich solche Aussagen nicht erlauben. Ein deutlicher Warnschuss von der Säbener Straße. Aber auch ein Zeichen, dass Kahns Werdegang weiter genau beobachtet wird.

Das neue Triumvirat

Der Ex-Torhüter genießt im Verein ein hohes Ansehen, hat Anfang des Jahres seinen Master of Business Administration gemacht und besitzt das nötige internationale Format. Nur muss er aufpassen, sich nicht mit unbedachten Aussagen ins Abseits zu manövrieren.

Sammer hat Kahn für den Einstieg in seine zweite Karriere seine Unterstützung angeboten. Und dass sich Expertenjob und Karriere beim FC Bayern nicht ausschließen, hat Rummenigge vorgemacht. Der war von 1990 bis 1994 als Co-Kommentator bei der ARD angestellt, bevor er als Vizepräsident in den Klub wechselte.

Eine prominente Doppelspitze mit Kahn und Sammer, dazu ein Finanzfachmann: Ein Gedankenspiel, das durchaus Charme versprüht - und unweigerlich an das Triumvirat Rummenigge/Hoeneß/Hopfner erinnert.

Der FC Bayern München im Steckbrief

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