Donnerstag, 23.08.2012

Reinhard Rauball sieht deutschen Fußball vor goldenen Zeiten

"Bundesliga ist Profiteur des Financial Fairplay"

Fünf verschiedene Meister seit 2000, dazu wirtschaftlich überwiegend gesunde Klubs - die Bundesliga steht vor der 50. Saison hervorragend da. Und es könnte noch besser werden, sagt Ligapräsident Reinhard Rauball. Im zweiten Teil des großen "dapd"-Exklusivinterviews erklärt er, weshalb die Bundesliga sich auch nicht mehr vor England mit der Premier League zu verstecken braucht, und weshalb ein harter Kurs des europäischen Fußballverbandes UEFA in Sachen Financial Fairplay überfällig ist.

Sieht die Bundesliga auf einem sehr guten Weg - wenn die UEFA Wort hält: Reinhard Rauball
© Getty
Sieht die Bundesliga auf einem sehr guten Weg - wenn die UEFA Wort hält: Reinhard Rauball

Frage: Herr Rauball, wie sind Ihre Erwartungen an die Jubiläumssaison?

Reinhard Rauball: Dass sich die Bundesliga weiterhin stabil entwickelt. Nicht immer zwangsläufig Rekorde sind mein Thema, sondern Nachhaltigkeit ist der für mich wichtige Gesichtspunkt. Zwei Drittel der Bundesligisten haben zuletzt Gewinne erwirtschaftet. Sportliche Höchstleistungen bei wirtschaftlicher Seriosität - diesen Weg zu forcieren und zu unterstützen, das ist unerlässlich.

Frage: Was bedeutet das für den Wettbewerb?

Rauball: Unser höchstes Gut ist der sportliche Wettbewerb, und dieser ist so spannend wie in keiner anderen Topliga in Europa: Mit Bayern München, VfL Wolfsburg, Werder Bremen, VfB Stuttgart und Borussia Dortmund gab es fünf verschiedene Deutsche Meister in diesem Jahrtausend und dazu zwei Beinahe-Meister mit Schalke 04 und Bayer Leverkusen, die teilweise bis zur letzten Sekunden hoffen durften. Diese Spannung in Verbindung mit tollen Stadien, die die sichersten und besten in der Welt sind, ist einzigartig.

Tippspiel

Frage: Wirtschaftliche Stabilität, infrastrukturelle und sportliche Qualität - wo rangiert die Bundesliga mit diesem Stilmix inzwischen im europäischen Vergleich?

Rauball: Was die Spannung des Wettbewerbs, die Infrastruktur und die wirtschaftliche Prosperität anbelangt, muss die Bundesliga sich vor niemandem mehr verstecken. Auch nicht vor England mit der Premier League.

Frage: Womit begründen Sie das?

Rauball: Wenn ich beispielsweise sehe, wie sich einige Klubs in England, Spanien oder Italien verschulden; wenn ich sehe, dass ein Traditionsverein wie der FC Portsmouth nicht zum ersten Mal in die Insolvenz geschliddert ist - da muss man nachdenklich werden. All das ist meiner Ansicht nach undenkbar in Deutschland und der Bundesliga. Dazu sind genügend Stellschrauben errichtet worden, die so etwas verhindern. Nicht ein einziges Mal in 49 Jahren Bundesliga ist ein Klub im Laufe einer Saison in Konkurs bzw. Insolvenz gegangen. Damit ist klar: Unsere Richtung stimmt, unsere Vorgaben haben sich bewährt.

Frage: Auch hinsichtlich der 50+1-Regel?

Hallo Bundesliga, alles Gute zum Geburtstag!
Diese 16 Klubs lud die Vollversammlung am 28. Juli 1962 für die erste Bundesligasaison 1963/64 ein
© Imago
1/30
Diese 16 Klubs lud die Vollversammlung am 28. Juli 1962 für die erste Bundesligasaison 1963/64 ein
/de/sport/diashows/bundesliga-50-jahre-jubilaeum/bundesliga-50-jahre-jubilaeum.html
Dortmunds Timo Konietzka (r., gegen 1860 München) erzielte gegen Werder Bremen das erste Tor der Geschichte überhaupt
© Imago
2/30
Dortmunds Timo Konietzka (r., gegen 1860 München) erzielte gegen Werder Bremen das erste Tor der Geschichte überhaupt
/de/sport/diashows/bundesliga-50-jahre-jubilaeum/bundesliga-50-jahre-jubilaeum,seite=2.html
Erster Deutscher Meister wurde der 1. FC Köln. Kapitän Sturm nimmt hier die Glückwünsche des FCK entgegen
© Imago
3/30
Erster Deutscher Meister wurde der 1. FC Köln. Kapitän Sturm nimmt hier die Glückwünsche des FCK entgegen
/de/sport/diashows/bundesliga-50-jahre-jubilaeum/bundesliga-50-jahre-jubilaeum,seite=3.html
Tasmania Berlin, hier bei einem von 108 Gegentoren in der Saison 65/66, ist bis heute der schlechteste Bundesligist aller Zeiten
© Imago
4/30
Tasmania Berlin, hier bei einem von 108 Gegentoren in der Saison 65/66, ist bis heute der schlechteste Bundesligist aller Zeiten
/de/sport/diashows/bundesliga-50-jahre-jubilaeum/bundesliga-50-jahre-jubilaeum,seite=4.html
Bökelberg, Mönchengladbach: Beim Spiel der Borussia gegen Werder Bremen bricht in der Saison 70/71 der rechte Torpfosten
© Imago
5/30
Bökelberg, Mönchengladbach: Beim Spiel der Borussia gegen Werder Bremen bricht in der Saison 70/71 der rechte Torpfosten
/de/sport/diashows/bundesliga-50-jahre-jubilaeum/bundesliga-50-jahre-jubilaeum,seite=5.html
Selbe Saison: Offenbachs Präsident Gregorio Canellas (2.v.l.) lässt die Bombe platzen: Spiele in der Bundesliga wurden verschoben
© Imago
6/30
Selbe Saison: Offenbachs Präsident Gregorio Canellas (2.v.l.) lässt die Bombe platzen: Spiele in der Bundesliga wurden verschoben
/de/sport/diashows/bundesliga-50-jahre-jubilaeum/bundesliga-50-jahre-jubilaeum,seite=6.html
Der kultigste Schiri: Wolf-Dieter Ahlenfelder leitete 1975 Werder gegen Hannover der Legende nach mit ein paar Bier und Korn im Kopf, pfiff 13 Minuten zu früh ab
© Getty
7/30
Der kultigste Schiri: Wolf-Dieter Ahlenfelder leitete 1975 Werder gegen Hannover der Legende nach mit ein paar Bier und Korn im Kopf, pfiff 13 Minuten zu früh ab
/de/sport/diashows/bundesliga-50-jahre-jubilaeum/bundesliga-50-jahre-jubilaeum,seite=7.html
Der erste Millionentransfer: Der Belgier Roger van Gool (l.) wechselt 1976 für 1,1 Mio. Mark zum 1. FC Köln
© Imago
8/30
Der erste Millionentransfer: Der Belgier Roger van Gool (l.) wechselt 1976 für 1,1 Mio. Mark zum 1. FC Köln
/de/sport/diashows/bundesliga-50-jahre-jubilaeum/bundesliga-50-jahre-jubilaeum,seite=8.html
Letzter Spieltag 77/78: Dortmund lässt sich von Gladbach 0:12 abschlachten. Bis heute die höchste Niederlage aller Zeiten
© Getty
9/30
Letzter Spieltag 77/78: Dortmund lässt sich von Gladbach 0:12 abschlachten. Bis heute die höchste Niederlage aller Zeiten
/de/sport/diashows/bundesliga-50-jahre-jubilaeum/bundesliga-50-jahre-jubilaeum,seite=9.html
Das schlimmste Foul der Geschichte: Bremens Siegmann schlitzt Ewald Lienen den Oberschenkel auf - angeblich "auf Geheiß" von Werder-Trainer Rehhagel...
© Imago
10/30
Das schlimmste Foul der Geschichte: Bremens Siegmann schlitzt Ewald Lienen den Oberschenkel auf - angeblich "auf Geheiß" von Werder-Trainer Rehhagel...
/de/sport/diashows/bundesliga-50-jahre-jubilaeum/bundesliga-50-jahre-jubilaeum,seite=10.html
Unnachahmlich: Der Bomber drückt den Ball irgendwie ins Tor. 365 Mal trifft Gerd Müller (l.) in der Bundesliga
© Imago
11/30
Unnachahmlich: Der Bomber drückt den Ball irgendwie ins Tor. 365 Mal trifft Gerd Müller (l.) in der Bundesliga
/de/sport/diashows/bundesliga-50-jahre-jubilaeum/bundesliga-50-jahre-jubilaeum,seite=11.html
Der bekannteste Elfmeter: Bremens Kutzop (r.) kann Werder 1986 vorzeitig zum Meister machen - trifft gegen die Bayern aber nur den rechten Pfosten
© Imago
12/30
Der bekannteste Elfmeter: Bremens Kutzop (r.) kann Werder 1986 vorzeitig zum Meister machen - trifft gegen die Bayern aber nur den rechten Pfosten
/de/sport/diashows/bundesliga-50-jahre-jubilaeum/bundesliga-50-jahre-jubilaeum,seite=12.html
1992 wird der VfB Stuttgart der erste Gesamtdeutsche Meister. Guido Buchwald (Nr. 6) köpft in Leverkusen das entscheidende Tor
© Getty
13/30
1992 wird der VfB Stuttgart der erste Gesamtdeutsche Meister. Guido Buchwald (Nr. 6) köpft in Leverkusen das entscheidende Tor
/de/sport/diashows/bundesliga-50-jahre-jubilaeum/bundesliga-50-jahre-jubilaeum,seite=13.html
Das Phantomtor! Thomas Helmer wurschtelt den Ball gegen den Club von der Linie - trotzdem wird auf Tor entschieden. Nürnbergs Einspruch erwirkt ein Wiederholungsspiel
© Imago
14/30
Das Phantomtor! Thomas Helmer wurschtelt den Ball gegen den Club von der Linie - trotzdem wird auf Tor entschieden. Nürnbergs Einspruch erwirkt ein Wiederholungsspiel
/de/sport/diashows/bundesliga-50-jahre-jubilaeum/bundesliga-50-jahre-jubilaeum,seite=14.html
Der Tonnentritt zu München: Jürgen Klinsmanns Reaktion auf seine Auswechslung durch Giovanni Trapattoni
© Imago
15/30
Der Tonnentritt zu München: Jürgen Klinsmanns Reaktion auf seine Auswechslung durch Giovanni Trapattoni
/de/sport/diashows/bundesliga-50-jahre-jubilaeum/bundesliga-50-jahre-jubilaeum,seite=15.html
Einfach nur Kult: "Was erlaube Strunz!?" Traps Vier-Minuten-Monolog dient noch heute als Aufhänger zahlloser Gags und Witzchen
© Getty
16/30
Einfach nur Kult: "Was erlaube Strunz!?" Traps Vier-Minuten-Monolog dient noch heute als Aufhänger zahlloser Gags und Witzchen
/de/sport/diashows/bundesliga-50-jahre-jubilaeum/bundesliga-50-jahre-jubilaeum,seite=16.html
Jan Age Fjörtofts mehr oder weniger gelungener Übersteiger rettet Eintracht Frankfurt 1999 vor dem Abstieg
© Imago
17/30
Jan Age Fjörtofts mehr oder weniger gelungener Übersteiger rettet Eintracht Frankfurt 1999 vor dem Abstieg
/de/sport/diashows/bundesliga-50-jahre-jubilaeum/bundesliga-50-jahre-jubilaeum,seite=17.html
"Dr Glubb is a Depp...": Nürnberg stieg schon sieben Mal ab - Ligarekord. Allerdings ging es auch schon wieder sieben Mal ins Oberhaus zurück
© Getty
18/30
"Dr Glubb is a Depp...": Nürnberg stieg schon sieben Mal ab - Ligarekord. Allerdings ging es auch schon wieder sieben Mal ins Oberhaus zurück
/de/sport/diashows/bundesliga-50-jahre-jubilaeum/bundesliga-50-jahre-jubilaeum,seite=18.html
Januar 2001: Christoph Daum entschuldigt sich auf einer Pressekonferenz für seinen anhaltenden Kokainkonsum. Bei Bayer Leverkusen ist er da längst schon entlassen
© Imago
19/30
Januar 2001: Christoph Daum entschuldigt sich auf einer Pressekonferenz für seinen anhaltenden Kokainkonsum. Bei Bayer Leverkusen ist er da längst schon entlassen
/de/sport/diashows/bundesliga-50-jahre-jubilaeum/bundesliga-50-jahre-jubilaeum,seite=19.html
Im April 2001 sorgt Energie Cottbus für ein Novum: Coach Ede Geyer setzt gegen Wolfsburg elf Ausländer von Beginn an ein
© Getty
20/30
Im April 2001 sorgt Energie Cottbus für ein Novum: Coach Ede Geyer setzt gegen Wolfsburg elf Ausländer von Beginn an ein
/de/sport/diashows/bundesliga-50-jahre-jubilaeum/bundesliga-50-jahre-jubilaeum,seite=20.html
19. Mai 2001: Patrick Anderssons (nicht im Bild) Glücksschuss macht die Bayern zum meister - und Schalke zum Meister der Herzen
© Imago
21/30
19. Mai 2001: Patrick Anderssons (nicht im Bild) Glücksschuss macht die Bayern zum meister - und Schalke zum Meister der Herzen
/de/sport/diashows/bundesliga-50-jahre-jubilaeum/bundesliga-50-jahre-jubilaeum,seite=21.html
Der ewige Charly Körbel (l.), hier nach dem Gewinn des DFB-Pokals 1988, ist mit 602 Spielen Rekordhalter der Bundesliga
© Imago
22/30
Der ewige Charly Körbel (l.), hier nach dem Gewinn des DFB-Pokals 1988, ist mit 602 Spielen Rekordhalter der Bundesliga
/de/sport/diashows/bundesliga-50-jahre-jubilaeum/bundesliga-50-jahre-jubilaeum,seite=22.html
Eins der kuriosesten Gegentore aller Zeiten: Cottbus' Tomislav Piplica (am Boden) köpft sich 2002 eine Bogenlampe selbst ins Tor
© Imago
23/30
Eins der kuriosesten Gegentore aller Zeiten: Cottbus' Tomislav Piplica (am Boden) köpft sich 2002 eine Bogenlampe selbst ins Tor
/de/sport/diashows/bundesliga-50-jahre-jubilaeum/bundesliga-50-jahre-jubilaeum,seite=23.html
Im Januar 2005 wird der Manipulationsskandal unter anderem um Schiedsrichter Robert Hoyzer bekannt. Hoyzer wird später zu zwei Jahren und fünf Monaten Knast verurteilt
© Getty
24/30
Im Januar 2005 wird der Manipulationsskandal unter anderem um Schiedsrichter Robert Hoyzer bekannt. Hoyzer wird später zu zwei Jahren und fünf Monaten Knast verurteilt
/de/sport/diashows/bundesliga-50-jahre-jubilaeum/bundesliga-50-jahre-jubilaeum,seite=24.html
Im November 2009 nimmt sich Hannover- und Nationalkeeper Robert Enke das Leben
© Getty
25/30
Im November 2009 nimmt sich Hannover- und Nationalkeeper Robert Enke das Leben
/de/sport/diashows/bundesliga-50-jahre-jubilaeum/bundesliga-50-jahre-jubilaeum,seite=25.html
Das Relegationsspiel zwischen Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC geht im Mai 2012 leider auch in die Geschichtsbücher ein...
© Getty
26/30
Das Relegationsspiel zwischen Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC geht im Mai 2012 leider auch in die Geschichtsbücher ein...
/de/sport/diashows/bundesliga-50-jahre-jubilaeum/bundesliga-50-jahre-jubilaeum,seite=26.html
Ein paar Tage davor finalisiert Borussia Dortmund die beste Saison aller Zeiten: 81 Punkte sind neuer Rekord!
© Getty
27/30
Ein paar Tage davor finalisiert Borussia Dortmund die beste Saison aller Zeiten: 81 Punkte sind neuer Rekord!
/de/sport/diashows/bundesliga-50-jahre-jubilaeum/bundesliga-50-jahre-jubilaeum,seite=27.html
Ein Rekord, den die Bayern nur ein Jahr später zerbröseln: Bereits am 28. Spieltag (so früh wie niemand zuvor) machen die Münchner die Meisterschaft klar und fahren eine Bestmarke von 91 Punkten (+ 80 Tore) ein. Der BVB wird 25 Punkte dahinter Zweiter
© getty
28/30
Ein Rekord, den die Bayern nur ein Jahr später zerbröseln: Bereits am 28. Spieltag (so früh wie niemand zuvor) machen die Münchner die Meisterschaft klar und fahren eine Bestmarke von 91 Punkten (+ 80 Tore) ein. Der BVB wird 25 Punkte dahinter Zweiter
/de/sport/diashows/bundesliga-50-jahre-jubilaeum/bundesliga-50-jahre-jubilaeum,seite=28.html
Im ersten Champions-League-Finale zweiter Bundesligisten setzen sich die Bayern im Wembley Stadium ebenfalls gegen die Dortmunder durch: 2:1 durch Arjen Robben
© getty
29/30
Im ersten Champions-League-Finale zweiter Bundesligisten setzen sich die Bayern im Wembley Stadium ebenfalls gegen die Dortmunder durch: 2:1 durch Arjen Robben
/de/sport/diashows/bundesliga-50-jahre-jubilaeum/bundesliga-50-jahre-jubilaeum,seite=29.html
Jupp Heynckes gelingt das Kunststück, in seiner letzten Trainersaison das Triple zu holen
© getty
30/30
Jupp Heynckes gelingt das Kunststück, in seiner letzten Trainersaison das Triple zu holen
/de/sport/diashows/bundesliga-50-jahre-jubilaeum/bundesliga-50-jahre-jubilaeum,seite=30.html
 

Rauball: Diese Regelung, die wir wie einen Augapfel hüten und auch juristisch verteidigt haben, ist für meine Begriffe der Schlüssel dazu, dass die Stabilität der Klubs und ihre wirtschaftliche Leistungsfähigkeit auch in Zukunft erhalten bleiben werden. Die geringfügige Modifizierung der Grundregel, wonach Investoren, die sich mehr als 20 Jahre im Klub engagieren, größere Anteile erwerben dürfen, ist geltendem Recht geschuldet und daher unabdingbar. Aber auch diejenigen, die von dieser Ausnahmeregelung Gebrauch gemacht haben oder künftig machen werden, beziehe ich mit ein. Wer zwei Jahrzehnte einen Verein unterstützt hat, der lässt ihn nicht plötzlich morgen hängen.

Frage: Mönchengladbach in den 70ern, Bremen in den späten 80ern und 90er-Jahren - würde es der Bundesliga gut tun, wenn nun Dortmund sich in ähnlicher Weise auf Dauer als Rivale des FC Bayern etablieren könnte?

Rauball: Es ist nicht wichtig, dass zwei Vereine einen Wettbewerb an der Spitze austragen. In Spanien haben wir diese Situation. Ob das aber für die spanische Liga förderlich ist, ist eine ganz andere Frage. Einige Vereine sind dort vor der Insolvenz, viele weitere sind gebeutelt von der Wirtschaftskrise des Landes. Es nützt also nichts, wenn lediglich zwei an der Spitze vorneweg marschieren - und mögen sie noch so dominant sein. In Spanien ist das Grundübel, dass zwei Vereine, Real Madrid und FC Barcelona, viel zu viel von dem Fernsehgeld bekommen, und alle anderen mit deutlichem Abstand im Prinzip nur abgefunden werden. Das manifestiert ja nur die Diskrepanz zwischen diesen zwei und den 18 übrigen Vereinen, die fast zu einem Streik geführt hätte. Bei uns herrscht neben dem berechtigten Leistungsprinzip eben immer auch ein Solidargedanke. Um also auf ihre Frage zurückzukommen: Nicht ein Duell ist unser Ziel, sondern eine Spitze, die insgesamt wettbewerbsfähig bleibt.

Frage: Also lautet das vordringlichste Ziel, dass die Bundesliga den soeben eroberten vierten Startplatz für die Champions League verteidigt und den Vorsprung gegenüber Italien festigt und ausbaut?

Rauball: Aus der Stärke des nationalen Wettbewerbs ergibt sich normalerweise automatisch eine ebensolche auch international. Natürlich hoffe ich, es gewinnt in absehbarer Zeit auch endlich einmal wieder eine deutsche Mannschaft einen internationalen Titel. Man kann und sollte Titel nicht nur herbeireden. Bayern München war in den vergangenen drei Jahren zweimal im Champions-League-Endspiel, Werder Bremen war im Finale der Europa League. Und in solchen Endspielen entscheidet die Tagesform, und manchmal auch das Glück.

Bundesliga Spielplaner - Der Tabellenrechner von SPOX.com

Frage: Steht die Bundesliga mit der Einführung des Financial Fairplay durch die UEFA erst recht vor goldenen Zeiten?

Rauball: Die Bundesliga ist Profiteur Nummer eins des Financial Fairplay. Es verwundert nicht, dass dessen wesentliche Grundzüge sich auch am Lizenzierungssystem der Bundesliga orientiert haben. Es haben sich manche Klubs in ausländischen Ligen mit Geld, das nie in Gänze erwirtschaftet worden ist, sündhaft teures Personal geleistet. Wenn denen künftig auf die Finger geschaut wird, führt das automatisch zu einer Verbesserung der Situation der Bundesliga, deren Klubs sich größere Beschränkungen auferlegt haben."

Frage: Wenn denn mal den anderen künftig auf die Finger geschaut wird...

Rauball: Es hätte auch meinen Beifall gefunden, wenn das Financial Fairplay, wie ursprünglich geplant, schon früher zur Anwendung gekommen wäre. Denn die Leistung von Michel Platini als UEFA-Präsident wird man eines Tages maßgeblich daran messen, dass er erstens das Financial Fairplay eingeführt hat. Aber zweitens auch daran, ob es auch so angewendet wird, wie es angedacht ist.

Frage: Die Bundesliga würde eine weitere Verschiebung der praktischen Einführung des Financial Fairplay also nicht mehr hinnehmen wollen?

Rauball: Der schlimmste Fall wäre es, wenn das Thema zur unendlichen Geschichte geriete, man nur darüber spricht, es aber nicht auch anwendet. Es war jetzt genügend Zeit für alle, sich darauf einzustellen. Die Vorlaufzeit war ausreichend bemessen, es gibt keinen Grund, das Financial Fairplay noch weiter nach hinten zu schieben. Was mir aber noch mehr Sorge bereitet, ist die Kreativität in Anwaltskanzleien und Wirtschaftsprüferpraxen, die schon jetzt zutage tritt, dieses zu umgehen.

Frage: Wovon hören Sie da?

Rauball: Etwa von Modellen, wonach ein überdurchschnittlich teurer Spieler nur mit einem Minimum vom Verein bezahlt wird und ein begleitendes Konsortium den Rest finanziert, das außerhalb des Vereines steht und damit nicht dem Zugriff der UEFA unterliegt. Solche Überlegungen bereiten mir jedenfalls grundsätzlich Sorge und erfordern zwangsläufig Gegenstrategien.

Teil 1: "Die Bundesliga hat immer Antworten gefunden"


Diskutieren Drucken Startseite
13. Spieltag
14. Spieltag

Bundesliga, 13. Spieltag

Bundesliga, 14. Spieltag

Die Bundesliga in Zahlen - Alle Opta-Daten zur Saison 2015/2016
Trend

Mats Hummels wechselt vom BVB zum FC Bayern. Richtige Entscheidung?

Ja
Nein

www.performgroup.com

Copyright © 2016 SPOX. Alle Rechte vorbehalten.