Totgesagt und wieder quicklebendig

Von Thomas Jahn
Donnerstag, 23.08.2012 | 10:36 Uhr
Leon Andreasen will nach zwei Seuchenjahren wieder bei Hannover 96 durchstarten
© Imago
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28 Monate ohne Pflichtspiel, sieben OPs und unzählige Rückschläge: Hannovers Leon Andreasen stand kurz vor dem Karriere-Aus. Nach seinem Märchen-Comeback winkt dem Dänen plötzlich ein Stammplatz in der Elf von Mirko Slomka.

"I ain't seen the sunshine since I don't know when, I'm stuck in Folsom Prison, and time keeps draggin' on."

In seinem berühmten "Folsom Prison Blues" von 1955 singt Johnny Cash über Hoffnungslosigkeit, Isolation und das Verrinnen kostbarer Zeit. Einer, der sich zweifellos in den betrübten Zeilen der Songwriter-Legende wiederfindet, ist Hannovers Leon Andreasen. Denn auch der leidenschaftliche Cash-Fan hat sein persönliches "Folsom Prison" durchlebt.

Es war kein kalifornischer Knast, in dem der Däne seine Zeit absitzen musste, sondern unzählige OP-Säle, Arztpraxen und Rehazentren. Wie der Sträfling in Cashs Song, war auch der Fußballer lange ganz weit weg vom Sonnenschein.

Zuletzt stand Andreasen am 4. April 2010 gegen den Hamburger SV auf dem Platz. Mysteriöse Leistenprobleme ließen ihn seitdem unentwegt auf der Stelle treten. Andreasen verschwand von der Bildfläche, die Angst vor dem frühen Karriereende wurde zu seinem ständigen Begleiter.

"Ich mache mir Sorgen, dass ich nicht mehr in Gang komme. An meiner Leiste sieht es aus wie nach dem 2. Weltkrieg. Ich bin so hilflos und mache mir viele Gedanken", sagte Andreasen damals.

Andreasen: "Ein geiles Gefühl"

28 Monate, sieben Operationen und etliche Rückschläge später geht die Leidenszeit des Mittelfeldspielers zuende. Wie durch ein Wunder überwindet Andreasen seine Leistenprobleme und meldet sich bei Hannover 96 zurück - und wie.

Im Tallaght Stadium von Dublin feiert Andreasen unter "Leon"-Sprechchören der 96-Fans gegen St. Patrick's sein langersehntes Startelf- und Pflichtspiel-Comeback für Hannover - und trifft nach sechs Minuten mit einem Sonntagsschuss in den Winkel zum 1:0 im EL-Quali-Hinspiel.

"Ich weiß gar nicht, wie ich das beschreiben soll. Plötzlich hatte ich ein paar Flashs im Kopf, von der ganzen Scheiße, die ich durchgemacht habe. Auf jeden Fall ein geiles Gefühl", sagt er nach seiner märchenhaften Wiederauferstehung, während seine Freundin Annabelle zuhause vor Glück weint.

Emotionen setzt das Traum-Comeback auch bei Andreasens Mitspielern frei. "Da ziehe ich den Hut vor und es zeigt seine absolute Willensstärke. Der Auftritt hat bestätigt, dass er immer wieder den Glauben an sich selbst hatte, trotz der schweren Zeit. Das Tor war ein ganz besonderer Moment für ihn, die Mannschaft, unsere Fans und alle im Verein", sagt Jan Schlaudraff.

Slomka: "Leon ist unser fünfter Neuzugang"

Trotz der bescheidenen Aussicht auf dessen Genesung hatte Hannover 96 Andreasens auslaufenden Vertrag im Mai 2012 überraschend um ein Jahr verlängert. Eine große Geste des Vertrauens, die Andreasen bereits wenige Monate danach zurückzuzahlen beginnt.

Beflügelt von der Freiheit, endlich wieder schmerzfrei kicken zu können, legt sich der Däne in der Saisonvorbereitung brutal ins Zeug. "Er gibt immer Vollgas, will am liebsten viermal am Tag trainieren. Er ist positiv aufgefallen", lobt 96-Coach Mirko Slomka und ergänzt: "Leon ist unser fünfter Neuzugang. Er ist ein toller Bursche, ein echter Typ."

Im Trainingslager weiß Andreasen schnell zu gefallen. Die Aggressivität, die starke Physis und seine spielerischen Qualitäten als Sechser - all das, was Hannover 2009 dazu veranlasste, 2,5 Millionen Euro an den FC Fulham zu überweisen, scheint zurück zu sein.

Andreasen zieht an Schmiedebach vorbei

"Es war mein Ziel, den alten Leon wiedezufinden. Aber ich hätte nicht geglaubt, dass es so schnell geht", freut sich Andreasen. Freuen darf er sich dank seiner Leistungen und dem Mut seines Trainers auch über beste Aussichten auf einen Stammplatz im defensiven Mittelfeld der 96er.

Zumindest für den Moment scheint Andreasen seinen Konkurrenten Manuel Schmiedebach im Duell um den Sechserposten neben Sergio da Silva Pinto überholt zu haben.

Sowohl im Quali-Rückspiel gegen St. Patrick's als auch im Pokal gegen Nöttingen erhielt der Däne den Vorzug - und überzeugte mit starken Leistungen und einem Tor gegen den Oberligisten.

"Der Trainer weiß ganz genau, wie ich ticke"

Zwischen Slomka und dem früheren Mainzer und Bremer scheint es einfach zu passen. "Der Trainer weiß ganz genau, wie ich ticke und was ich auf dem Platz für Anweisungen brauche. Das mag ich", so Andreasen, der wohl auch beim EL-Quali-Hinspiel in Breslau (20.30 Uhr im LIVE-TICKER) von Anfang an ran darf, wenn es um den Einzug in die Gruppenphase geht.

Neben allen sportlichen Ambitionen der 96er kann Andreasens größtes Bestreben nach zwei Jahren des Leidens wohl nur eines sein: gesund zu bleiben. Oder, wie sein großer Held Johnny Cash es am Ende seines Songs ausdrückt: "Far from Folsom Prison, that's where I want to stay."

Leon Andreasen im Steckbrief

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