Fink: "Bild ist in der Öffentlichkeit ist mir zu schlecht"

Imagekrise im HSV-Selbstbausatz

Von Alexander Maack
Donnerstag, 02.08.2012 | 13:06 Uhr
Spannungen mit Frank Arnesen (l.) verneint Thorsten Fink vehement
© Getty
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Der Hamburger SV kommt nicht zur Ruhe. Nachdem der milliardenschwere Mäzen Klaus-Michael Kühne keine öffentlichen Forderungen mehr stellt, macht Trainer Thorsten Fink seinem Ärger jetzt öffentlich Luft: Er versteht nicht, wieso der HSV in der Öffentlichkeit schlecht wahrgenommen wird. Dabei sind die Probleme hausgemacht.

Vier Tage war der Hamburger SV von der Bildfläche verschwunden. Vier Tage, in denen sich die Rothosen bei einem Überlebenscamp in Schweden nach dem Wunsch von Trainer Thorsten Fink zu einem echten Team entwickeln sollten. Vier Tage, in denen ein wenig Ruhe eingekehrt ist um den letzten Dino der Bundesliga, der zuletzt ein denkbar schlechtes Bild in der Öffentlichkeit abgab.

"Es gab schon den ein oder anderen, der sich zwischenzeitlich gefragt hat: Warum machen wir das?", erklärte Fink nach der Rückkehr im "Kicker". Am letzten Abend gab es immerhin Abwechslung vom ständigen Gepaddel: Die Skandinavier Per Skjelbred und Marcus Berg nutzen ihren Heimvorteil, schnappten sich ein Boot und besorgten drei Paletten schwedisches Dosenbier - im Tausch für die Pulsuhr von Co-Trainer Frank Heinemann.

Finks Erkenntnisse aus dem Kurztrip: "Der eine kann besser angeln, aber kein Zelt aufbauen oder nicht so gut Brot backen. Der gesamte Umgang untereinander, wie sich gegenseitig geholfen wurde, hat mir gefallen."

"Öffentliches Bild zu schlecht"

Doch kaum ist der Hamburger SV zurück in der Hansestadt, backt er nicht etwa kleinere Brötchen, sondern beginnt von vorn Schlagzeilen zu machen. "Dieses Bild ist in der Öffentlichkeit ist mir eindeutig zu schlecht", poltert Thorsten Fink im Interview mit mehreren Hamburger Medienvertretern.

Wo die Gründe für die schlechte Außendarstellung liegen, stört ihn anscheinend nicht. Die wenigen Neuzugänge, die Trainingsschlägerei zwischen Heung-Min Son und Slobodan Rajkovic, die Querelen mit Milliardärs-Mäzen Klaus-Michael Kühne - der HSV sorgte durchgängig selbst für seine Negativschlagzeilen. "Es ist ein Bild entstanden, dass ich so nicht nachvollziehen kann", resümmiert Fink trotzdem.

Erst am Mittwoch forderte Klub-Idol Uwe Seeler in der "Bild" etwa: "Der HSV muss in die Socken kommen, damit wir nicht in die gleichen Schwierigkeiten geraten wie in der vergangenen Saison."

Seeler will Verstärkungen in allen Mannschaftsteilen: "Hinten brauchen wir jemanden, der uns Stabilität verleiht. Im Mittelfeld fehlt die Kreativität, da habe ich noch nichts gesehen. Und vorne müssten wir einen Brecher kriegen, der ein bisschen Angst und Schrecken verbreitet."

HSV spielt bei Transfers auf Zeit

Beim HSV scheint er damit nur teilweise auf offene Ohren zu stoßen. Zu schlecht ist die finanzielle Handlungsfähigkeit. "Klar, wir müssen noch was machen. Aber das werden wir auch, wir haben gute Ideen", sagt Fink über die Zusammenarbeit mit Manager Frank Arnesen. Dabei schien gerade das Verhältnis innerhalb der sportlichen Führung zuletzt angespannt.

Fink forderte permantent Verstärkungen: "Bis zum Trainingsauftakt Anfang Juli will ich meinen zentralen Mittelfeldspieler haben, damit wir mehr spielerische Struktur kriegen", sagte er im Mai.

Die Planstelle ist jedoch auch einen Monat nach der selbstgesteckten Deadline nicht befüllt, der Kroate Milan Badelj ist fürs defensive Mittelfeld eingeplant. Dass die Qualität im Kader nach den Abgängen der erfahrenen Spieler Paolo Guerrero, Mladen Petric und David Jarolim gesunken sei, verneint Fink aber vehement.

"Es ist nicht richtig, dass wir mehr Qualität abgegeben als dazubekommen haben. Nehmen wir zum Beispiel Paolo Guerrero: In ihm steckt viel mehr, als er hier über weite Strecken gezeigt hat. Zudem war er jetzt auch bei den deutschen Schiedsrichtern unten durch", sagte Fink in der Hamburger Medienrunde. "Auf der anderen Seite haben wir mit Rene Adler einen Top-Torwart, mit Maxi Beister den besten Spieler der zweiten Liga bekommen. Artjoms Rudnevs wurde Torschützenkönig in Polen, da wirst du auch nicht nur angeschossen. Dazu jetzt Badelj, ich bin zufrieden."

Uneinigkeit zwischen Fink und Arnesen

Dennoch brodelt weiter die Gerüchteküche, es gebe Differenzen zwischen Fink und Arnesen. Badelj soll nach Informationen der "Sport Bild" nicht Finks Wunschkandidat gewesen sein. Er wollte Andreas Ottl nach dem Hertha-Abstieg nach Hamburg holen. Arnesen aber entschied sich für den Kroaten, Ottl ging ablösefrei zum FC Augsburg.

Noch demonstiert der HSV-Trainer nach außen Einigkeit: "Ich verstehe nicht, wie behauptet werden kann, dass wir Differenzen haben!" Im "Kicker" sagte Fink zudem, die Zusammenarbeit sei sehr gut. "Und zwar nicht, obwohl wir kontrovers diskutieren, sondern weil wir kontrovers diskutieren. Wir sind beides keine Typen, die sich gegenseitig in den Hintern kriechen."

Mittlerweile läuten jedoch selbst bei den Profis die Alarmglocken. "Es ist bestimmt nicht Aufgabe der Spieler, aber wir brauchen noch Leute", sagte Rene Adler nach der Testspiel-Pleite gegen die B-Truppe des FC Barcelona und forderte einen Mittelfeldspieler und einen Innenverteidiger: "Am besten einen Haudegen mit Bundesliga-Erfahrung."

Zumindest die letztgenannte Position könnte der HSV intern besetzen: Nach der Verschiebung von Heiko Westermann ins Mittelfeld und der Verpflichtung von Badelj ist eigentlich kein Platz mehr für Gojko Kacar. Der Serbe, aktuell noch verletzt, spielte Ende der Saison 2010/2011 in der Innenverteidigung und hinterließ einen guten Eindruck.

Der Kader des HSV in der Übersicht

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