Internationale Schärfe und nationale Dominanz

Von Jochen Tittmar / Andreas Lehner / Fatih Demireli
Samstag, 11.08.2012 | 20:29 Uhr
In der letzten Saison verloren die Bayern dreimal gegen Dortmund, zuletzt 2:5 im DFB-Pokalfinale
© Getty
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Borussia Dortmund und der FC Bayern eröffnen im Supercup (19.45 Uhr im LIVE-TICKER) die Saison 2012/2013. Beide Klubs gehen in richtungweisende Spielzeiten. Untermauert der BVB seine nationale Dominanz endgültig oder kommt Bayern wieder auf die Spur? Zudem haben die Kontrahenten Problemkinder, die sie wieder hinkriegen müssen: Die Aufträge Dortmunds und Bayerns in der neuen Saison.

Die Aufträge von Borussia Dortmund

Den Weggang von Shinji Kagawa kompensieren

Wie schon nach dem Abgang von Nuri Sahin wird sich auch durch den Wechsel des Japaners das Spiel der Dortmunder in gewissen Nuancen verändern. Jürgen Klopp strebt an, seine Mannschaft noch unberechenbarer zu machen - und Neuzugang Marco Reus ist durch seine hohe Flexibilität im Offensivbereich prädestiniert dazu. Gerade wenn es gegen defensiv agierende Mannschaft geht, ist der BVB gefordert, im vorderen Drittel viel zu rochieren und sich noch stärker als bislang vom reinen Positionsdenken zu entfernen.

Das dürfte Reus wenig Probleme bereiten, am wichtigsten bleibt jedoch: Pressing und Gegenpressing müssen auch mit ihm im Verbund weiterhin reibungslos funktionieren. Die Abläufe, die Reus aus Gladbach kennt, unterscheiden sich im Spiel gegen den Ball von denen, die beim BVB gefordert sind. Reus muss verinnerlichen, effizient nach hinten zu arbeiten und Lücken zuzulaufen.

Mario Götze wieder zu Höchstleistungen führen

Der mediale Hype, den Götze durch seine grandiosen Leistungen 2011 ausgelöst hat, war enorm und in Teilen auch fragwürdig. Während und nach seiner langen Verletzungspause, die ihm die Rückrunde der Vorsaison, das DFB-Pokalfinale und größtenteils die EM kostete, konnte man nach und nach den Eindruck gewinnen, dass es für den jungen Kerl unter diesen neuen Umständen schwierig ist, seine Leichtigkeit und Unbekümmertheit aufrecht zu erhalten. Genau dahin muss Götze jedoch zurückkehren. Management und Verein tun gut daran, ihn aus der Schusslinie der Presse zu nehmen.

Der BVB liegt auch richtig, Götze alle Zeit der Welt zu geben, um ihn körperlich wieder auf ein vernünftiges Niveau zu führen und gleichzeitig nicht mit überbordenden Erwartungen zu überfrachten. Er wird nun jedoch auch daran gemessen werden, die Misere in 2012 professionell wegzustecken und sich seine Rückkehr in die Stammmannschaft zu erarbeiten. Wenn einer das Potenzial dazu hat, dann Götze.

Die Kaderbreite nutzen und sinnvoll rotieren

Schon im Vorjahr waren die Westfalen in der Breite so gut aufgestellt wie selten zuvor. In dieser Saison hat sich die Situation noch mal verbessert. Alleine für die fünf Mittelfeldpositionen stehen streng genommen 14 Spieler zur Auswahl. Es wird daher erneut ein schmaler Grat sein, alle Akteure mit genügend Spielanteilen abzuspeisen und sie somit zufrieden zu stellen. Jakub Blaszczykowski und Ivan Perisic waren zuletzt die einzigen, die ihren Unmut über die Reservistenrolle äußerten.

Es gilt, Unruhe unter den Bankspielern zu vermeiden und stattdessen sinnvoll zu rotieren. Natürlich ist es unumgänglich, dass sich wie in den letzten Spielzeiten eine Kernmannschaft herauskristallisiert. Doch vor allem mit Hinblick auf die Dreifachbelastung in Liga, Champions League und Pokal sollten gerade Spieler wie beispielsweise Felipe Santana oder Moritz Leitner, die bei ihren Teileinsätzen überzeugten, öfter als zuletzt eingebaut werden.

Die internationale Scharte auswetzen

Wenn man bedenkt, dass Dortmunds Klub-Koeffizient nur marginal höher ist als jener von BATE Borissow, dann ist klar: Dem BVB, voraussichtlich erneut Mitglied in Auslosungstopf vier, droht in der Champions League eine harte Gruppe. Dortmund, Juventus, ManCity, Barcelona - diese Zusammensetzung ist durchaus möglich. Die Gegner des Vorjahres waren zwar allesamt anspruchsvoll, aber auch allesamt schlagbar. Gerade deshalb und aufgrund mancher kruden Spielverläufe war das Endergebnis auch so enttäuschend. Die Verantwortlichen begründen dies mittlerweile mit einem Schuss an Naivität und Unerfahrenheit, wie man an die Partien herangegangen ist.

Das ist zwar richtig, doch nicht umsonst betonen alle Borussen seit dem Ausscheiden unisono, sich in der neuen Spielzeit auf internationaler Ebene von einer anderen Seite präsentieren zu wollen. Dortmund hat gelernt, dass es dazu auch nötig sein wird, noch mehr auf den jeweiligen Gegner zu reagieren und diesem nicht ausschließlich sein eigenes Spiel aufzwingen zu wollen. Das Überwintern in Europa - angesichts der drohenden starken Gegner auch in der Europa League - ist daher vielleicht sogar auf eine Stufe zu stellen mit dem Erreichen des offiziellen Saisonziels (erneute CL-Qualifikation). Ein wichtiges Zeichen der Weiterentwicklung für die Spieler wäre es in jedem Fall.

Seite 2: Die Aufträge des FC Bayern

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