Der zweite Anlauf

Von Daniel Börlein
Freitag, 27.07.2012 | 12:51 Uhr
Mit der zweiten Chance: Mehmet Ekici, Rafinha, Per Skjelbred (v.l.)
© Getty
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Sie kamen vor einem Jahr mit großen Hoffnungen - und erlebten eine völlig verkorkste erste Saison bei ihrem neuen Klub. Nun versuchen Mehmet Ekici, Srdjan Lakic und Co. den Neustart. Die Perspektiven sind dabei aber durchwachsen.

Mehmet Ekici (Werder Bremen)

Während die Kollegen noch irgendwo am Strand die Beine hochlegten, schuftete Mehmet Ekici schon wieder fleißig. Nur zwei Wochen Verschnaufpause gönnte sich der Türke nach der vergangenen Saison - die er möglichst schnell abhaken will. Nur 21 Spiele absolvierte der Ex-Nürnberger, lediglich zweimal durfte er 90 Minuten ran. Wirklich in Tritt kam Ekici eigentlich nie. "Mehmet ist gesundheitlich oft zurückgeworfen wurde", erklärte Thomas Schaaf vor dem Start in die Vorbereitung. Und: "Jetzt kann er durchstarten."

Aber damit war es schnell schon wieder vorbei. Werders Trainingslager im Zillertal musste der 22-Jährige wegen einer Hüftverletzung vorzeitig verlassen. Wieder musste er individuell trainieren, wieder konnte er sich nicht im Kreise der Kollegen für einen Stammplatz empfehlen. Dabei stünden die Chancen gar nicht schlecht. Schaaf will künftig wohl in einer Mischung aus 4-2-3-1 und 4-3-3 spielen lassen - in jedem Fall aber mit einem klassischen Zehner.

Genau auf der Position sieht sich Ekici am stärksten. Die Rückennummer 10 hat er sich zumindest schon mal gesichert. "Das war mein Wunsch", sagt er. "Ich mag die Nummer, ich trage sie auch in der Nationalmannschaft - und ich denke, für meine Position ist sie geeignet." Sein großer Vorteil: Im aktuellen Werder-Kader gibt es für die offensive Mittelfeldposition eigentlich kaum Konkurrenz.

Srdjan Lakic (VfL Wolfsburg)

Was Srdjan Lakic in der letzten Saison widerfahren ist, das hat der Kroate schon einmal erlebt. In der Saison 2006/2007 stand er bei Hertha BSC unter Vertrag - und blieb eine Spielzeit lang ohne eigenen Treffer. Damals allerdings war Lakic noch ein eher unbeschriebenes Blatt. Vor einem Jahr hingegen war der Angreifer als einer der treffsichersten Stürmer der Liga aus Lautern nach Wolfsburg gekommen. Beim VfL kam der 28-Jährige allerdings nie in Tritt und wurde nach torlosen zehn Spielen nach Hoffenheim ausgeliehen.

Bei 1899 wollte Lakic einen Neustart hinlegen - und scheiterte erneut. Sieben Einsätze standen am Ende zu Buche. Und wieder: kein Tor. Hoffenheim ließ die Kaufoption verstreichen, Lakic musste nach Wolfsburg zurück. Ob es dieses Mal klappt? Immerhin räumt Felix Magath ihm eine neue Chance ein. Andere, wie Patrick Ochs oder Thomas Hitzlsperger, hat der VfL-Coach bereits nach einem Jahr wieder aussortiert. Auch auf die Reise nach China durfte Lakic mit, während sieben andere Akteure daheim bleiben mussten.

In den Tests traf Lakic bislang regelmäßig. Und dennoch wird es für ihn auch beim zweiten Anlauf schwer werden: Mit Bas Dost und Ivica Olic wurden zwei neue Angreifer verpflichtet, Patrick Helmes scheint nach seiner starken Rückrunde ohnehin gesetzt. Angesichts des Angebots im Sturm, würde Magath Lakic durchaus ziehen lassen. Allerdings: Die Interessenten halten sich in Grenzen. Nach einem kompletten Jahr ohne Treffer durchaus verständlich.

Ibrahima Traore (VfB Stuttgart)

Im Trainingslager in Donaueschingen war Ibrahima Traore mal wieder ganz vorne dran: Bei den Sprintübungen über das komplette Spielfeld konnte kein VfB-Profi mit dem Franzosen Schritt halten. Im letzten Jahr war das noch genau andersrum: Traore konnte nur selten mit seinen Kollegen mithalten.

Zwölfmal kam der Neuzugang vom FC Augsburg in der kompletten Spielzeit nur zum Einsatz, gar nur ein einziges Mal von Beginn an. Ein paar kleinere Wehwehchen plagten den Linksfuß zwar und im Frühjahr eine hartnäckige Gesäßmuskelverletzung - insgesamt aber stand als Fazit nach Traores erstem VfB-Jahr: nicht ausreichend.

Und dennoch startete der 24-Jährige optimistisch in die Vorbereitung auf diese Spielzeit. Der Grund: Mit Julian Schieber und Timo Gebhart haben zwei potenzielle Konkurrenten um einen Platz auf dem Flügel den VfB verlassen, mit Tunay Torun kam nur einer dazu. Allerdings: Nach schier endloser Verletzungsmisere hofft man in Stuttgart, dass endlich auch Johan Audel zur Verfügung steht.

Zuletzt musste der Franzose zwar aufgrund von Oberschenkelproblemen erneut kürzer treten, Richtung Saisonstart soll der Linksfuß allerdings ein ernsthafter Kandidat für die Startelf sein. Und Traore? Der verletzte sich jüngst am Innenband und musste erstmal mit dem Training pausieren. Die Vorzeichen für ein besseres zweites Jahr könnten besser sein...

Anthony Ujah (FSV Mainz 05)

In Mainz war man äußerst gespannt auf diesen Neuzugang aus Norwegen, schließlich hatte der FSV für ihn ungewöhnlich tief in die Tasche gegriffen. 2,5 Millionen Euro machten die 05er locker, um den Angreifer nach Mainz zu losten. Viel Geld für die Rheinhessen. Dementsprechend ernüchtert war man von den Vorstellungen des neuen Mannes. Ein Doppelpack beim 3:1-Sieg gegen den VfB Stuttgart - mehr war da nicht.

Und weil Ujah auch die taktischen Vorgaben nur unzureichend erfüllte, schien Coach Thomas Tuchel die Geduld mit ihm verloren zu haben. Die Folge: Bei einem passenden Angebot hätte der 21-Jährige Mainz verlassen dürfen. Das allerdings blieb aus, und so erschien Ujah zum Trainingsauftakt.

Inzwischen hat sich viel verändert. Das einstige Sorgenkind ist binnen weniger Wochen zu einem ernsthaften Anwärter auf die Startelf geworden. "Bei Anthony ist seit längerer Zeit eine deutlichere Entwicklung zu sehen. Seinen Willen unterstreicht er mit Leistung", sagt Tuchel. Und Manager Christian Heidel ergänzt: "Anthony fühlt sich hier wohl. Er hat im ersten Jahr sehr viel bei uns gelernt. Fußballerisch kann er alles, er muss sich jetzt noch an taktische Abläufe gewöhnen."

In den Testspielen trumpfte Ujah bislang stark auf, war teilweise bester Mann auf dem Platz und nicht mehr mit dem Ujah der Vorsaison zu vergleichen. Nun ist man in Mainz gespannt, ob er das auch in der Liga zeigen kann.

Per Ciljan Skjelbred (Hamburger SV)

Lange hatte sich der HSV im letzten Jahr darum bemüht, Per Ciljan Skjelbred nach Hamburg zu lotsen. Mitte Juli war der Transfer des Norwegers dann endlich perfekt. Das war allerdings so ziemlich die einzige Erfolgsnachricht, die es um Skjelbred in seiner ersten Saison gab.

Unter Michael Oenning kam der Mittelfeldspieler zu Beginn noch zum Einsatz (ohne aufzufallen), bei Thorsten Fink war er dann dagegen völlig außen vor. Mickrige 36 Minuten Einsatzzeit hatte Skjelbred in der Rückrunde. Eine echte Alternative zu den keineswegs überragenden Jarolim, Kacar, Rincon und Tesche war er eigentlich nie.

Für die Sommerpause stand Skjelbred deshalb auf der Verkaufsliste ganz oben. Gerne hätte man sein Gehalt anderswo eingesetzt. Allerdings: Heute ist Skjelbred noch immer da. Und plötzlich hat ihn Fink auch wieder auf der Rechnung, will ihm "eine Chance geben". Im Test gegen Barca stand Skjelbred in der Startelf.

"Ich will mit allem, was ich habe, kämpfen, Vollgas geben." Dass der HSV nach wie vor nach einem zentralen Mittelfeldspieler sucht, kümmert ihn wenig. "So ist das Leben, so ist Fußball. Es ist doch normal, dass ein Verein nach einer schwachen Saison versucht, gute Spieler zu kaufen." Nun will er aber erstmal zeigen, dass auch er selbst ein guter Spieler ist.

Rafinha (Bayern München)

Der Brasilianer kam vor einem Jahr für über fünf Millionen Euro vom FC Genua. Der Grund: Rafinha hatte den Nachweis seiner Bundesliga-Tauglichkeit bereits auf Schalke erbracht und sollte dafür sorgen, dass Philipp Lahm wieder von der rechten auf die linke Abwehrseite wechseln konnte.

Nach rund einem halben Jahr kehrte Lahm allerdings wieder auf rechts zurück. Trotz Rafinha. Der saß dagegen meist nur noch auf der Bank. Der 26-Jährige hatte Jupp Heynckes zu oft enttäuscht, vor allem in der Defensive, so dass auch Jerome Boateng im Ranking der Rechtsverteidiger vor Rafinha rangierte. Sein erstes Bayern-Jahr hatte sich der Ex-Schalker ganz anders vorgestellt.

An Trennung dachte im Sommer dennoch niemand - weder der Klub noch Rafinha selbst. Der hoffte vor allem darauf, in Abwesenheit der EM-Urlauber Lahm und Boateng Pluspunkte zu sammeln. Nach ein paar Wochen ist dieser Plan allerdings schon über den Haufen geworfen. Rafinha fällt mit einem Bänderriss rund vier Wochen aus. Die Perspektive nach seiner Rückkehr: könnte kaum schlechter sein.

Lahm ist fest für rechts eingeplant und Boateng nach der Dante-Verpflichtung weiter dessen erster Ersatz. Zudem kommt mit Youngster Mitchell Weiser ein weiterer Konkurrent. Und auch Xherdan Shaqiri kann notfalls außen verteidigen. Schlechte Aussichten also für Rafinha - selbst beim zweiten Anlauf.

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