Freitag, 06.07.2012

Markus Babbel im Interview

Babbel: "Ich stehe auf Verrückte"

Vom Trainer zum Allmächtigen: Markus Babbel bekam von Gönner Dietmar Hopp die Mission, 1899 Hoffenheim endlich zu einem zu Topklub formen. Dabei ist er nicht nur als Trainer, sondern auch als Manager gefragt. Der 39-Jähriger über seine Strategie, seinen Traum von der Premier League und seine Ohrstecker-Episode.

Markus Babbel ist seit Februar 2012 bei 1899 Hoffenheim tätig
© Imago
Markus Babbel ist seit Februar 2012 bei 1899 Hoffenheim tätig

SPOX: Eine der amüsantesten Geschichten des Fußball-Sommers fand in einem Partykeller im bayrischen Ottobrunn statt. Die Toten Hosen spielten zur Feier ihres 30-jährigen Bühnenjubiläums mehrere Konzerten zuhause bei Fans - und einer der Glücklichen war Ihr früherer Mitspieler Jens Jeremies. Waren Sie neidisch, dass die Toten Hosen nicht bei Ihnen, dem Edelfan und engen Freund von Frontmann Campino, auftraten? Sondern im Partykeller des Schlager-Liebhabers Jeremies, der Udo Jürgens derart verehrt, dass er ihn für seine eigene Hochzeit gebucht hatte?

Markus Babbel: Neidisch? Dass musste ich gar nicht sein, weil ich selbst dabei war. (lacht)

SPOX: Auf dem dazugehörigen Video sind Sie aber nicht zu sehen...

Babbel: Das haben wir sehr geschickt eingefädelt. Es war ein super Fest, eine tolle Party. Jeder kam auf seine Kosten und wir haben ordentlich in Jens' Keller abgerockt.

SPOX: Sie kennen Campino aus Ihrer Zeit in Liverpool. Beide verbindet die Liebe zu den Reds und der Premier League. Was sagt er als Außenstehender dazu, dass Sie in Hoffenheim das englische Modell einführten?

Babbel: Man redet immer wieder über Fußball, aber bisher ging es eher um Allgemeines. Zum Beispiel, dass Hoffenheim nicht unbedingt ein Klub ist, den sich Campino für mich vorgestellt hat. Er wird damit zurechtkommen und sich mal in Hoffenheim blicken lassen. (lacht)



SPOX: Es ist grundsätzlich richtig, dass Sie sich in Hoffenheim nach englischem Vorbild als Manager begreifen? Als Trainer und Sportdirektor in einem?

Babbel: Ja, der Vergleich ist zulässig. Zwei Positionen, ein Kopf.

SPOX: Noch im Januar sagte Hoffenheim-Gönner Dietmar Hopp: "Ich würde mich nicht wohl fühlen, wenn es bei uns so laufen würde wie auf Schalke mit Felix Magath. Das wäre mir zu risikoreich." Wie haben Sie ihn vom Gegenteil überzeugt?

Babbel: Es ist ein Missverständnis: Die Idee kam nicht von mir. Ich bin nicht zu Dietmar Hopp gegangen und habe gesagt: "Ich will beides machen!" Nach Ernst Tanners Entlassung ergab sich die Übergangslösung und das gefiel Dietmar Hopp offenbar so gut, dass wir das einfach so weiterführen. Es wurde allerdings klar festgehalten: Ich bin Trainer, der die Welt eines Managers kennt, aber ich bin kein Manager. Das fängt alleine schon damit an, dass ich keine Ahnung von Vertragsrecht habe. Darum klappt es nur, weil ich brutal tolle Leute um mich habe, die mir viel Arbeit abnehmen. Wenn diese Konstellation irgendwann nicht mehr tragfähig sein sollte und die Leistung der Mannschaft darunter leidet, machen wir einen klaren Schnitt: Dann beenden wird das mit dem Manager und ich arbeite ausschließlich als Trainer.

SPOX: Hopp kritisierte im Sommer mit deutlichen Worten die bisherige Nachwuchsarbeit. Trotz Geld und Geduld hätte der Verein zu wenige Profis ausgebildet. Nun sollen Sie zusätzlich für die Anbindung der Jugendspieler verantwortlich zeichnen. Wie läuft die Zusammenarbeit mit Bernhard Peters, dem Direktor für Sport- und Nachwuchsförderung, sowie Alexander Rosen, Leiter des Nachwuchsleistungszentrums?

Babbel: Natürlich habe ich keinen Einblick, was in der U 15 oder U 17 los ist. Daher gibt es eine sinnvolle Arbeitsaufteilung: Alexander Rosen ist meine Kontaktperson, informiert mich und spricht sich mit mir ab, ob wir etwas so oder so machen sollen. Uns kommt zugute, dass er ein ähnlicher Typ ist wie ich: Wir kommen beide aus dem Fußball und wir beide geben permanent Vollgas. Das funktioniert.

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SPOX: Sie sagten zu Anfang Ihrer Tätigkeit: "Herr Hopp, ich erwarte, dass Sie mir sagen, wenn Ihnen etwas nicht gefällt. Sie sind der Mister Hoffenheim." Wie oft hat ihm seitdem etwas nicht gefallen?

Babbel: Wir diskutieren und wir philosophieren - doch nicht so oft, wie einige glauben. Es ist klar definiert, dass ich den tagtäglichen Bereich abarbeite und in regelmäßigen Abständen Dietmar Hopp und den Beirat informiere, wie es läuft. Ich will ihn ohnehin so wenig wie möglich belästigen, weil er ein vielbeschäftigter Mann ist und mit Golf ein großes Hobby verfolgt. Da möchte ich nicht, dass wegen mir alle 15 Minuten sein Handy klingelt. Wenn etwas Wichtiges ansteht, weiß ich, dass ich mich immer mit ihm und dem Beirat austauschen kann.

SPOX: Im Saisonabschlussinterview mit der "Bild" nannte Hopp namentlich die von Tanner geholten Talente Stefan Thesker, Michael Gregoritsch und Sandro Wieser, die Hoffenheim nicht helfen und nur den Kader aufblähen würden. Sie müssen als Trainer weiter mit Ihnen arbeiten oder als Sportdirektor versuchen, sie abzugeben. Egal wie: Hopps Aussage dürfte nicht geholfen haben.

Babbel: Ich weiß ja, wie es gemeint war. Das sind Spieler, die noch sehr jung sind, Potenzial mitbringen und sich Fragen stellen: Schaffen wir es in Hoffenheim? Oder benötigen wir vielleicht einen Zwischenschritt? Ist die U 23 dafür geeignet? Genau das sprach Dietmar Hopp an und damit gehe ich hundert Prozent d'accord. Zumal solche Aussagen gleichzeitig eine tolle Motivation für die Jungs sind, um uns vom Gegenteil zu überzeugen. Nach dem Motto: "Ich gehe hier nicht weg und kämpfe um meinen Platz!" In der Vorbereitung geben sie richtig Gas.

SPOX: Nachdem sich in der Vergangenheit Hopp und die sportliche Führung bei der Zielsetzung teilweise widersprachen, herrscht zur kommenden Saison Einigkeit: Der sechste Platz und die Europa-League-Qualifikation sollen her - obwohl seit Ihrem Kommen aus 14 Spielen überschaubare 17 Punkte geholt wurden. Was macht Sie zuversichtlich?

Babbbel: Ich weiß nicht, ob wir das schaffen. Aber ich weiß, dass wir nicht mehr in die Situation geraten wollen wie im letzten Jahr, als der Abstieg drohte und es nicht fünf vor zwölf war, sondern zwei vor zwölf. Obwohl die Mannschaft körperlich nicht in der Lage war, hat sie sich mit einer großen Energieleistung herausgezogen. Jetzt besitzen wir mehr Qualität in der Mannschaft, sind physisch besser drauf und eignen uns eine neue Mentalität an. Abgesehen vom Bayern-Spiel, als wir verdient sieben Stück eingeschenkt bekommen haben, waren wir im jeden Spiel auf Augenhöhe mit dem Gegner, seit ich in Hoffenheim arbeite. Dennoch zogen wir zu oft den Kürzeren, weil wir den Sieg nicht erzwingen wollten. Das soll sich grundlegend ändern.

Teil II: Babbel über die Seelenverwandtschaft von Wiese und Lehmann und seine Ohrstecker-Lektion

Interview: Haruka Gruber

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