Sarpei besuchte die SPOX-Redaktion - und als Huldigung gab's acht Sarpeis und einen Chuck Norris
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© spox

Hans Sarpei im Interview

Montag, 25.06.2012

"Heute bin ich um Welten lockerer"

Social-Media-Phänomen besucht die SPOX-Redaktion: Internet-Kult-Fußballer Hans Sarpei erklärt, warum er Skandal-Twitterer Ryan Babel gut findet und warum Internet-Nerds zu verkrampft sind.

SPOX: Herr Sarpei, Sie sind im Internet derart beliebt, dass mit dem Buch "Das L steht für Gefahr" eigens eine Sammlung Ihrer beliebten Sprüche veröffentlicht wird. Derzeit bemüht sich das "ZDF" während der EM-Berichterstattung, sich dem Thema Social Media zu nähern. Was halten Sie von den unbeholfen wirkenden Versuchen?

Hans Sarpei: Wenn man noch nie mit Twitter Kontakt hatte, ist es anfangs schwierig, sich zurecht zu finden. Social Media ist nicht das Gleiche wie vor der Kamera zu stehen und nur zu reden. Man muss sich Gedanken machen und sich in das Thema reinfühlen, reinarbeiten.

SPOX: Fiel es Ihnen zu Beginn ebenfalls schwer?

Sarpei: Flüssig von der Hand ging es nicht. Häufig waren nicht so aussagekräftige Sachen dabei. Heute bin ich um Welten lockerer und kann mich in 140 Zeichen viel besser ausdrücken. Genauso wichtig ist es, dass ich mir jetzt schneller und umfassender einen Überblick verschaffen kann, wie die User zu einzelnen Tweets oder Facebook-Posts reagieren. Ohne Feedback hätte ich keine Orientierung, was gut und was schlecht ist.

SPOX: Wie kommen Ihre Internet-Aktivitäten bei den Profikollegen an? Beispielsweise gab es gegenüber Jerome Boateng und Tim Wiese Tweets, die zumindest neckisch verstanden werden können.

Sarpei: Sauer ist keiner, ich schreibe ohnehin nur über Dinge, die die Fans und das Fußball-Volk denken. Das wissen die Jungs schon richtig einzuschätzen, sie haben ja alle Humor.

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SPOX: Das ist eine neue Erkenntnis: Fußball-Stars sind selbstironisch?

Sarpei: Natürlich. Fußballer sind genauso witzig wie jeder andere auch. Als Fußballer ist es nur gefährlicher, weil man aufpassen muss, wie witzig man ist und wie weit du gehst. Die Presse hält alles in der Schublade und holt es heraus, wenn es nicht so gut läuft. Deswegen lässt kaum jemand seine echte Persönlichkeit oder den Spaßfaktor raus, sondern ist stattdessen gehemmt.

SPOX: Warum sind Sie nicht gehemmt?

Sarpei: Ich glaube, es hat etwas mit meinem Alter zu tun. Man muss in seine Rolle hineinwachsen. Als ich jünger war, habe ich mich noch vorsichtiger verhalten, mittlerweile aber habe ich einiges auf der Welt gesehen und lasse es mir nicht mehr nehmen, über Themen zu schreiben, die ich witzig finde.

SPOX: Fehlt Ryan Babel, bekannt als wandelndes Twittergate, Ihre Reife?

Daten & Fakten

Das ist Hans Sarpei
Hans Sarpei

*28. Juni 1976

  • Wächst im Kölner Stadtteil Chorweiler auf
  • Sein älterer Bruder Edward schafft es ebenfalls zum Profi
  • Spielt in der Jugend bei diversen Klubs in Köln und Umgebung
  • Erst mit 22 der Sprung in den Profi-Fußball beim Zweitligisten Fortuna Köln
  • Über Duisburg geht es 2001 zum Bundesligisten Wolfsburg. Erstes Erstliga-Spiel mit 25
  • Bleibt dort sechs Jahre, vor allem als Ergänzungsspieler gefragt
  • Nimmt für Ghana an der WM 2006 in Deutschland teil
  • 2007 Wechsel nach Leverkusen
  • Nach einer starken WM als Stammspieler Ghanas und dem Viertelfinal-Einzug unterschreibt er auf Schalke
  • Erreicht 2011 das Halbfinale der Champions League und wird Pokalsieger
  • 2011/12 nur noch ein Einsatz, nach der Saison ohne Vertrag
  • Populär vor allem als Internet-Kult wegen amüsanter Einträge bei Facebook und Twitter
  • Bewährtes Muster: Chuck-Norris-Witze auf sich beziehen

Hans Sarpei im Steckbrief

Sarpei: Ich will explizit Ryan nicht davon abraten, zu twittern. Fans und Journalisten sagen zu Fußballern immer: "Sei doch mal so, wie du bist!" Und dann haut jemand wie Ryan Tweets raus und wird dafür kritisiert, warum er dies und das schreibt, ohne vorher zu grübeln. Das verstehe ich nicht. Ryan twittert sofort, was er denkt und fühlt. Über ein Spiel, über eine schwache Schiedsrichter-Leistung, über alles Mögliche. Manchmal ist es nicht zu seinem Vorteil, dennoch finde ich seine Art gut.

SPOX: Stellen Sie sich manchmal die Frage, etwas nicht zu twittern? Haben Sie schon Tweets kurz vor dem Senden gelöscht, aus Angst vor den Konsequenzen?

Sarpei: Von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen überlege ich nicht wirklich, wie die Konsequenzen sein könnten. Im Grunde geschieht alles spontan. Dass muss auch so sein: Wenn es anders wäre und ich immer abwägen würde, würden die Fans sofort merken, dass es nicht authentisch ist.

SPOX: Auf SPOX ist es möglich, die Kommentare der User unter Artikeln zu lesen. Wie wichtig ist Ihnen das?

Sarpei: Auf die Kommentare unter Artikeln achte ich nicht so, einfach weil mir die Zeit dafür fehlt. Ich lese einen Artikel durch, achte auf den Schreibstil und natürlich die Aussage des Journalisten, damit hat es sich. Anders ist es bei Facebook und Twitter. Ich versuche, so viele Reaktionen auf meine Einträge wie möglich zu lesen, um Anregungen für neue Posts zu bekommen. Manchmal ist es unglaublich, wie kreativ User sein können.

SPOX: Genießen Sie die sozialen Medien, weil Sie nicht mehr auf die klassischen Medien angewiesen sind, um sich öffentlich zu äußern?

Sarpei: Definitiv. Mittlerweile werden die Verhältnisse sogar umgedreht, weil die Journalisten von sich aus auf meine Facebook- und Twitterseite gehen, um meine Meinung zu diesem und jenem zu lesen. Plötzlich ist man selbst der Aktive und nicht mehr der, der nur auf Fragen reagieren kann.

Teil II: Sarpei über Rauls Neugierde und seinen ungewöhnlicher Weg zum Profi

Interview: Haruka Gruber / Max Ost
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34. Spieltag

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