Die Hausaufgaben der Bundesliga-Klubs: FC Augsburg

Geheimrezept: Ruhe bewahren

SID
Dienstag, 15.05.2012 | 23:27 Uhr
Der FC Augsburg hat am 33. Spieltag den Klassenerhalt gesichert
© Getty
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Nach der Saison ist vor der Saison! Die Bundesligisten arbeiten längst mit Hochdruck auf die Spielzeit 2012/2013 hin. SPOX beleuchtet die Baustellen aller 18 Vereine - im Duett mit einem Mitglied der User-Redaktion. Diesmal: Der FC Augsburg.
 

Von SPOX-Redakteur Fatih Demireli

Zugeben würde es heute keiner mehr, aber in der Winterpause dürfte es den einen oder anderen Augsburger gegeben haben, der mit der Bundesliga still und heimlich schon abgeschlossen hatte.

Nur 15 Punkte holten die Fuggerstädter in ihren ersten 17 Bundesliga-Spielen - zu wenig, um Hoffnung zu haben, aber gerade noch so viel, um nicht komplett totgesagt zu werden. Augsburg gelang in dieser Phase aber etwas, was einfach klingt, schwer umsetzbar ist und in den meisten Fällen den Klubs zum Verhängnis wird: Augsburg bewahrte absolute Ruhe.

Diese Ruhe, demonstrativ und überzeugend vorgelebt von Jos Luhukay, der selbst nach heftigen Niederlagen wie in Dortmund, als man sich nach dem 0:4 die Frage gefallen lassen musste, ob die Bundesliga wirklich das Richtige für den FCA ist, war der Grundstein für eine verhältnismäßig überragende Rückrunde.

Fast so bemerkenswert mit Dortmunds Titel

Augsburg verstand es - ähnlich wie der SC Freiburg - sich im Abstiegskampf auf eine erfrischende Art und Weise zu behaupten, während die Konkurrenz aus Köln, Berlin und Kaiserslautern in sich verkrampfte und sich in eine Negativspirale spielte.

Augsburg spielte in gewissen Phasen für seine Verhältnisse hervorragenden Offensivfußball. Wohl auch ein Verdienst des Drucks, der weg war, weil man den FCA größtenteils eh nicht mehr auf dem Zettel hatte. Auch wenn das Spiel nur 2:2 endete, war das Gastspiel gegen Hannover 96, als man den Europa-League-Teilnehmer in die Verzweiflung spielte, stellvertretend für das, was Augsburg aufs Grün zauberte. Voll eingeschlagen ist auch der Wintertransfer Ja-Cheul Koo, der aus Wolfsburg ausgeliehen wurde.

Dass der FC Augsburg schon am 33. Spieltag den Klassenerhalt sicherte, ist fast so bemerkenswert wie die Dortmunder Titelverteidigung. Aber dass in der Stunde der absoluten Glückseligkeit Luhukay aufgrund von internen Querelen seinen Rücktritt bekannt gab, belastet die Vereinsseele und wirft Fragen auf.

Luhukay war der Mann, dem die breite Augsburger Basis blind vertraute und als Aushängeschild sah. Es gab keine einzige Unmutsbekundung in der gesamten Saison gegenüber dem Trainer, der im Normalfall auch mit die 2. Liga gegangen wäre. Nun muss Luhukay ersetzt werden. Nicht nur als Erfolgstrainer, sondern auch als Typ, der für Augsburg stand wie kein anderer.

Weinzierl kommt - mit Problemen

Markus Weinzierl, der Jahn Regensburg in die 2. Liga geführt hat, wird - wenn kein Wunder mehr geschieht - übernehmen. In Fachkreisen ist der junge Coach ein anerkannter Mann, dessen einziges Problem aber nicht die fehlende Bundesliga-Erfahrung sein wird, sondern auch die Fußstapfen Luhukays, der mit seinem Status, aber auch dem Klassenerhalt, der nicht selbstverständlich war, ein großes Erbe hinterlassen hat.

Vielleicht kommt es für Weinzierl gar nicht so ungelegen, dass Manfred Paula, Nachfolger von Andreas Rettig, jetzt schon als Blitzableiter fungiert, ohne überhaupt richtig angefangen zu haben. Die Anhängerschaft schiebt Paula das Luhukay-Aus in die Schuhe, so dass Präsident Walter Seinsch, aber auch der scheidende Rettig Paula zur Seiten springen musste.

Dabei hat Paula kaum Zeit, sich mit Nebenkriegsschauplätzen zu beschäftigen. Mit Koo, der nach Wolfsburg zurückkehrt und Jaime Hosogai, muss der FCA zwei wichtige Spieler zu ersetzen. Auch Marcel Ndjeng, ein Luhukay-Spieler durch und durch, muss gehen und als Identifikationsfigur ersetzt werden. Insgesamt könnte der Kader etwas mehr Substanz vertragen - gerade in der Offensive.

Wichtiger ist aber nach wie vor das Konzept der aktuellen Saison: Augsburg hat durch Ruhe und Besonnenheit die Klasse gehalten. Nun muss diese sofort wieder bewerkstelligt werden, damit man auch im schwierigen zweiten Jahr eine ähnlich positive Erscheinung der Bundesliga bleibt.

Diese Saison toppen? Schwierig

Von mySPOX-User Fuggeraner

Was muss die nächste Saison besser werden beim FC Augsburg? Hierauf eine Antwort zu finden, dürfte auf den ersten Blick relativ schwer werden, schließlich schloss man diese Spielzeit zur Überraschung vieler Experten und Laien als Tabellen-14. und damit als Nicht-Absteiger ab, noch vor Bundesliga-Größen wie dem Dino aus Hamburg. Damit war das vor einem Jahr als Ziel (und gleichzeitig als Wunder) ausgegebene Ergebnis erreicht, und der traurige Negativ-Rekord von Tasmania Berlin wurde verpasst.

Schwierig also, so eine Saison noch einmal zu toppen, zumal einige Leistungsträger (sportlich und menschlich) die Mannschaft verlassen werden und sich, teilweise gewollt, teilweise unfreiwillig, anderen Vereinen anschließen werden. Gerade deshalb gibt es viel zu tun für die neue sportliche Führung Manfred Paula und (voraussichtlich) Markus Weinzierl.

Nicht nur, dass die Mannschaft frisches Blut benötigt, auch der Kern des Klassenerhalts, der bedingungslose Zusammenhalt zwischen Mannschaft, Vereinsführung und vor allem Fans hat zuletzt enorm gelitten. Es gibt also bessere Voraussetzungen für die (Achtung: Phrase!) schwierigere zweite Saison.

Mit der Verpflichtung von Markus Weinzierl steht die wichtigste Personalie zumindest schon rechtzeitig fest und die erste Weiche direkt nach Verlassen des Bahnhofs ist gestellt. Dies ist deshalb so wichtig, da man weiß, dass der FCA auf dem Transfermarkt nicht unbedingt den attraktivsten (weil finanziell nicht auf Rosen gebetteten) Ansprechpartner darstellt, und darum zumindest die Rahmenbedingungen passen müssen, um Spieler wie aktuell Jan Moravek halten bzw. andere Spieler neu verpflichten zu können.

Und auf dem Transfermarkt muss einiges geschehen, denn diese Spielzeit hat deutlich gezeigt, wo beim FCA der Schuh drückt - in der Offensive! Stand man dieses Jahr defensiv relativ geordnet und machte man es, gerade offensivstarken Mannschaften wie Dortmund, Gladbach oder Bayern, schwer, ihr Spiel nach vorne durchzudrücken, gelang den Augsburgern nach vorne aber ziemlich wenig und so war man auf Einzelaktionen von Bellinghausen, Hosogai, Koo und Co. angewiesen.

Dass genau diese Akteure aber bereits in ihre neue Wirkungsstätte unterwegs sind, stellt die Verantwortlichen vor schwierige Aufgaben. Allerdings ist man sich dessen anscheinend bewusst, denn mit den angestrebten Verpflichtungen von Stoppelkamp und Royer von Hannover 96 sollen diese Lücken ebenbürtig geschlossen werden.

Interessant zu sehen sein wird allerdings die Frage, ob der FCA seine Spielweise unter Weinzierl beibehalten wird/will/kann, was ein wichtiger Aspekt für die nächste Saison ist. Denn einzig und allein dem kampfbetonten, laufintensiven und kompakten Spiel der Mannschaft ist der diesjährige Klassenerhalt zu verdanken; und genau das wiederum hat die Mannschaft nur mit der absoluten Unterstützung der Fans geschafft.

Als man in der Hinrunde noch auf den Abstiegsplätzen hin- und herdümpelte und man bei einigen Spielen das fehlende Selbstbewusstsein einzelner Spieler erkennen konnte, war es die Kurve, die der Mannschaft mit bedingungsloser Unterstützung und fehlenden Negativ-Bekundungen den Rücken freihielt, selbst wenn die Ergebnisse zu wünschen übrig ließen.

Erst, als das Team das verinnerlicht hatte, und erkannt hat, dass sie einfach nur laufen und kämpfen muss, um gefeiert zu werden, fiel der Druck von der Mannschaft ab und man konnte befreit aufspielen, um sich so in der Rückrunde die nötigen Punkte für den Klassenerhalt zu sichern. Dieser extreme Zusammenhalt wird auch in unserer zweiten Saison notwendig sein, um erneut das Wunder zu schaffen und Erstliga-Fußball in Augsburg zu halten.

Doch genau dieser Zusammenhalt ist zurzeit getrübt, da man von der Vereinsführung ausgehend Fehler gemacht hat, die Narben hinterlassen werden, weil sie menschlich einfach enttäuschend waren. Darum wird die Hauptaufgabe der neuen Verantwortlichen v.a. die Rückgewinnung des Vertrauens sein, das in diesen Tagen verloren wurde. Wie lange das dauern wird, und ob das überhaupt möglich sein wird, kann man derzeit nicht abschätzen, und doch wird es der grundlegendste Baustein für die nächste Spielzeit sein.

Insofern ist die Beantwortung der eingangs gestellten Frage dann doch ziemlich eindeutig und kann mit nur einem Wort zusammengefasst werden: ZUSAMMENRÜCKEN!

Der FC Augsburg im Profil

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