Bayern-Trainer will Mannschaft auf Madrid einstimmen

Jupp Heynckes: "Motor wieder anschmeißen"

SID
Freitag, 13.04.2012 | 17:21 Uhr
Jupp Heynckes erwartet vom FC Bayern eine Trotzreaktion nach der Pleite beim BVB
© Getty
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Der vorzeitige K.o. im Meisterkampf geht auch an einem Routinier wie Jupp Heynckes nicht spurlos vorüber. Bayern Münchens Trainer sah gezeichnet aus, als er am Freitagmittag den voll besetzten Münchner Presseraum betrat.

Bemüht um Lockerheit, aber das Lachen des 66-Jährigen wirkte längst nicht mehr so echt wie noch am Dienstag - einen Tag bevor Tabellenführer Dortmund den Rekordmeister jeglicher Triple-Illusionen beraubt hatte.

"Die Enttäuschung ist immer noch riesengroß", sagte Heynckes, der den Blick nach hinten aber nicht mehr zuließ. "Man kann nicht immer nur Siege feiern, man muss auch mit Enttäuschung umgehen im Fußball. Wir müssen den Motor wieder anschmeißen." Schließlich können noch zwei Titel gewonnen werden.

Aus Operation Triple wird Operation Double

Klar, die "Operation Triple" ist zwangsläufig zur "Operation Double" geworden, an Heynckes' Zielsetzung ändert das aber nichts. "Die Hoffnung gebe ich erst mit dem letzten Schlusspfiff auf. Und wir haben ja auch noch zwei andere große Ziele", sagte er selbstbewusst, als hätte es die Enttäuschung vom Mittwoch nie gegeben.

Neun Spiele in Serie hatten die Bayern vor dem 0:1 in Dortmund gewonnen. "Und deshalb müssen wir weiter an uns glauben", sagte auch Sportdirektor Christian Nerlinger.

Das 800. Liga-Heimspiel am Samstag (18.15 Uhr im LIVE-TICKER) gegen den FSV Mainz 05 hat trotz der rechnerischen Bedeutungslosigkeit daher durchaus entscheidenden Charakter: Drei Tage vor dem Champions-League-Knaller gegen Real Madrid gilt es, das Selbstvertrauen wieder zurück zu gewinnen.

Mainz soll Selbstbewusstsein bringen

"Sicher ist das Spiel von Bedeutung, um uns auf Madrid einzustimmen", gab Heynckes zu, wiegelte aber jede Frage zur Königsklasse bestimmt ab. Klar ist dennoch: Der Tabellenelfte Mainz ist nicht mehr als ein Aufbaugegner für den zweiten Showdown binnen einer Woche. Denn nicht nur Arjen Robben als tragische Figur des verlorenen Meisterschaftsduells, sondern auch dem Rest der Mannschaft dürfte der Weg zurück in die Spur nach der Schlappe beim Erzrivalen schwer fallen.

Jerome Boateng sprach geknickt von einer "schweren Aufgabe, auch mit Blick auf Real Madrid. Irgendwie müssen wir es schaffen." Wie, das versuchte Heynckes in den vergangenen Tagen herauszufinden.

Die einzig gute Nachricht nach der Rückkehr in die verregnete Heimat war, dass alle Mann zumindest körperlich fit sind. "Natürlich ist das schwer. Aber wir müssen versuchen, das Ereignis so schnell wie möglich aus den Gedanken zu streichen und nach vorne zu schauen", forderte Heynckes.

Gegen Mainz wird der Bayern-Trainer wohl wie in den letzten fünf englischen Wochen rotieren, Bastian Schweinsteiger dürfte von Beginn an auflaufen. "Eine Balance" will Heynckes finden: "Denn ich brauche schon eine Mannschaft, die das Spiel gewinnen kann." Wie gefährlich die Mainzer sein können, hatten sie beim 3:2 im Hinspiel unter Beweis gestellt: "Da ist noch eine Rechnung offen."

Robben "wird das wegstecken"

Sorgen um Robben, der seinen verschossenen Elfmeter selbst als "peinlich" bezeichnet hatte, machte Heynckes sich nicht. Ein kurzes Einzelgespräch habe gezeigt, dass Arjen ein Spieler sei, der darüber hinweg kommt. "Es haben schon viele große Fußballer Elfmeter verschossen", sagte Heynckes und versicherte: "Wir gewinnen zusammen - und wir verlieren auch zusammen".

Immerhin zwei "Pötte" gibt es noch zu gewinnen. Die "Bild"-Zeitung schrieb am Freitag vom "Wut-Schwur der Bayern", wenigstens das Double zu retten. Mut machte Ehrenpräsident Franz Beckenbauer bei "Sky": "Die Bayern haben die Dortmunder in der zweiten Halbzeit an die Wand gespielt. Wenn sie das über 90 Minuten bringen, dann haben sie eine reelle Chance, Real Madrid auszuschalten." Der Einzug als erste Mannschaft in ein Heimfinale der Champions League wäre wohl mehr als ein kleines Trostpflaster.

Die Mainzer hatten ohnehin schon kapituliert, noch bevor sie überhaupt Münchner Boden betraten. "Im Normalfall verlieren wir", sagte Trainer Thomas Tuchel trotz seiner persönlich positiven Bilanz gegen die Bayern (drei Siege, zwei Niederlagen).

Einen Vorteil sieht der 39-Jährige lediglich, "wenn die Bayern das Spiel angesichts des Halbfinales gegen Madrid vergessen und nicht kommen". Heynckes konnte seinem Kollegen nur ein wenig Hoffnung machen: Kommen werden die Bayern - nur in welcher Verfassung, das weiß noch keiner.

Heynckes lobt Kircher

Was den Schiedsrichter des Spiels in Dortmund, Knut Kircher, angeht, fand Heynckes lobende Worte: "Das war eine absolute Topleistung. Normalerweise redet man nur über Schiedsrichter, wenn sie schlecht pfeifen. Aber Herr Kircher und sein Team haben das Spiel super im Griff gehabt", sagte der 66-Jährige am Freitag in München.

Überhaupt bewertete Heynckes die Partie als "intensives, aber sehr faires Spiel". Auch die kurzzeitige Entgleisung des Dortmunder Verteidigers Neven Subotic, der Arjen Robben nach dessen verschossenem Elfmeter ins Gesicht gebrüllt hatte, wollte der Bayern-Coach nicht überbewerten. "In der Euphorie passieren solche Dinge. Das ist doch klar", sagte Heynckes.

Der Kader des FC Bayern im Verein

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