Präsident glaubt an "rosige Zukunft"

Streich - Der außergewöhnliche Trainer

SID
Montag, 23.04.2012 | 11:56 Uhr
"Ich mach mein Ding, das ist Fußball." Trotzdem ist Christian Streich erfrischend anders
© Getty
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Plötzlich blitzte wieder dieser wilde Blick bei Christian Streich auf. Wenn sich die Augen weiten und sie zu schreien scheinen. Da war es für einen Moment wieder vorbei mit der Erleichterung nach der geschafften Herkulesaufgabe Klassenerhalt. "Wenn ich einen Schlüssel hätte, würde ich ihn ins Schloss stecken und wir würden immer deutscher Meister", fauchte der Trainer des SC Freiburg also nach dem 0:0 bei Hannover 96 - und die Augen flackerten.

"Es ist alles Arbeit. Ich habe die Jungs bis an die Grenze der physischen und psychischen Belastbarkeit getrieben." Schlüssel? Was für eine Frage.

0:0 gewonnen also. Neuntes Spiel in Folge ungeschlagen, fünfterfolgreichstes Team der Rückrunde. Klassenerhalt zwei Spieltage vor Saisonende gesichert. Alles mit einem Streich. "Ich möchte es nicht Wunder nennen, aber es ist fantastisch", sagte der Vorstandsvorsitzende Fritz Keller, "dass er ein toller Trainer ist, wissen wir schon seit Jahren. Ich habe immer daran geglaubt, dass er das kann."

Abgeschlagen nach der Hinrunde

Nach Ende der Hinrunde lag der Sportclub auf dem letzten Tabellenplatz, fünf Punkte betrug der Rückstand zur Rettung. Trainer Marcus Sorg musste gehen, so etwas war bis dato noch nicht vorgekommen im Breisgau. Einen Tag gab sich Jugendtrainer Streich Bedenkzeit, als die SC-Verantwortlichen ihm den Cheftrainerposten antrugen, dann sagte er zu.Seit 1995 arbeitet er für den Verein, die erfolgreiche Jugend- und Nachwuchsarbeit ist zum großen Teil sein Werk.

"Zusammenhalter" stand auf den roten T-Shirts, die die Freiburger Spieler in Hannover noch auf dem Rasen überstreiften. Für zehn Euro konnte man sie bereits am folgenden Tag online im Fanshop des Vereins erwerben, ebenso die Baby-Version "Zusammenhalterle".

Einer für alle, alle für einen

Natürlich ist dieser Verein schon längst fest drin im Profigeschäft mit all seinen Vermarktungsgesetzen und Mechanismen. Auch deswegen wirkt so ein Trainer wie Streich so exotisch.

"Um Gottes Willen, ich habe mit den T-Shirts nichts zu tun", sagte Streich, "ich mache mein Ding, das ist Fußball." Zusammenhalten gehört jedoch essenziell dazu. Mit dem T-Shirt konnte der 46-Jährige deshalb gut leben. Er glaubt an den wahren Kern der besungenen Fußball-Romantik: "Einer für alle und alle für einen."

"Kommunikation, Interesse aneinander, die Jungs müssen sich etwas zu sagen haben, das ist wichtig in der Gruppe", sagt Streich. Der Abgang des egoistischen Stürmerstars Papiss Demba Cisse wurde durch die Gruppe mehr als aufgefangen.

"Wir sind immer näher zusammengerückt"

Die ehemaligen Jugendlichen aus der eigenen Fußballschule haben die Bundesliga im Expresstempo gelernt, die verbliebenen Routiniers haben sich eingefügt. Das System klappte, hohe Disziplin, hoher Laufaufwand.

"Er ist ein sehr emotionaler Mensch, er redet viel mit den Spielern", sagt Mittelfeldspieler Daniel Caligiuri über seinen Trainer, "der Erfolg hat sich eingestellt, weil wir immer näher zusammengerückt sind."

Bundestrainer Joachim Löw schwärmt von Streich, DFB-Präsident Wolfgang Niersbach will ihn kennenlernen. Der Erfolgscoach hofft dagegen, "dass bald mal wieder etwas Ruhe einkehrt."

Sonntagnacht feierten die erfolgreichen Klassenerhaltskämpfer daheim im Restaurant "Coucou". Mitternachtsbuffet und Ständchen für Geburtstagskind Sebastian Freis. Es gab viel zu feiern. "Ich glaube, wir stehen vor einer rosigen Zukunft", sagt Klubchef Keller.

Christian Streich im Steckbrief

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