BVB - Bayern: Der Bundesligagipfel

Tenor: Es ist kein "Entscheidungsspiel"

SID
Dienstag, 10.04.2012 | 16:09 Uhr
Werden während des Spiels sich des öfteren begegnen Arjen Robben (l.) und Kevin Großkreutz (M.)
© Getty
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Jupp Heynckes überlegte kurz, hatte die passende Antwort aber schnell gefunden. "Ottmar Hitzfeld", posaunte Bayern Münchens Trainer am Dienstag gut gelaunt durch den voll besetzten Münchner Presseraum auf die Frage, ob er selbst oder Jürgen Klopp der bessere Trainer sei.

Rot-Weiß gegen Gelb-Schwarz, Meister gegen Rekordmeister, Tabellenführer gegen Verfolger, Heynckes gegen Klopp: Von der hitzigen Duell-Stimmung vor dem "Giganten-Gipfel" am Mittwoch (20.00 Uhr) wollte sich auch knapp 30 Stunden vor dem Anpfiff keiner so richtig anstecken lassen. Klar war nur eines. "Wir wollen gewinnen, dann wären wir vorne", sagte Philipp Lahm.

"Ein besonderes Spiel" sei es auch für Heynckes, trotz seiner knapp 30-jährigen Trainererfahrung, immerhin das gab er zu: "Es ist ein Aufeinandertreffen zweier Topteams, eine besondere Konstellation.

Und ein wichtiges Spiel, besonders für uns", sagte der 66-Jährige. Wie wichtig, das zeigt der Blick auf die Tabelle. Zum ersten Mal seit Ende Januar könnten die Bayern ob der besseren Tordifferenz mit einem Sieg in Dortmund die Tabellenführung übernehmen.

Auch wenn sowohl Heynckes und Lahm als auch Dortmunds Trainer Klopp knapp 500 Kilometer weiter nordwestlich den vorentscheidenden Charakter des Spiels verneinten. "Wer gewinnt, hat einen Vorteil. Vor allem auf psychologischer Ebene", sagte Bastian Schweinsteiger dem "Kicker".

"Mia san Mia" gegen "Wir sind Fußball"

"Fünf Endspiele" gebe es noch für die Bayern, betonte Torjäger Mario Gomez. Auch Klopp ist sich mit Blick auf das gegen Dortmund sprechende Restprogramm mit Spielen gegen Mönchengladbach und Schalke 04 sicher, "dass auch nach dem Spiel noch viel passieren kann. Ziel ist jetzt erstmal, nach dem Abpfiff sechs Punkte Vorsprung zu haben". Eine echte Kampfansage ließ sich auch der sonst so vorlaute Coach vor rund 75 Medienvertretern und 23 Kameras am Dienstag nicht entlocken.

Hohe Wellen schlägt das Topspiel nicht nur in den Presseräumen der beiden Klubs: Wie die Deutsche Fußball Liga (DFL) der Nachrichtenagentur dapd mitteilte, wird diese Begegnung in insgesamt 200 Ländern (inklusive Deutschland) live übertragen. Damit wird der Rekord aus der Hinrunde eingestellt.

Erwartet wird eine Partie auf Augenhöhe, "fast Champions-League-Charakter", sagte Gomez. 129 Punkte sammelten die beiden Teams in der laufenden Spielzeit schon gemeinsam, zuletzt gab es 1972 in Bayern und Schalke ein besseres Topduo. Dennoch treffen am Mittwoch vor 80.000 Zuschauern im Westfalenstadion zwei Fußball-Welten aufeinander. "Mia san mia gegen Wir sind Fußball", fasste Klopp passend zusammen.

Hoffen auf Schweini und Götze

Beide Teams hoffen zudem auf das Mitwirken ihrer Mittelfeldstrategen. Schweinsteiger wird wohl von Beginn an auflaufen, bei Mario Götze ist zumindest ein Kurzeinsatz nach neunwöchiger Verletzungspause denkbar. "Er hat am Sonntag und Montag trainiert und keine Probleme. Ich kann noch nicht einschätzen, wie uns das helfen kann", sagte Klopp.

Dortmund hätte im Falle eines Sieges - dem vierten in Folge gegen den Rekordmeister - aber wohl nicht nur einen mentalen Bonus: Sechs Punkte holten die Bayern an den letzten vier Spieltagen zuletzt vor 25 Jahren auf. "Die letzten Wochen haben ja gezeigt, auf welch hohem Niveau wir spielen können. Wir haben die fußballerische Klasse - und das wollen wir zeigen", sagte Kapitän Lahm.

Der Traum vom Triple lebt auch in der fünften von sieben englischen Wochen in Folge weiter in München. "Die Ausgangslage ist besser als vor ein paar Wochen. Und wir können diesen hohen Rhythmus gehen", sagte Lahm. Auch wenn Dortmund seit 23 Liga-Spielen unbesiegt ist: Bayerns neun Siege in drei Wettbewerben sprechen genauso für sich.

"Wie Real gegen Barca"

"Optimistisch" reise man nach Dortmund, versicherte Heynckes. Blickte man in die angespannten Gesichter auf dem Podium, sah man Uli Hoeneß zuletzt jegliche Presseanfragen abwinken, merkte man aber schnell: Gegen Dortmund geht es um weitaus mehr, als diese drei Punkte auf dem Weg zur Meisterschaft.

"Ein Duell wie zwischen Real und Barcelona" erwartet Sportdirektor Christian Nerlinger in den kommenden Jahren zwischen den beiden deutschen Top-Klubs, auch Heynckes glaubt, "dass die beiden Mannschaften sich in Zukunft öfter begegnen werden". Offiziell freut man sich in München über die erstarkte Konkurrenz - aber nur, wenn Bayern die Nummer eins bleibt.

Zuletzt hatte Bayern 1995 und 1996 zwei Mal hintereinander in der Meisterschaft das Nachsehen. "Was heißt Wut? Wir wollen alles wieder gerade rücken", sagte Lahm angesprochen auf die drei Pleiten gegen den Dauerrivalen in Folge. Das 0:1 im Hinspiel sei ohnehin ein "typisches Unentschieden gewesen", wurde am Dienstag erneut betont.

"Und dieses Mal ist es an der Zeit, dass wir gewinnen", sagte Torjäger Mario Gomez. Mit Arjen Robben in Topform und dem genesenen Schweinsteiger kann der Rekordmeister pünktlich zum Saisonhöhepunkt seine vermeintlich stärkste Formation aufbieten. "Mir zumindest würde es an Dortmunder Stelle Kopfzerbrechen bereiten, wenn ich unseren Kader sehen würde", stichelte Heynckes.

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