Zidan und Helmes: Aus dem Abgrund

Von Lars Gäbler
Freitag, 20.04.2012 | 10:56 Uhr
Patrick Helmes trifft in Mainz auf Mohamed Zidan. Die beiden verbindet ein ähnliches Schicksal
© Getty
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Wenn am Freitag zum Duell zwischen dem 1. FSV Mainz 05 und dem VfL Wolfsburg (20.15 Uhr im LIVE-TICKER) ein letztes Mal die Flutlichtscheinwerfer im Mainzer Stadion angehen und beide Mannschaften den Platz betreten, werden vor allem zwei Spieler im Rampenlicht stehen: Mohamed Zidan und Patrick Helmes bekamen nach schweren Verletzungen am eigenen Leib zu spüren, wie brutal das Geschäft Bundesliga sein kann. Dass sie wieder spielen, haben beide ihrem Willen und einer kleinen Portion Glück zu verdanken.

Es ist gerade einmal ein Jahr her, da feierte Mohamed Zidan noch ausgelassen die Meisterschaft mit Borussia Dortmund. Für ihn war es der erste Titel mit einer Vereinsmannschaft überhaupt. Eines fehlte ihm dabei jedoch zum perfekten Glück: Er war auf dem Platz kein Teil dieser Mannschaft.

Nach seinem Wechsel 2008 von Mainz nach Dortmund und einem guten Einstand, zog er sich am 31. Spieltag in der Saison 2009/2010 einen Kreuzbandriss zu und fand nie wieder zu alter Stärke.

Doch gerade als seine Karriere gemächlich vor sich hin plätscherte, sollte er ausgerechnet in Mainz noch einmal die Chance bekommen. Damit gerechnet hatte nicht einmal er selbst. Umso glücklicher und erleichtert fiel seine Reaktion aus, als der Transfer noch im letzten Moment über die Bühne ging.

Zidan das dritte Mal in Mainz

"Ich bin glücklich, dass der Wechsel im letzten Moment noch geklappt hat. Ich wollte unbedingt wieder nach Mainz, ich habe die tolle Zeit dort mit dem Verein und den Fans nie vergessen. Unglaublich, sie jetzt alle wieder zu treffen", sagte der Ägypter nachdem er sich zum dritten Mal das Trikot der Mainzer überstreifen durfte.

Bedanken kann er sich dabei auch bei einem ehemaligen Konkurrenten. Wie Manager Christian Heidel später verriet, hatte er die Hoffnung auf eine Verpflichtung seines Wunschspielers schon aufgegeben. Zum damaligen Zeitpunkt stand Dortmunds Lucas Barrios vor einem Wechsel in die Premier League, was einen Abgang von Zidan unmöglich gemacht hätte.

Allerdings schreckten die Gehaltsvorstellungen des gebürtigen Argentiniers potenzielle Interessenten ab und ließen den Deal am Ende noch platzen. Also durfte Zidan gehen. Und recht schnell fand er in gewohnter Umgebung wieder zu seiner Form.

Helmes: Kreuzbandriss beim Freizeitkick

In den ersten sechs Spielen traf er sechsmal und brach damit zwei Bundesligarekorde. Als erstes machte er den Rekord für Winterneuzugänge zunichte, der bei drei Toren in den ersten drei Spielen lag. Und später den von Fredi Bobic, der fünf Tore in den ersten fünf Spielen schoss.

Mit insgesamt sieben Toren in zehn Partien ist er für die Mainzer in dieser Saison der lange vermisste Knipser. Die Umstellung von Meisterschaft auf Abstiegskampf ist ihm nicht schwer gefallen.

Genau wie bei Zidan war es auch bei Patrick Helmes ein Kreuzbandriss, der die Karriere nach seiner ersten Saison für Bayer Leverkusen abrupt ins Stocken gerieten ließ. Besonders schlimm war, dass er sich die Verletzung bei einem gemütlichen Kick mit Freunden zuzog. 21 Saisontreffer hatte er davor erzielt, war der neue Hoffnungsträger bei Bayer.

Magath schiebt Helmes ab

Der Verein reagierte geschockt auf die Nachricht und verpflichtete Eren Derdiyok als Ersatz. Der Schweizer erwies sich als Glücksgriff und sorgte dafür, dass Helmes auf der Bank Platz nehmen musste. Sichtlich unzufrieden mit seiner Reservistenrolle beschloss er im Winter 2011 einen Neuanfang zu wagen und wechselte zum VfL Wolfsburg, der allerdings tief im Abstiegskampf steckte. In einer total verunsicherten Mannschaft bekam er es in vier Monaten gleich mit drei Trainern zu tun.

Als zum Ende der Saison Felix Magath auf der Trainerbank Platz nahm, begann die wohl schwierigste Phase seiner bisherigen Karriere. Ohne seine Mithilfe sicherte Wolfsburg den Klassenerhalt. Seine Leidenszeit war damit aber nicht beendet, es wurde nur noch schlimmer.

Am 17. November musste er erstmals den Gang in die zweite Mannschaft antreten, Regionalliga Nord. Die Mannschaft sei spielerisch nicht so weit, dass ein Strafraumstürmer wie Helmes angemessen eingesetzt werden könne, so Magath. "So kann uns Patrick nicht helfen, deshalb muss er erstmal zu den Amateuren."

Helmes kündigte seine Wohnung

Im Winter standen die Zeichen dann endgültig auf Abschied. Wäre ein entsprechendes Angebot gekommen, hätte er den Verein verlassen können. Ein möglicher Wechsel zur Eintracht nach Frankfurt kam aus finanziellen Gründen nicht zustande. Helmes saß auf gepackten Koffern und wartete auf sein Ende in Wolfsburg.

Aber als keiner mehr damit rechnete, tauchte Helmes plötzlich wieder bei den Profis auf. Kurioserweise hatte er seine Wohnung schon gekündigt und musste nach seiner Wiederberufung im Hotel nächtigen.

"Seine Stärken sind der Torabschluss und die Chancenverwertung.", begründete Magath, der den Wirbel um das Thema nicht verstehen konnte. Helmes war plötzlich wieder mittendrin.

Helmes-Zukunft unsicher

"Ich bin froh, der Trainer denkt sich was dabei, wenn er so etwas macht", kommentierte er süffisant seine Rückkehr. Mit mittlerweile sieben Toren in der Rückrunde hat er großen Anteil daran, dass die Fans in Wolfsburg noch immer vom Europapokal träumen dürfen.

Ob Helmes auch nächste Saison im Trikot der Wölfe aufspielt, steht noch nicht fest. Er hat nicht vergessen, was er alles durchmachen musste. Und wer weiß, vielleicht packt er im Juni sogar die Koffer und macht sich mit Joachim Löws Reisegruppe auf den Weg nach Polen...

Mainz - Wolfsburg: Die ewige Bilanz

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