Endlich wieder im Rampenlicht

Von Markus Matjeschk
Freitag, 23.03.2012 | 17:17 Uhr
Fühlt sich in Mainz pudelwohl: Mohamed Zidan weiß wieder, wo das Tor steht
© Getty
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Im Winter kehrte Mohamed Zidan von Borussia Dortmund nach Mainz zurück, um zum dritten Mal das Trikot des FSV zu tragen. Seither trifft der 30-Jährige wieder. Einen Rekord von Fredi Bobic hat er bereits übertroffen. Dabei sah das vor wenigen Monaten noch ganz anders aus.

"Du kannst dir jetzt 'ne Woche Urlaub nehmen", scherzt ein bestens aufgelegter Jürgen Klopp und grinst dabei diebisch in die Kamera. Ein kleiner Flachs, doch gänzlich ohne Hintergedanken ist der fromme Wunsch nicht.

Klopps Adressat ist gerade im "Sportstudio" zu Gast und freut sich sichtlich über die Videobotschaft seines ehemaligen Trainers, der für ihn doch so viel mehr ist als nur ein Trainer. Gleich dreimal kreuzten sich die Wege der beiden in der Bundesliga. Für Mohamed Zidan ist Jürgen Klopp der sportliche Ziehvater. Zidan und Klopp - das funktionierte immer.

Im nächsten Spiel allerdings, so witzelte der BVB-Coach damals im "Sportstudio", wäre es doch besser, wenn Zidan mal nicht treffen würde, schließlich geht es für "Mo" mit Mainz gegen Klopps Borussia.

Historisches Comeback in Mainz

Knapp vier Wochen ist Klopps virtueller Gruß jetzt her. Der BVB gewann das Duell gegen Mainz am Ende mit 2:1. Ein hart erkämpfter Heimsieg, auch weil Zidan sich wieder in die Torschützenliste eintrug und es dem Meister damit richtig schwer machte.

Zidans zweites Comeback in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt sorgt ligaweit für Aufsehen. Nach seiner Rückkehr trifft er in jedem der ersten sechs Rückrundenspiele und stellt damit den bisherigen Rekord von Fredi Bobic (1994 beim VfB Stuttgart, 5 Tore in Folge) in den Schatten.

Die dritte Amtszeit als Torjäger Nummer eins und Mainzer Frontmann: Für Mohamed Zidan gerät die Heimkehr zu den Nullfünfern zu einer einzigen Erfolgsgeschichte. Dabei gab es vor der erneuten Verpflichtung nicht wenige, die an der Rückholaktion Zweifel äußerten.

Eingesperrt mit Thomas Tuchel

Nach seinem Kreuzbandriss im Frühjahr 2010 fand Zidan beim BVB nie mehr wirklich zu seiner Form, geschweige denn in den Stammkader zurück. Zunächst war Lucas Barrios im Sturmzentrum gesetzt, drei Monate nach Zidans schwerer Knieverletzung verpflichtete Dortmund mit Robert Lewandowski zudem einen weiteren Top-Stürmer.

Zidan kam über seine Reservistenrolle nicht mehr hinaus - und entschied sich deshalb für einen Abschied von den Schwarzgelben. Mit im Gepäck hatte der Angreifer allerdings das eine oder andere Fragezeichen: Werde er sein Niveau aus früheren Jahren je wieder erreichen?

Und wie kommt er mit Neu-Coach Thomas Tuchel klar? Mainz-Manager Christian Heidel greift zu einer ungewöhnlichen Maßnahme. Kurz nach der Verpflichtung schließt er Zidan kurzerhand mit dem Trainer zum Kennenlernen in ein Zimmer ein.

Über das Ergebnis staunt selbst Heidel nicht schlecht: "Als ich zurückkam, hat Zidan glaube ich neben dem Sofa gesessen vor Lachen, und Thomas hat sich vor Lachen auf die Oberschenkel geklopft. Da hatte ich schon den Eindruck, dass die Chemie zwischen den beiden stimmt."

Nicht immer war Zidans Verhältnis zu seinem Coach derart gut. In seiner Zeit in Hamburg trifft er auf Huub Stevens. Ein Trainer der alten Schule, der mit den Eigenarten des Ägypters so gar nichts anfangen kann.

Armani, Geld und schnelle Autos

In seiner Biografie "Huub Stevens" schreibt der Niederländer später: "Mohamed Zidan war gerade aus seiner Heimat Ägypten zurückgekehrt. Im Umkleideraum zeigte er allen eine Armani-Tasche, in der rund 200.000 Euro waren. Diesen Betrag hatte er nach dem Sieg der Afrika-Meisterschaft in bar aus seinem Vaterland mitgebracht. Er redete tagein, tagaus nur über den Kauf von exklusiven Sportwagen, schönen Häusern, teuren Uhren und herrlichem Schmuck. Wie können Spieler, die so lässig mit Geld umgehen, wissen, wie man mit seinen Mitspielern umzugehen hat oder wie man sich im Training hundertprozentig einsetzt?"

Zidans Vorliebe für Prunk und Protz ist hinlänglich bekannt. Erst kürzlich gab Manager Heidel zum Besten, es könne schon einmal vorkommen, dass Zidan zum Shoppen in die Stadt gehe, um dann mit einem neuen Auto zurück zu kommen.

In Mainz nimmt man den bisweilen extravaganten Lebensstil des "Wunschspielers" (Tuchel) eher mit einem Zwinkern zur Kenntnis. Man kennt Zidan eben, schon vor dessen drittem Engagement war man sich dieser Facette bewusst.

Zidan: "Auf Rausgehen und Partys steh' ich nicht mehr"

"Wir wollten einen Spieler, der sich auch darüber definiert, ins Rampenlicht zu wollen; der sich der Verantwortung stellt; der auch die Hauptrolle spielen möchte", begründet Tuchel im Nachhinein den Transfer. Solange Zidan trifft, hat er alle Argumente auf seiner Seite.

Privat hat sich beim Ägypter jedoch einiges verändert, dort stehen seine Frau und sein einjähriger Sohn Adam im Mittelpunkt. "Auf Rausgehen und Partys steh' ich nicht mehr. Nach dem Training geht's direkt heim. Bei der Familie sein, ist für mich heute das Schönste. Verantwortung macht erwachsen", sagt er der "Bild".

Eben diese Verantwortung soll Zidan, der mit seinen 30 Jahren im Mainzer Kader zu den Routiniers gehört, gepaart mit seiner Erfahrung einbringen, um den Klassenerhalt zu sichern.

Zidans Vertrag in Mainz ist zunächst bis Sommer 2012 befristet, zusätzlich einigten sich Verein und Spieler im Winter auf eine Option bis 2014.

Wo er sich in fünf Jahren sehe, fragt "Sportstudio"-Moderator Sven Voss vor dem Ende der Sendung noch. Lange überlegen muss Zidan nicht: "Ich denke, ich werde meine Karriere in der Bundesliga beenden - am liebsten bei Mainz 05."

Mohamed Zidan im Porträt

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