Freiburg-Kapitän Cedric Makiadi im Porträt

"Wie eine liebgewonnene Gewohnheit"

Von Manuel Herter
Freitag, 30.03.2012 | 11:28 Uhr
Erzielte in dieser Saison bereits fünf Tore: Cedric Makiadi
© Getty
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Mit 22 Jahren war Cedric Makiadi bereits ganz oben in der Bundesliga angekommen - Shootingstar beim VfL Wolfsburg, dann ausgemustert und trotzdem Torschützenkönig. Heute ist er Kapitän beim SC Freiburg und als Führungsspieler im jungen Team von Trainer Christian Streich unverzichtbar. Am Samstag trifft er zum nächsten Schlüsselspiel im Abstiegskampf mit dem Sport-Club auf den 1. FC Nürnberg (15.15 Uhr im LIVE-TICKER).

Der VfL Wolfsburg liegt am 34. Spieltag gegen den 1. FC Kaiserslautern zur Pause mit 0:1 in Rückstand und ist zu diesem Zeitpunkt abgestiegen. Halil Altintop hat die Gäste in Führung gebracht.

Lautern muss gewinnen, Wolfsburg reicht ein Punkt, um nicht zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte abzusteigen. In der 63. Spielminute taucht plötzlich ein 22-Jähriger im Strafraum auf, der erst zur Halbzeit ins Spiel kam und erzielt das 1:1. Es ist sein erstes Bundesligator überhaupt. Nur drei Minuten später bereitet der Torschütze zum Ausgleich auch noch den Siegtreffer durch Diego Klimowicz vor.

Freiburg - Nürnberg: Die voraussichtlichen Aufstellungen

Cedric Makiadi Maputa war damals 22, verließ das Stadion an diesem Tag als Held und verhinderte den Abstieg sowie ein Debakel für Fans, Verein und einen Auto-Konzern. Drei Jahre später werden die Niedersachsen zum ersten Mal deutscher Meister sein - allerdings ohne Makiadi

"Wie eine liebgewonnene Gewohnheit"

Nachdem er die Wölfe am letzten Spieltag 2006 vor dem Abstieg bewahrte, schafft er im Folgejahr zwar den Sprung zur Stammkraft, wird eine Saison später allerdings in die zweite Mannschaft abgeschoben. 2008 muss Makiadi die Wölfe ganz verlassen. Über den MSV Duisburg landet er schließlich beim SC Freiburg.

Im Breisgau ist er inzwischen unverzichtbar, seit der Winterpause sogar Kapitän und damit Kopf der Mannschaft. Zuletzt glänzte der 28-Jährige auch als Torschütze. "Er ist die Konstante, die dem SC den Weg durch die Saison weist, er ist wie eine liebgewonnene Gewohnheit", heißt es auf der Homepage des SCF voller Respekt.

"Ich habe keine Schuhe"

Nicht immer genoss Makiadi derart hohes Ansehen. Er hat einen langen Weg hinter sich. Im Alter von acht Jahren verließ er zusammen mit seiner Mutter seinen Geburtsort Kinshasa, die Hauptstadt der Demokratischen Republik Kongo. "Meine Mutter wollte, dass ich in Europa groß werde, weil sie mir die beste Ausbildung garantieren wollte", sagte Makiadi, der in einer Asylbewerberkolonie in Lübeck groß wurde.

Dort entdeckte ihn ein Jugendtrainer des Post SV Lübeck und wollte den Straßenfußballer zum Fußball spielen in seinen Verein locken. Zunächst allerdings scheiterte das Vorhaben - weil Makiadi ablehnte. Der Grund: Er besaß keine Schuhe. Erst als ihm der Verein ein Paar schenkte, konnte die Karriere beginnen.

Über die Stationen SV Lübeck, Eichholzer SV, VfB Lübeck gelangte Makiadi 2002 zum VfL Wolfsburg. Die Talentspäher der Niedersachsen waren auf den technisch versierten und zielstrebigen jungen Mann aufmerksam geworden. Der VfL erwies sich allerdings trotz der Last-Minute-Rettung 2006 als eine Nummer zu groß für Makiadi.

Neue Heimat Duisburg

Und so entschied er sich im Juli 2008 einen Schritt zurück zu machen, der letztlich für ihn ein Schritt nach vorne wurde und ließ sich ausleihen. Beim damaligen Zweitligisten MSV Duisburg setzte ihn Coach Peter Neururer in seinem 4-3-3 meist auf dem rechten Flügel ein, was Makiadi gefiel.

"In diesem System muss ich sowohl für die Offensive als auch für die Defensive arbeiten, das liegt mir ganz gut." Am Ende der Saison hatte er acht Treffer vorbereitet und sich mit 16 Toren gemeinsam mit Benjamin Auer und Marek Mintal die Torjägerkanone gesichert.

Von der Ruhr an die Dreisam

In Wolfsburg hatte man das freilich mitbekommen, doch Makiadi selbst hatte kein Interesse daran, zum VfL zurückzukehren. Stattdessen ging es für 900.000 Euro nach Freiburg. Der SC war gerade in die Bundesliga aufgestiegen und Makiadi deshalb die perfekte Verstärkung.

"Wir sind nicht nur von den fußballerischen Fähigkeiten Makiadis überzeugt, sondern denken auch, dass er aufgrund seines Charakters in unser Team passt. Mit 25 Jahren verfügt er bereits über beachtliche Erfahrung im Profifußball und hat zugleich noch Entwicklungspotenzial", lobte Freiburgs Sportdirektor Dirk Dufner den Neuzugang.

Zum Musterprofi und Leitwolf

Der Start allerdings verlief alles andere als nach Wunsch. Makiadi tat sich schwer, im Breisgau Fuß zu fassen. Als Stammkraft durfte er sich zunächst nicht fühlen. Freiburgs damaliger Coach Robin Dutt setzte ihn mal als Sechser ein, mal als Rechtsverteidiger. Nirgends überzeugte Makiadi so richtig.

Doch er biss sich durch, legte Sonderschichten ein und wartete auf neue Chancen - die er schließlich auch nutzte. Zunächst bei Dutt und anschließend bei Marcus Sorg. Aus der Elf von dessen Nachfolger Christian Streich ist Makiadi inzwischen nicht mehr wegzudenken.

Der spielende Arbeiter

Er ist ein "spielender Arbeiter", erklärte Dutt einst. Einer, der "den Laden zusammenhält". Als Verbindungsspieler zwischen Defensive und Offensive ist er für den SC mittlerweile enorm wertvoll - und auch abseits des Platzes ein echter Musterprofi. Er gilt als bescheiden, freundlich und fair. Die jungen Spieler schauen zu ihm auf. Beim Training ist er meist einer der ersten, der kommt und einer der letzten, der geht.

"So, wie er auf dem Platz auftritt, so ist er auch außerhalb. Mit welcher Einstellung und mit welchem Eifer er dabei ist, das ist vorbildhaft", lobt ihn Streich.

Mittlerweile ergreift Makiadi in der Kabine auch regelmäßig das Wort, geht vorneweg und motiviert. "Es ist schon so, dass ich mehr Verantwortung übernommen habe", sagt er fast beiläufig. Aus dem Jungwolf von damals, ist inzwischen ein echter Leitwolf geworden.

Cedric Makiadi im Steckbrief

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