Kapitän verlängert beim BVB

Sebastian Kehl: Der Arschtrittabwehrer

Von Jochen Tittmar
Freitag, 24.02.2012 | 09:20 Uhr
Sebastian Kehl wäre vor seinem Transfer zum BVB beinahe zum FC Bayern München gewechselt
© Imago
Advertisement
International Champions Cup
Di13:35
Der Härtetest für den FC Bayern München
Premier League Asia Trophy
SaLive
Leicester -
Liverpool
Premier League
SaLive
St. Petersburg -
Kasan
Club Friendlies
SaLive
SC Freiburg -
Feyenoord
Premier League
Sa18:30
Schachtjor Donezk -
Dynamo Kiew
Super Liga
Sa19:00
Partizan -
Macva
Super Cup
Sa20:30
Anderlecht -
Zulte Waregem
Serie A
Sa21:00
Vitoria -
Chapecoense
International Champions Cup
So00:05
Barcelona -
Juventus
International Champions Cup
So02:05
PSG -
Tottenham
CSL
So13:35
Shanghai Shenhua -
Beijing Guoan
Superliga
So18:00
Midtjylland -
Silkeborg
Super Liga
So19:00
Roter Stern -
Radnicki
Serie A
So21:00
Fluminense -
Corinthians
International Champions Cup
So23:05
Real Madrid -
Man United
Serie A
Mo00:00
Atletico Mineiro -
Vasco Da Gama
International Champions Cup
Mo14:05
Inter Mailand -
Lyon
International Champions Cup
Di13:35
Chelsea -
FC Bayern München
Club Friendlies
Di19:00
Hannover 96 -
Wolfsberger AC
Copa Sudamericana
Mi00:15
Chapecoense -
Defensa y Justicia
International Champions Cup
Mi02:05
Tottenham -
AS Rom
International Champions Cup
Do01:30
Barcelona -
Man United
Copa do Brasil
Do02:45
Cruzeiro -
Palmeiras
International Champions Cup
Do03:05
PSG -
Juventus
International Champions Cup
Do05:35
Man City -
Real Madrid
International Champions Cup
Do13:35
FC Bayern München -
Inter Mailand
Copa Sudamericana
Fr00:15
Arsenal -
Sport Recife
Copa do Brasil
Fr02:45
Paranaense -
Gremio
First Division A
Fr20:30
Antwerpen -
Anderlecht
J1 League
Sa12:00
Gamba Osaka -
Cerezo Osaka
J1 League
Sa12:00
Kobe -
Omiya
International Champions Cup
Sa13:35
Chelsea -
Inter Mailand
Emirates Cup
Sa15:00
Leipzig -
Sevilla
Club Friendlies
Sa15:30
SV Werder Bremen -
West Ham
Emirates Cup
Sa17:20
Arsenal -
Benfica
First Division A
Sa18:00
Lokeren -
Brügge
Serie A
So00:00
Palmeiras -
Avai
International Champions Cup
So00:05
Man City -
Tottenham
International Champions Cup
So02:05
Real Madrid -
Barcelona
CSL
So13:35
Shandong Luneng -
Shanghai SIPG
First Division A
So14:30
Mechelen -
Lüttich
Emirates Cup
So15:00
Leipzig -
Benfica
Emirates Cup
So17:20
Arsenal -
Sevilla
First Division A
So18:00
St. Truiden -
Gent
Superliga
So18:00
Brondby -
Lyngby
Serie A
So21:00
Corinthians -
Flamengo
International Champions Cup
So22:05
AS Rom -
Juventus
Club Friendlies
So22:30
Bayer Leverkusen -
Lazio Rom
Serie A
Mo00:00
Gremio -
Santos
Premier League
Mo18:30
Spartak Moskau -
Krasnodar
Club Friendlies
Mi19:00
Villarreal -
Real Saragossa
Copa Sudamericana
Do00:15
LDU Quito -
Club Bolívar
First Division A
Fr20:30
Lüttich -
Genk
Championship
Fr20:45
Sunderland -
Derby

In den vergangenen sechs Jahren spielte das Schicksal Dortmunds Sebastian Kehl übel mit. Der von dutzenden Verletzungen geplagte Kapitän der Borussia riss sich jedoch jedes Mal zusammen und kam zurück - um dann den nächsten Rückschlag zu erleiden. Seit dieser Saison ist der 32-Jährige gesund und dankt es mit starken Leistungen, die der BVB nun mit einer Vertragsverlängerung honorierte.

Wenn die Jungspunde im Kader von Borussia Dortmund die "Playstation" anschmeißen, gefällt sich Kapitän Sebastian Kehl höchstens in der Rolle des Zuschauers. Mit den flinken Fingern der Jungs, die teilweise mehr als zehn Jahre nach ihm das Licht der Welt erblickten, kann der 32-Jährige nicht mithalten.

Kehls Stärken liegen im Bereich klassischer Sportarten, wie sich zuletzt beim Wintertrainingslager im spanischen La Manga zeigte. Beim Tischtennis mit Bundestrainer Jörg Roßkopf war Kehl der Beste im Team des Meisters und schaffte es sogar, einem der erfolgreichsten deutschen Spieler aller Zeiten ein paar Punkte abzunehmen.

Kehl: "Im Moment kann ich einfach glücklich sein"

Der Fußballer Kehl war zu dieser Zeit verletzt. Er kurierte einen Faserriss aus. Mittlerweile eine Lappalie für einen wie ihn. Um Kehl ernsthaft zu schocken, muss schon deutlich mehr passieren.

"Im Moment kann ich einfach glücklich sein und meinem Beruf nachgehen", sagte er kurz vor den Weihnachtsferien - trotz Verletzung.

Dass Aussprüche wie diese seit der Zeit nach der WM 2006 Seltenheit besaßen, ist eine oft erzählte Geschichte. Das unglaubliche Pech, das Kehl in den letzten sechs Jahren verfolgte, spottet jeder Beschreibung.

Arschtritte des Schicksals

Er werde sich zurückkämpfen, den Rückstand Stück für Stück aufzuholen versuchen, erzählte er jedes Mal fast wortgleich. Nur um körperlich halbwegs wiederhergestellt den nächsten Arschtritt des Schicksals über sich ergehen zu lassen. Eine Endlosschleife an Verletzungen, Reha-Maßnahmen, Arztbesuchen und Comebackversuchen.

Kehl gab nie auf. Er spulte jedes Programm zur Wiedergenesung ab, als ob er es zum ersten Mal absolvieren würde. Und musste immer wieder betonen, dass er an seine Rückkehr glaube, an eine Wendung zum Positiven.

"Es ist das Kreuz, das ich zu tragen habe. Es war immer eine Herausforderung, mich wieder heranzukämpfen. Mir macht es Spaß, den Leuten zu beweisen, dass ich noch nicht zum alten Eisen gehöre", erzählt der 31-malige Nationalspieler rückblickend.

Passt Kehl noch zum Fußball des BVB?

Und Kehl bewies es. Kehrte er nach einer Blessur zurück in die Mannschaft, fiel er nur selten ab und präsentierte sich erstaunlich zügig wieder auf der Höhe des Geschehens. Bis ihn eben die nächste Verletzung erneut zurückwarf.

Obwohl Kehl vor Beginn der aktuellen Spielzeit lediglich 60 von 170 möglichen Partien bestreiten konnte, hatte er teamintern den Status des Führungsspielers, des Wortführers und Kapitäns nie verloren.

Ob diese Eigenschaften aber ausreichen, um in der so jugendlichen Dortmunder Mannschaft dauerhaft einen Platz zu finden? Die Öffentlichkeit hatte Zweifel. Angebrachte Zweifel. Der unter Jürgen Klopp gepflegte Stil des mit physischer Extrembelastung gepaarten Hochgeschwindigkeitsfußballs ließ für einen instabilen Spieler wie Kehl keine günstige Prognose zu.

Kehl: "Wenn ich fit bin..."

Wenn man die Bewegungsabläufe eines Benders oder eines Sahins sieht, wie soll da der "alte" Kehl noch mithalten können, fragten sich viele nicht nur hinter vorgehaltener Hand.

Den Leidgeplagten schien das Gerede nicht wesentlich zu stören. Er war es ja auch gewohnt, aufhalten konnte er es sowieso nicht.

"Wenn ich fit bin, stand ich in der Vergangenheit immer auf dem Platz." Auch einer jener Sätze, die man häufig von ihm vernahm. Und sich wunderte, ob Kehl denn die Zeichen der Zeit nicht erkennen will.

Kehl gesund und Stammspieler

Nun, im Februar 2012, fast sechs Jahre nach dem fatalen Zweikampf mit Hasan Salihamidzicam ersten Bundesligaspieltag nach der WM 2006, hat Sebastian Kehl seinen Vertrag beim BVB abermals verlängert.

Kehl gehört noch nicht zum alten Eisen. Er hat seine fußballerischen Qualitäten ein weiteres Mal in die Gegenwart retten können. Er ist fit. Über einen längeren Zeitraum. In dieser Saison stand er schon öfter auf dem Platz als in den vergangenen beiden Spielzeiten zusammen.

Nicht erst aufgrund seiner irren Krankenakte spielt Kehl derzeit einen bemerkenswert guten Park. Er darf sich Stammspieler nennen. Der 19-jährige Moritz Leitner sowie Ilkay Gündogan (21), zum Start der Spielzeit im Ranking der defensiven Mittelfeldspieler noch deutlich vor Kehl positioniert, müssen sich hinter dem ehemaligen Dauerpatienten anstellen.

Kehl kann man "sehr gut gebrauchen"

Der interpretiert seine Rolle mit all seiner Erfahrung und Ruhe. Kehl koordiniert das Defensivspiel und die Rollenverteilung im Mittelfeld. Er findet die ideale Balance zwischen aggressiver Zweikampfführung im Spiel gegen den Ball und offensiven Vorstößen - und erstaunt durch sein Laufpensum, das sich von dem seiner Mitspieler nicht unterscheidet.

"Ich genieße es, den Rhythmus der Mannschaft mitmachen zu können. Ich fühle mich gerade sehr stabil und voller Kraft. Ich muss mich nicht übermäßig behandeln lassen, habe keine Extratermine mit Reha-Trainern oder irgendwelchen Ärzten. Endlich konnte ich mal wieder kontinuierlich zeigen, dass man mich auch weiterhin sehr gut gebrauchen kann", sagt Kehl in derselben Tonlage, die er auch als Verletzter anschlug.

Die aktuellen Darbietungen im Maschinenraum des BVB-Spiels unterstreichen sein im Krankenstand gezeigtes Selbstbewusstsein: Er ist fit, also spielt er auch.

Neuer Vertrag, zwölfte Saison beim BVB

Kehl hat es geschafft. Der "absolute Leader", wie ihn Klopp nennt, hat ausgezeichnete Chancen, dass der Dortmunder Höhenflug nun auch endlich einmal seine Unterschrift trägt.

Kehl ist jedoch nicht erst aufgrund seiner Vergangenheit geläutert genug um zu wissen, dass es jederzeit zu einem weiteren Rückschlag kommen kann - die Bandbreite an Verletzungen ist für Fußballprofis kolossal. Es bleibt ihm nichts anderes übrig, als den Moment zu genießen. Und genau das tut er auch.

"Alles, was um ihn herum passiert, tut ihm gut. Und er tut uns gut", sagt der Trainer. Ab dem Sommer auch in seiner zwölften Saison bei den Westfalen.

Sebastian Kehl im Steckbrief

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung