"Es ist mein Schicksal"

SID
Freitag, 13.01.2012 | 12:04 Uhr
Christian Lell wechselte 2010 von Rekordmeister Bayern München zu Hertha BSC
© Getty
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Christian Lell von Hertha BSC war für die breite Öffentlichkeit ein teils von Skandalen und Geschichten abseits des Fußballs bekannter Profi. Im dapd-Interview spricht der Rechtsverteidiger über sein Image, die Stadt Berlin und die große Chance, mit Hertha ins Pokalfinale einzuziehen.

Frage: Christian Lell, wer Ihren Namen in Google sucht, stößt schnell auf Berichte in der Yellow Press. Haben Sie Dinge in der Vergangenheit falsch eingeschätzt?

Christian Lell: Ja, mag sein. Es heißt aber nicht, dass es leichter wird, wenn man Entwicklungen früher erkennt. Ich musste dies für mich erst kategorisieren und einschätzen lernen. Letztlich gehört das zu einem Menschen, dass man sich wünscht, dass die Umwelt nicht schlecht über einen denkt. Aber irgendwann kommt der Punkt, wo man die Dinge anders sieht: Wenn sich die Menschen ein Bild über mich machen anhand von Presseberichten, dann sind sie mir eh egal. Irgendwann hörst du auf, der Welt zeigen zu wollen, dass du eigentlich ja ganz anders bist.

Frage: Sie haben lange gegen Ihr Image angekämpft. Welches Image haben Sie denn?

Lell: Lange kein gutes. Journalisten müssen Geschichten machen, Auflagen erzielen. Sie wollen die Menschen dazu bringen, den Bericht zu lesen oder zu sehen. Und wie schaffen sie das? Die Schlagzeile muss stimmen. Selbst wenn im eigentlichen Bericht Dinge dann erklärt oder relativiert werden, ist es die Schlagzeile, die haften bleibt. Und bei mir waren einige Schlagzeilen eben nicht besonders positiv.

Frage: Sie betreiben eine eigene Stiftung, mit der Sie Geld für Kinder sammeln, die an Mukoviszidose leiden, so wie Ihre Schwester. Hausieren gehen Sie damit nicht. Dabei hätte dies aus Image-Gründen durchaus Vorteile.

Lell: Ich muss nicht hausieren gehen oder beweisen, dass ich anders bin. Diese Stiftung ist eine private Sache, das ist eine Herzensangelegenheit.

Frage: Freut es Sie daher, jetzt bei Hertha BSC nur noch sportliche Schlagzeilen zu schreiben?

Lell: Natürlich freue ich mich darüber, wenn meine Arbeit auf dem Platz anerkannt wird. Aber ich hänge das nicht zu hoch, das ist vielleicht inzwischen auch der Schlüssel zum Erfolg.

Frage: Sie waren einer der wenigen Spieler, die sich zum Streit zwischen Markus Babbel und dem Verein geäußert haben. Warum?

Lell: Ich hatte das Gefühl, dass das der Mannschaft nicht gut getan hat, zudem hatten wir zwei wichtige Spiele vor der Brust. Außerdem habe ich auch persönlich gespürt, dass es nicht mehr viel bringt. Also schadet es dem Team und damit auch mir. Und dann äußere ich auch meine Meinung.

Frage: Sie stehen kurz davor, ihren Vertrag vorzeitig und langfristig um vier Jahre zu verlängern. Sind Sie in Berlin endlich angekommen?

Lell: Ich nehme, wie es kommt. Als ich vor acht Jahren bei den Bayern-Amateuren war und ab und an schon bei den Profis mitspielen durfte, dachte ich: Hier bleibst du lange! Es kam das Angebot aus Köln, und dann kommt es so, wie ich bin: Ich nehme die Situation an, mache mir Gedanken und entscheide. In Berlin fühle ich mich einfach sehr wohl, und wir haben unsere sportlichen Ziele bisher erreicht.

Frage: München, Köln, jetzt Berlin. Ein Großstadtmensch?

Lell: Ich weiß ja erst jetzt, was eine Großstadt ist (lacht). München ist eine wundervolle Stadt, toll zum Leben, ich bin dort aufgewachsen. Köln war auch eine wunderbare Erfahrung, aber auch das ist keine Großstadt im Vergleich zu Berlin. Meine Familie und ich fühlen uns sehr wohl in Berlin, was natürlich auch damit zu tun hat, dass es sportlich läuft.

Frage: Sie haben seit einigen Tagen unter dem neuen Trainer Michael Skibbe trainiert. Können Sie jetzt schon sagen, ob es passt?

Lell: Was passt, was passt nicht? Es passt natürlich, wenn wir sportlich weiter erfolgreich sind. Und es wird nicht passen, wenn es nicht so gut läuft.

Frage: Das klingt alles sehr pragmatisch.

Lell: Aber so ist es doch. Ich bin absolut zufrieden mit Michael Skibbe, und da spreche ich für die gesamte Mannschaft. Es macht unheimlich viel Spaß. Am Ende des Tages steht der Erfolg über allem. Ich wünsche mir sehr, dass wir diesen Erfolg weiterhin haben, und bin auch davon überzeugt. Da gibt es keine Zweifel.

Frage: Für einen Großteil der Berliner Fans wäre das Erreichen des Pokal-Endspiels wohl wichtiger als die Platzierung in der Tabelle, wenn es kein Abstiegsplatz wird. Ist das in der Mannschaft ähnlich?

Lell: Der Traum vom Finale im eigenen Stadion ist da, auch bei uns. Einen Titel zu erreichen, wäre sensationell. Für uns ist es diese Saison eher unrealistisch, die Meisterschaft zu gewinnen (schmunzelt), aber das Finale ist realistisch. Ja, ich würde sagen: Ich wäre lieber Pokalsieger als auf dem siebten Platz zu landen.

Frage: In der Hinrunde war Hertha oft gleichwertig, hat aber dennoch viele Punkte liegen gelassen. Ist das eine Frage der Qualität oder Erfahrung?

Lell: Ich bin froh, dass wir fast immer gleichwertig waren und Chancen hatten, die Spiele zu gewinnen. Wir haben Dortmund und Stuttgart geschlagen, Leverkusen am Rande einer Niederlage. Für mich ein Indiz dafür, dass es nicht an Qualität mangelt.

Christian Lell im Steckbrief

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