Die Krisenklubs des Rückrundenstarts

Von SPOX
Montag, 30.01.2012 | 21:57 Uhr
Ryan Babel und die TSG Hoffenheim holten aus den ersten beiden Rückrundenpartien nur einen Punkt
© Getty
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Der Rückrundenstart in der Bundesliga sorgte bei einigen Vereinen für kollektives Entsetzen. Welche Probleme haben Hoffenheim, Stuttgart und Co. und wie könnemn sie gelöst werden? Besserung ist nicht bei jedem Klub in Sicht.

1899 Hoffernheim

(Platz 8, 23 Punkte, nächste Gegner: Augsburg H, Bremen A, Mainz H)

Vom Zauberfußball vergangener Tage ist man in Hoffenheim weit entfernt. Nach passablem Saisonstart rutscht 1899 immer weiter ab. Nur ein Sieg aus den letzten neun Spielen spricht Bände.

Diese trostlose Serie schlägt auch Trainer Holger Stanislawski aufs Gemüt. In einer Frustrede vor dem BVB-Spiel ließ er Dampf ab: "2012 soll ja das Jahr des Weltuntergangs sein. Dieses Gefühl hat man hier manchmal auch. Das geht mir auf den Geist." Die überhöhte Erwartungshaltung der Journalisten und der Fans deckt sich nicht mit den tatsächlichen Leistungen. Hoffenheim befinde sich im Umbruch, wird immer wieder betont. Allerdings muss man aufpassen, dass dieser Umbruch die TSG nicht in den Abstiegsstrudel zieht.

Die Auftritte zum Rückrundenstart in Dortmund und gegen Hannover 96 zeigen deutlich, was bei Hoffenheim fehlt: Ideen in der Offensive und Torgefahr. Nur 20 erzielte Treffer sind der viertschlechteste Wert in der Bundesliga. Passend zur Lage ist, dass man den bisherigen Topstürmer Vedad Ibisevic (fünf Tore) nach Stuttgart verkaufte. Bis zum Saisonende soll jetzt Srdjan Lakic aushelfen.

Im Grunde hat Hoffenheim genügend Spieler mit ausreichend Klasse. Starke, Beck, Salihovic oder Rudy. Und allen voran: Ryan Babel. Mit dem Niederländer steht und fällt das Spiel der TSG. Findet er zu seiner starken Form zurück, die er zu Saisonbeginn zeigte, wird es wieder aufwärts gehen.

Das nächste Spiel gegen Augsburg ist absolut richtungsweisend.

VfB Stuttgart

(Platz 10, 22 Punkte, nächste Spiele: Leverkusen A, Hertha H, Hannover A)

Die Zahlen sind einigermaßen erschreckend: Fünf der letzten sechs Spiele hat der VfB verloren, dabei 4:13 Tore "erzielt". Aus den letzten zehn Spielen wurden unterirdische sechs Punkte geholt. Vier Zähler sind es nur noch bis Relegationsplatz 16. Der Trend ist alarmierend, das scheinen die Protagonisten nach dem ernüchternden Rückrundenstart immerhin von ganz allein festgestellt zu haben.

Trotzdem fehlt es der Mannschaft seit Monaten an einem klaren Konzept. Bruno Labbadias Überlegungen sind zwar auf dem Papier nachvollziehbar, in der Form und mit dieser Mannschaft aber nicht umzusetzen. Der Zug nach oben ist nicht nur gemessen am Tabellenstand längst abgefahren.

Es ist die Art und Weise der Spielführung, die noch größere Sorgen machen sollte als die schlechte Punktausbeute. Das letzte gute Spiel liegt ein Vierteljahr zurück, es war das 1:1 gegen Borussia Dortmund. Seitdem macht die Mannschaft gefühlt jede Woche einen weiteren Rückschritt, vom Elan der ersten Saisonspiele ist nichts mehr übrig.

Dass die Fans die Mannschaft nach dem Gladbach-Spiel mit Applaus verabschiedeten, ist ein tolles Zeichen der Zusammengehörigkeit. Es hieß an diesem Abend aber auch: Da war ein Gegner zu Gast, der eine Klasse besser war und der Mannschaft unterm Strich keine Chance ließ und sich nicht grämen sollte.

Ein Gegner allerdings, der das VfB-Understatement "Wir wissen, wo wir herkommen" ad absurdum führt und wie eine leere Phrase erscheinen lässt. Schließlich war Gladbach in der letzten Saison noch schlechter platziert als der VfB.

Besonders auffällig: Ein Spieler wie William Kvist, der die Mannschaft in den ersten Spielen enorm mitgezogen und ihr Halt gegeben hat, geht derzeit mit unter. Der Däne sucht seine Form und der Rest des Teams ist nicht intakt genug, um dem Mitspieler auch mal durch eine schwächere Phase der Saison durchzuhelfen.

Aufsichtsratschef Dieter Hundt hatte unter der Woche zum ersten Mal Druck auf Trainer Labbadia ausgeübt, das Potenzial der Mannschaft zumindest im Dunstkreis der internationalen Plätze gesehen. Die Diskussionen um die (stagnierende) Weiterentwicklung der Mannschaft werden jetzt erst so richtig Fahrt aufnehmen - es sei denn, das Team bekommt ganz schnell die Kurve und fängt an zu punkten.

Angesichts der kommenden Gegner - in Leverkusen gab es in den letzten Jahren kaum etwas zu holen, Hertha ist so etwas wie ein Angstgegner und Hannover zu Hause ungemein stark - erscheint das momentan aber eher unrealistisch. Dazu ist von der obligatorisch starken Rückrunde bisher weit und breit nichts zu sehen. Die Situation ist nicht zu unterschätzen...

1. FC Köln

(Platz 14, 21 Punkte, nächste Gegner: Kaiserslautern A, Hamburg H, Nürnberg A)

In der Domstadt geht die Angst um. Nach drei Niederlagen in Folge trennen die Geißböcke lediglich drei Punkte vom Relegationsplatz.

Den Fehler, die aktuelle Situation zu unterschätzen, macht man aber nicht. "Die Tabelle lügt nicht", weiß Trainer Stale Solbakken und fügt an: "Wir stehen mit den Teams hinter uns im Abstiegskampf. Ich hatte in der Hinrunde schon ein Finale gegen Lautern - jetzt stehe ich wieder vor einem Endspiel!"

In besagtem Endspiel gegen den FCK und den nächsten vier Wochen muss Solbakken zu allem Überfluss den Ausfall von Lukas Podolski kompensieren. Die Verletzung des Haltebandes im linken Fuß, wegen der das FC-Idol große Teile der Vorbereitung verpasst hatte, brach gegen Schalke wieder auf.

Entsprechend fiel Solbakkens Fazit am Sonntag aus: "Nun stehen wir ohne Podolski für lange Zeit und ohne Punkte da. Das ist kein schöner Sonntag. Jetzt müssen andere zeigen, dass wir auch ohne Podolski Tore schießen können."

Chong Tese soll helfen. Der Bochumer wurde kurz vor Ende der Wechselfrist an den Rhein geholt. "Er passt genau in das Anforderungsprofil, das wir gesucht haben. Der Spieler ist enorm kopfballstark und hat einen guten Torinstikt. Wir sind froh, dass wir uns über den Transfer von Chong Tese mit dem VfL Bochum verständigen konnten", gab Sportdirektor Volker Finke auf der FC-Homepage zur Kenntnis.

Der 27-jährige Nordkoreaner brachte es im Bundesliga-Unterhaus in anderthalb Jahren auf 15 Treffer. Ob er den entscheidenden Ausschlag im Abstiegskampf geben kann, bleibt jedoch abzuwarten.

Doch nicht nur im Angriff hat Köln nun ein veritables Problem, auch in der Defensive zwickt es gewaltig. Der FC stellt nach Freiburg (42), mit 40 Gegentoren die zweitgrößte Schießbude der Liga.

Hertha BSC

(Platz 15, 20 Punkte, nächste Gegner: Hannover H, Stuttgart A, Dortmund H)

Nur vier Punkte aus den letzten acht Spielen. So ernüchternd liest sich die Bilanz der Hertha. Doch eine anstehende Trendwende ist bei Weitem nicht in Sicht. Im Gegenteil.

Zum Rückrundenstart setzte es gegen die direkte Konkurrenz aus Nürnberg und Hamburg zwei empfindliche Niederlagen. Besonders auffallend war dabei die fehlende Kreativität im Offensivspiel. Die Lücke, die durch die Drei-Spiele-Sperre von Spielmacher Raffael aufgerissen wurde, konnte nicht gefüllt werden.

Weder seinem Bruder Ronny, noch Änis Ben-Hatira oder Tonay Torun gelang es, den Ausfall des Brasilianers zu kompensieren. Dementsprechend rotierte Trainer Michael Skibbe munter durch. Wer Raffael gegen Hannover ersetzen wird, ist offen.

Ein weiteres Problem ist die Personalie Adrian Ramos. Der Kolumbianer war in den vergangenen zwei Spielzeiten Herthas Torgarant. Seine einstige Torgefahr ist ihm jedoch abhanden gekommen oder besser gesagt, genommen worden.

Seit der 26-Jährige die linke Außenbahn beackert, haben Ramos-Tore in Berlin Seltenheit. Das Problem: Sein Sturmpartner Pierre-Michelle Lasogga ist ein reiner Mittelstürmer, der nur für die Zentrale geeignet ist. Da Ramos in der Nationalmannschaft Kolumbiens des Öfteren links spielt, zog man ihn nach außen.

Auch in der Defensive funktioniert nicht alles. Durch die Sprunggelenksverletzung von Kapitän Andre Mijatovic bildeten Reservist Christoph Janker und Roman Hubnik die Innenverteidigung. Dass die beiden nicht eingespielt waren, war offensichtlich.

Skibbe sind die Schwächen seiner Mannschaft nicht entgangen. Er warnt eindringlich davor, die aktuelle Situation auf die leichte Schulter zu nehmen: "Die Situation ist brenzlig. Man merkt im Verein und in der ganzen Stadt, dass niemand Bock hat auf ein Deja-vu von vor zwei Jahren." 2010 stieg die Hertha mit 24 Punkten sang- und klanglos ab.

Auf weitere Neuzugängen braucht der 46-Jährige aber nicht zu hoffen. "Wenn sich niemand mehr verletzt, werden wir nicht mehr aktiv", sagte Manager Michael Preetz der "Berliner Morgenpost". Damit bleibt der vom SC Freiburg gekommene Felix Bastians der einzige Neuzugang. Dieser spielt jedoch auf einer Position, auf der man mit Lewan Kobiashvilli eine der wenigen Konstanten des Hertha-Spiels findet.

FC Augsburg

(Platz 17, 16 Punkte, nächste Gegner: Hoffenheim A, Nürnberg H, Leverkusen A)

Nach dem blamablen Auftritt in Freiburg zeigte die Mannschaft beim 2:2 gegen Kaiserslautern in Teilgebieten aufsteigende Form, die Gegentore waren aber auch deshalb so ärgerlich, weil sie erneut nach Standards des Gegners gefallen sind.

Die Form der letzten, guten Hinrundenspiele ist noch nicht wieder da, Trainer Jos Luhukay wird schnell daran arbeiten müssen, dass die nötige Konzentration über die kompletten 90 Minuten wieder hochgehalten wird.

Denn die fünf verlorenen Punkte aus den beiden ersten Rückrundenspielen sind unwiderruflich weg. Aus den Sechs-Punkte-Spielen gegen die Konkurrenz aus Freiburg und Lautern holte der FCA nur einen - was natürlich viel zu wenig ist im Kampf gegen den Abstieg.

Die Heimschwäche bleibt ein veritables Problem, die fehlende Kaltschnäuzigkeit im Torabschluss ebenfalls. Die Probleme sind nicht neu, der FCA hat es bis zum 19. Spieltag aber nicht geschafft, sie abzustellen.

"Solche Fehler darf man sich auf diesem Niveau nicht leisten", sagte Luhukay nach dem Spiel am Wochenende.

Aber immerhin blieb gegen den FCK der ganz große Niederschlag aus. "Hätten wir tatsächlich verloren, hätten wir wohl einen Knacks bekommen", so Luhukay.

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