Konkurrenzkampf bei Bayern neu entfacht

Neues Gewand, mehr Druck

Von Von der Säbener Straße berichtet Fatih Demireli
Freitag, 27.01.2012 | 18:59 Uhr
Der FC Bayern gewann das Hinrundenspiel gegen Wolfsburg mit 1:0
© Getty
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Der FC Bayern München ist Tabellenführer der Bundesliga. Die Gefühlslage nach dem 1:3 gegen Borussia Mönchengladbach war eine andere und auch Jupp Heynckes findet der Situation entsprechend deutliche Worte. Gegen den VfL Wolfsburg (15.15 Uhr im LIVE-TICKER und bei Sky) fordert der Bayern-Trainer eine neue Gangart. Ansonsten drohen Konsequenzen.

Jupp Heynckes ist wahrlich kein Freund von Social Networks, also von Facebook. Und noch weniger von Twitter, spätestens seitdem sich Breno in 140 Zeichen den Frust von der Seele zwitscherte.

"Die Spieler wissen, dass sie das einschränken müssen. Es geht auch nicht, dass man vor einem Spiel Fotos macht oder machen lässt - wie Timoschtschuk - und ins Netz stellt. Das sind Kinkerlitzchen, das ist unprofessionell", sagt der Trainer des FC Bayern bei der "Bild".

Und auch wenn er die Facebook-Aktion des FC Bayern, die die eigenen Fans extrem verärgerte und sogar eine offizielle Entschuldigung nach sich zog, in "Zeitpunkt und in Formulierung etwas unglücklich" fand, hat die ungeliebte Internetspielerei dem Bayern-Trainer doch etwas geholfen.

"Gefühl: Tabellenmittelfeld"

Denn zumindest für einen Tag wurde nicht von der Bayern-Krise (!) berichtet, die sich nach dem 1:3 zum Bundesliga-Auftakt bei Borussia Mönchengladbach - künstlich-dramatisch - aufgebauscht hat.

"Man hat das Gefühl, dass wir im Tabellenmittelfeld rumhängen", sagte Heynckes am Freitag bei der Pressekonferenz. "Das ist aber beim FC Bayern so." Sichtlich gut gelaunt präsentierte sich der 66-Jährige, wohlwissend, dass seine Mannschaft "in dieser Woche eine Schippe draufgelegt hat".

Drastisch fiel die Kritik nach der Gladbach-Pleite aus, teilweise berechtigt und sie kam sogar aus den eigenen Reihen. "Unser Spiel ist brutal auf Ballbesitz ausgerichtet. Das hilft nicht immer, wenn man 0:1 hinten liegt, und sich der Gegner komplett in die eigene Hälfte zurückzieht", sagte Mario Gomez.

Eine angebrachte Taktik-Kritik, denn gerade gegen die schwierig zu bespielenden Gegner hat der FC Bayern in dieser Saison Plan B vermissen lassen. Dortmund, Hannover, Gladbach und Co.: jedes Mal blieb der FC Bayern an der Treue zu Schema F hängen und fabrizierte Punktverluste.

"Grundlegendes ändern"

Jupp Heynckes hat eine Begründung parat: "Der FC Bayern hat in der gesamten Historie, aber vor allem in den letzten Jahren nur den Angriffsmodus eingestellt. So etwas zu ändern und zu modifizieren und das zeitgemäß aufs Feld zu bringen, funktioniert - wie in der Hinrunde. Aber meine Aufgabe ist es, zu insistieren, dass es weiter funktioniert und da liegt viel Arbeit vor mir."

Was aber die Bringschuld der Mannschaft nicht ausschließt, denn Heynckes nimmt seine Profis in die Pflicht: "Ich habe der Mannschaft gesagt, dass ich sie bis Ende Mai in einem anderen Gewand sehen möchte. Daran muss sie sich messen lassen", sagt Heynckes und fügt an: "Wir müssen Grundlegendes ändern."

Mehr Konzentration, mehr Aufmerksamkeit und das Minimieren der Fehler - so lauten die Forderungen des Trainers: "Die Mannschaft muss lernen und verstehen, dass es nicht genügt, überragende Fähigkeiten zu haben. Jeder muss bereit sein, wieder über die Schmerzgrenze hinwegzugehen."

Denn sonst droht dem einen oder anderen Profi die Bank - gegen den VfL Wolfsburg kehrt Franck Ribery zurück, der in Mönchengladbach noch gesperrt war. Durch ihn erhofft sich Heynckes mehr "Angriffspotenzial", wegen Ribery muss aber ein vermeintlicher Stammspieler auf die Bank ausweichen.

Kroos neben Schweinsteiger

"Die Spieler müssen im Training gute Leistungen bringen, um aufgestellt zu werden. Ich werde keine Konzessionen machen", sagte Heynckes schon während der Woche. Erwischen wird es am Samstag Anatolij Timoschtschuk, da Toni Kroos den Platz neben Bastian Schweinsteiger bekommt.

Nicht auszuschließen ist, dass die Elf - unabhängig vom Ergebnis gegen Wolfsburg - in Hamburg aber schon wieder anders aussieht, um eventuell mit Timoschtschuk im schweren Auswärtsspiel wieder etwas Kompaktheit zu bekommen. Auch wenn Heynckes seinen Kader - wie zu Saisonbeginn häufig betont - quantitativ etwas dünn findet, ist der Konkurrenzkampf neu entfacht.

Die Message des Trainers und auch des Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge, der im Bayern-Magazin "fehlende Leidenschaft, Biss, Aggressivität und Willen" anprangerte und eine "sofortige Reaktion" einforderte, ist angekommen.

"Von Wolfsburg angetan"

"Wir sind hellwach", sagt Schweinsteiger. Auch Holger Badstuber sagt: "Wir müssen gewinnen und zeigen, dass das in Gladbach nur ein Ausrutscher war." Heynckes glaubt an die Wende: "Auch die Niederlage in der Hinrunde hat uns nicht aus der Bahn geworfen. Wir können eine gute Rückrunde spielen."

Den kommenden Gegner nimmt der Bayern-Coach aber nicht auf die leichte Schulter. Beobachtet hat er die neue Wolfsburger Mannschaft wie gewohnt auf DVD: 'Wolfsburg hat mıt den neuen Spıelern mehr Potenzial und mehr Klasse. Ich war sehr angetan vom Auftritt Wolfsburgs in Köln."

Die Kritik an Magath, für die vielen Neueinkäufe im Winter, kann Heynckes nicht verstehen: "Felix hat vor zweieinhalb Jahren gezeigt, dass es geht. Sie sind Meister geworden - vor dem FC Bayern." Und da ist noch eine Sache, die Heynckes an Magath gefällt: Der letzte Facebook-Eintrag des Wolfsburg-Trainers liegt zwei Monate zurück...

FC Bayern: Termine, Spielplan, Kader

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