Borussia Mönchengladbach nach dem Beben

Risse in der heilen Welt

Von Stefan Rommel
Donnerstag, 05.01.2012 | 21:19 Uhr
Was nun? Borussia Mönchengladbachs Macher Max Eberl und Lucien Favre
© Imago
Advertisement
International Champions Cup
Di13:35
Der Härtetest für den FC Bayern München
Premier League Asia Trophy
SaLive
Leicester -
Liverpool
Premier League
SaLive
St. Petersburg -
Kasan
Club Friendlies
Sa17:00
SC Freiburg -
Feyenoord
Premier League
Sa18:30
Schachtjor Donezk -
Dynamo Kiew
Super Liga
Sa19:00
Partizan -
Macva
Super Cup
Sa20:30
Anderlecht -
Zulte Waregem
Serie A
Sa21:00
Vitoria -
Chapecoense
International Champions Cup
So00:05
Barcelona -
Juventus
International Champions Cup
So02:05
PSG -
Tottenham
CSL
So13:35
Shanghai Shenhua -
Beijing Guoan
Superliga
So18:00
Midtjylland -
Silkeborg
Super Liga
So19:00
Roter Stern -
Radnicki
Serie A
So21:00
Fluminense -
Corinthians
International Champions Cup
So23:05
Real Madrid -
Man United
Serie A
Mo00:00
Atletico Mineiro -
Vasco Da Gama
International Champions Cup
Mo14:05
Inter Mailand -
Lyon
International Champions Cup
Di13:35
Chelsea -
FC Bayern München
Club Friendlies
Di19:00
Hannover 96 -
Wolfsberger AC
Copa Sudamericana
Mi00:15
Chapecoense -
Defensa y Justicia
International Champions Cup
Mi02:05
Tottenham -
AS Rom
International Champions Cup
Do01:30
Barcelona -
Man United
Copa do Brasil
Do02:45
Cruzeiro -
Palmeiras
International Champions Cup
Do03:05
PSG -
Juventus
International Champions Cup
Do05:35
Man City -
Real Madrid
International Champions Cup
Do13:35
FC Bayern München -
Inter Mailand
Copa Sudamericana
Fr00:15
Arsenal -
Sport Recife
Copa do Brasil
Fr02:45
Paranaense -
Gremio
First Division A
Fr20:30
Antwerpen -
Anderlecht
J1 League
Sa12:00
Gamba Osaka -
Cerezo Osaka
J1 League
Sa12:00
Kobe -
Omiya
International Champions Cup
Sa13:35
Chelsea -
Inter Mailand
Emirates Cup
Sa15:00
Leipzig -
Sevilla
Club Friendlies
Sa15:30
SV Werder Bremen -
West Ham
Emirates Cup
Sa17:20
Arsenal -
Benfica
First Division A
Sa18:00
Lokeren -
Brügge
Serie A
So00:00
Palmeiras -
Avai
International Champions Cup
So00:05
Man City -
Tottenham
International Champions Cup
So02:05
Real Madrid -
Barcelona
CSL
So13:35
Shandong Luneng -
Shanghai SIPG
First Division A
So14:30
Mechelen -
Lüttich
Emirates Cup
So15:00
Leipzig -
Benfica
Emirates Cup
So17:20
Arsenal -
Sevilla
First Division A
So18:00
St. Truiden -
Gent
Superliga
So18:00
Brondby -
Lyngby
Serie A
So21:00
Corinthians -
Flamengo
International Champions Cup
So22:05
AS Rom -
Juventus
Club Friendlies
So22:30
Bayer Leverkusen -
Lazio Rom
Serie A
Mo00:00
Gremio -
Santos
Premier League
Mo18:30
Spartak Moskau -
Krasnodar
Club Friendlies
Mi19:00
Villarreal -
Real Saragossa
Copa Sudamericana
Do00:15
LDU Quito -
Club Bolívar
First Division A
Fr20:30
Lüttich -
Genk
Championship
Fr20:45
Sunderland -
Derby

Marco Reus und Roman Neustädter sind im Sommer weg - stört das jetzt den Frieden bei Borussia Mönchengladbach? Lucien Favre ist enttäuscht und fühlt sich vielleicht auch an seine Zeit bei Hertha BSC erinnert. Sportdirektor Max Eberl geht auf Kuschelkurs zum Trainer und will kräftig investieren. Es bleiben aber noch mehr Risiken.

Lucien Favre wollte sich gar nicht lange verstellen, nach einigen salbungsvollen Sätzen wich die Diplomatie und der Schweizer ließ seinem Ärger freien Lauf. In der für ihn ruhigen Art zwar, aber doch betont.

"Ich kann kein Geheimnis aus meiner Enttäuschung machen. Es wird schwer, vielleicht sogar unmöglich, die beiden Spieler zu ersetzen." Die beiden Spieler sind Marco Reus und Roman Neustädter, die dem Trainer binnen weniger Stunden ihre Abkehr von Borussia Mönchengladbach zur kommenden Saison gestanden hatten.

"Marco Reus und Roman Neustädter haben mir am Dienstag vor dem Training mitgeteilt, dass sie den Verein im Sommer verlassen - ich finde das sehr ärgerlich!", sagte Favre.

Die ersten Rückschläge für Favre

Für den 54-Jährigen lief es bis jetzt in seiner Zeit in Mönchengladbach geradezu sensationell, ohne jegliche Rückschläge formte Favre aus einem sicheren Absteiger einen ambitionierten Klub, dessen Mannschaft sogar mit der Qualifikation zur Champions League liebäugelt.

Die heile Welt hat zwei tiefe Risse erlitten, die nicht nur Borussias weiteren Saisonverlauf in Frage stellen, sondern für Favre zu einem düsteren Deja-vu werden könnten. Im Sommer gab es kleine Reibereien zwischen dem Trainer und seinem Sportdirektor Max Eberl, weil sich Favre nicht so üppig auf dem Transfermarkt bedienen durfte, wie er sich das vorgestellt hatte.

Cigerci als Neustädter-Ersatz

Unter anderem mündete die eingeschränkte Handlungsfähigkeit in der Verpflichtung des Japaners Yuki Otsu. Der hatte im Probetraining eigentlich nicht so überzeugt wie sich Favre das vorgestellt hatte, wurde aber mangels preisgünstiger Alternativen dennoch verpflichtet. In der Vorrunde kam Otsu dann lediglich zu zwei Kurzeinsätzen.

Der ebenfalls für den vergangenen Sommer eingeplanten Tolga Cigerci kommt jetzt auf Leihbasis plus Kaufoption vom VfL Wolfsburg. "Er hat das gewisse Etwas", sagt Favre über den 19-Jährigen, "wir werden sehen, ob er in der Bundesliga Fuß fassen kann."

Der Deal wurde wenige Tage vor Neustädters Ankündigung perfekt gemacht, im Nachhinein wohl, um für den Fall vorbereitet zu sein, dass Neustädter tatsächlich seinen Abschied ankündigt - und um Favre endlich seinen Wunschspieler zu präsentieren.

Neustädter so wichtig wie Reus

Denn so allgegenwärtig Reus auch in der Vorrunde war und sich in den Fokus der öffentlichen Wahrnehmung gespielt hat - so wichtig ist ein sachlich-nüchterner Spieler wie Neustädter für Favres Idee vom Spiel.

"Er ist eine sehr wichtige Größe in unserem System", sagte Eberl noch vor wenigen Wochen im Gespräch mit SPOX. Insofern dürfte dem Schweizer dessen Weggang im Sommer mindestens genauso weh tun wie der von Reus.

Ballsicher, pass- und spielstark organisiert Neustädter das Gladbacher Spiel. Von den beiden Sechsern ist er derjenige, der sich für die Spieleröffnung verantwortlich zeichnet, während Kollege Harvard Nordtveit eher den defensiveren Part einnimmt.

Parallelen zur Hertha-Zeit

Favres Mannschaft ist seit dessen Amtsübernahme auf einer wundersamen Mission, ähnlich wie es Hertha BSC mit dem Schweizer eine Saison lang war. Erst am letzten Spieltag vor zweieinhalb Jahren verschenkte Berlin damals die Teilnahme an der Champions League, danach ging es rapide bergab.

Vor allen Dingen auch deshalb, weil die Millionen aus der Königsklasse fehlten, um Leistungsträger wie Marko Pantelic, Andrej Woronin und Joe Simunic zu halten und Manager Dieter Hoeneß einen strikten Sparkurs verordnete.

Die Spieler, die sich Favre doch zukaufen durfte, entpuppten sich fast ausnahmslos als nicht geeignet. Das Kapitel Favre in der Hauptstadt war dann nach sechs Niederlagen aus den ersten sieben Spielen auch schnell beendet.

Was macht die Borussia mit dem Geld?

Auch deshalb ist es jetzt so spannend zu sehen, wie die Borussia auf die anstehenden Verluste auf dem Transfermarkt reagieren wird: Ob weiterhin vorsichtig und zurückhaltend oder doch mit einem gewissen Risiko behaftet?

17,5 Millionen wird der Verkauf von Reus bringen, so viel wie noch kein Spieler in der Geschichte des Klubs. Mit jedem Länderspiel, das Reus als Spieler von Borussia Dortmund bestreiten wird, fließt offenbar noch zusätzliches Geld.

"Wir werden versuchen, Marco Reus mit viel Geld zu ersetzen und den Kader damit zu unterfüttern, um nachhaltig in den Regionen zu spielen, die wir uns vorstellen", sagte Eberl am Donnerstag.

Namen kursieren schon vage, Patrick Ebert etwa, Favres Schützling aus Hertha-Zeiten. Selbst eine Rückholaktion von Marko Marin können sich eine kühne Optimisten vorstellen.

"Jede Entscheidung, auch eine negative, bietet eine neue Chance. Wir müssen weiter unseren Weg gehen und vielleicht irgendwann dahin kommen, dass wir mit Vereinen wie Borussia Dortmund oder Bayern München konkurrieren können."

"Die Mannschaft bricht nicht auseinander!"

Das klingt ein wenig wie das Pfeifen im Walde, um den enttäuschten Trainer schnell wieder einigermaßen ins Gleichgewicht zu bringen. Immerhin, und damit dürfte Eberl auch Recht haben, sagte er: "Die Mannschaft bricht nicht auseinander, nur weil ein Spieler den Verein verlässt!"

Trotzdem wiegen die Ereignisse des vergangenen Mittwochs schwer. Die Euphorie am Borussia-Park schien zuletzt grenzenlos, der Mannschaft wurde ein Platz unter den ersten Vier durchaus zugetraut, so stabil und in sich gefestigt wie sie sich bisher präsentiert hatte.

Arango die nächste Baustelle

Das Binnenklima war bisher ein ganz entscheidender Pluspunkt, dass die Mitspieler professionell mit den neuen Gegebenheiten umgehen werden, ist anzunehmen - auch wenn ein Spieler wie Juan Arango, dessen Vertrag im Juni ausläuft, sich sicherlich Gedanken machen wird. Schließlich hängt dessen überraschende Leistungssteigerung unmittelbar mit Reus' Spiel zusammen.

Vielmehr dürfte vielen Fans der Abgang von Neustädter quer im Magen liegen. Anders als Reus ist der kein Publikumsliebling, er geht nicht zum amtierenden deutschen Meister, verbessert sich sportlich also auf dem Papier kaum. Der Verdacht liegt nahe, dass er die Borussia auch des Geldes wegen verlässt.

"Wir wollten mit ihm verlängern, weil er sich zu einem wichtigen Spieler entwickelt hat", erklärte Eberl, "mit dem Angebot, das wir ihm gemacht haben, hätte sich sein Gehalt vervielfacht. Aber er hat uns mitgeteilt, dass er es nicht annehmen wird."

Schnell sind dann diejenigen zur Stelle, die einen Spieler wie Neustädter, mit weniger Lobby versehen als andere, in einer schlechteren Phase zum Sündenbock machen.

Wie schon in der finsteren Phase des Abstiegskampfs sind Trainer und Sportdirektor jetzt wieder auch als Psychologen gefragt, bereits im Trainingslager in Belek wollen die beiden etwaigen Strömungen gegensteuern.

Das ist Borussia Mönchengladbach

 

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung