Bayern-Präsident Uli Hoeneß im Interview - Teil 2

Uli Hoeneß: "Wir sind am Hort der Glückseligkeit"

Von Interivew: Fatih Demireli
Donnerstag, 29.12.2011 | 17:08 Uhr
Uli Hoeneß auf dem Münchner Oktoberfest mit seiner Frau Susanne
© Getty
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Im ersten Teil des SPOX-Interviews anlässlich seines 60. Geburtstags am 5. Januar sprach Uli Hoeneß über sein Lebenswerk, Arbeitsethos und seine Vorliebe für die Streitkultur. Im zweiten Teil spricht der Präsident des FC Bayern München über Lebensfreude, Kartenspielen am Tegernsee, Burnout im Fußball und seine berufliche Zukunft.

SPOX: Herr Hoeneß, gibt es in Ihrem Leben noch das ganz große Ziel oder den ganz großen Wunsch?

Hoeneß: Vielleicht klingt das langweilig, aber es soll uns nicht schlechter gehen als heute. Ich muss nicht nach Hawaii oder auf die Malediven. In München auf den See schauen, ist auch schön. Wir Deutschen müssen jeden Tag drei Kerzen anzünden. Schauen Sie sich die hohe Jugend-Arbeitslosigkeit in Spanien oder England an. Wir sind im Hort der Glückseligkeit.

SPOX: Schauen Sie denn öfter genussvoll zu Hause auf den Tegernsee?

Hoeneß: Ich habe zum ersten Mal nach dem Champions-League-Finale 2001 eine Zigarre geraucht. Heutezutage ist es für mich das allerhöchste Glücksgefühl, eine Zigarre zu rauchen. Ich rauche nicht jede Woche eine, aber wenn Jens Jeremies und Manni Schwabl zum Schafkopfen kommen, wird eine geraucht. Ich habe gelernt, Zufriedenheit zu genießen.

SPOX: Überkommt Sie mit 60 Jahren das Gefühl, den Großteil des Lebens hinter sich gebracht zu haben und dass jetzt der Rest kommt?

Hoeneß: Dieses Gefühl habe ich nicht. Es überkommt mich, wenn jemand im nahen Umfeld schwer erkrankt oder stirbt. Diese Einschläge kommen häufiger als vor zehn Jahren, das ist klar, aber damit muss ich fertig werden.

SPOX: Haben Sie Vorsätze für das neue Jahr?

Hoeneß: Wie immer will ich fünf bis zehn Kilo abnehmen. Die beste Therapie für mich ist aber, stressfrei zu bleiben. Es muss alles passen: die Börsen, die Wurstfabrik, der FC Bayern.

SPOX: Beim FC Bayern passt ja auch sportlich einiges zusammen.

Hoeneß: Selten hat es ein Jahr gegeben, in dem wir so zufrieden sein konnten, wie jetzt. Es ist nicht nur der Zustand, dass wir Herbstmeister sind, sondern die wirtschaftliche Situation, die Ruhe im Verein. Es gibt keine großen Konflikte. Das Geheimnis ist: intern Ruhe haben. So kann man angreifen. So wie wir das vor allem in den Heimspielen getan haben. Ich denke an Hertha, Freiburg oder Hamburg - da war nach einer halben Stunde alles erledigt. Da sitze ich ganz anders auf der Tribüne, kann in der Pause auch mal einen Glühwein trinken oder einen Apfelstrudel essen.

SPOX: Ist es auf der Tribüne schöner als auf der Bank?

Hoeneß: Auf der Bank ist es intensiver. Das war pures Adrenalin, wenn man den Linienrichter beschimpfen konnte. Ich bin total entspannt da oben. Ich bin im Gegensatz zu Karl-Heinz Rummenigge wie ein Lamm.

SPOX: Aber nach einem Spiel lassen Sie gerne noch Dampf ab.

Hoeneß: Ja, ich habe ab und zu das Bedürfnis. Wie zum Beispiel in Hannover. Da habe ich gesagt: 'Ich gehe jetzt runter und hau' den Pinto an die Wand.' Nicht nur wegen unserem Spiel, sondern immer wenn ich Hannover gucke, ist eine Schauspielerei von Pinto dabei. Wir sprechen im Vorstand ab, wer was sagt.

SPOX: Sie sind nach wie vor ein gern gesehener Gesprächspartner für die Medien. Bereuen Sie manchmal Ihre Popularität?

Hoeneß: Ganz selten. Nur wenn ich nicht gut drauf bin und meine Ruhe haben will. Aber manchmal ist es schon Wahnsinn. Wenn ich früher aufs Oktoberfest gegangen bin, war ich zwölf Stunden draußen und habe einige Maß Bier getrunken. Heutzutage werde ich 500 Mal fotografiert, wenn ich aus einem Bierzelt komme. Da muss ich aufpassen, dass ich noch gerade laufe. Die neueste Krankheit ist, dass berühmte Menschen einfach fotografiert werden. Ich gehe ungern im Stadion in den VIP-Raum, weil ich es bescheuert finde, dass man sich vollfrisst und dann zu spät zum Spiel kommt. Wenn ich aber dann da stehe, habe ich 15 Minuten Fotosession.

Lesen Sie weiter: Hoeneß über Burnout im Fußball und seine berufliche Zukunft

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