Die zwei Gesichter des Sebastian Rudy

Von SPOX
Donnerstag, 08.12.2011 | 00:10 Uhr
Sebastian Rudy (M.): Erst Stammspieler, nun Bankdrücker
© Getty
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In Hoffenheim ist Sebastian Rudy von der Stammkraft zum Bankdrücker mutiert. Genauso ist es Stefan Reinartz in Leverkusen ergangen. In Bremen erhält wohl ein Aussortierter eine neue Chance. Und Cacau hat in Stuttgart scheinbar das Robben-Problem.

1899 Hoffenheim: Hört man sich bei Sebastian Rudys Ex-Klub VfB Stuttgart nach den Fähigkeiten des Mittelfeldspielers um, bekommt man in etwa das zu hören, was man auch bei Rudys aktuellem Klub über ihn erzählt: Der 21-Jährige sei ein hervorragender Fußballer mit einer enorm hohen Spielintelligenz und einer starken Technik, heißt es da. Aber auch: Rudy müsse seine Zurückhaltung ablegen und noch mehr aus sich heraus kommen. Die zwei Gesichter Rudys hat auch Coach Holger Stanislawski schon kennengelernt. Begeistert von den Fähigkeiten seines Schützlings war Rudy unter Stanislawski zunächst die klare Nummer eins im defensiven Mittelfeld. Inzwischen allerdings hat sich das gewandelt. Eine Verletzung brachte Rudy Anfang Oktober ein wenig aus dem Tritt. Andere nutzten die Chance und zogen an ihm vorbei, so dass Rudy zuletzt zweimal nur auf der Bank saß. Gegen Leverkusen sogar 90 Minuten lang. Stanislawski erhofft sich eine Reaktion von Rudy - und endlich keine Zurückhaltung mehr.

Werder Bremen: Er war einer der positiven Überraschungen der Bremer in dieser Saison. Doch mit seinem Brutalo-Foul gegen Toni Kroos hat Aaron Hunt sich erst mal aus der Mannschaft getreten. Drei Spiele ist der Mittelfeldspieler zum Zuschauen verdammt. Doch wer ersetzt ihn? Mehmet Ekici plagt sich weiter mit einer Bauchmuskelzerrung rum und läuft seiner Form aus Nürnberger Tagen hinterher.

Bleiben zwei, die in dieser Saison zeitweise gar nicht im Kader standen: Wesley und Florian Trinks. Der Brasilianer kam gegen die Bayern das erste Mal seit dem 3. Spieltag wieder zum Einsatz. Nach einer hartnäckigen Verletzung in der Vorsaison sucht er immer noch den Anschluss. Zudem werfen Schaaf und Allofs ihm mangelnde Selbstreflexion vor. Jetzt hätte er die Chance, sich zurück ins Team zu spielen. Sein Konkurrent Trinks gab sein Saisondebüt gegen den VfB Stuttgart. Auch für ihn lief es zu Saisonanfang nicht. Dabei wollte der 19-Jährige in dieser Saison den Durchbruch in der Bundesliga schaffen. Gegen Wolfsburg gibt es vielleicht die nächste Gelegenheit.

Bayer Leverkusen: So schnell kann es gehen. Vor Saisonbeginn war Stefan Reinartz die Nummer eins in Leverkusens Innenverteidigung. Nach dem Rücktritt von Sami Hyypiä sah man bei Bayer im 22-Jährigen den neuen Abwehrchef und entschied sich wegen seiner Qualitäten, mit Ömer Toprak einen Innenverteidiger mit Perspektive statt eines erfahrenen Mannes zu verpflichten. Der Toprak-Transfer war bislang ein guter Griff. Der Türke schaffte auf Anhieb den Sprung zur Stammkraft. Reinartz hingegen ist mittlerweile raus aus der ersten Elf und nicht mal mehr Innenverteidiger Nummer drei. Toprak und Manuel Friedrich haben derzeit die Nase vorn. Fehlt einer von beiden, setzt Robin Dutt lieber auf Daniel Schwaab. Reinartz war zuletzt eher eine Alternative fürs defensive Mittelfeld. Auch wenn er selbst erfahren hat, wie schnell es gehen kann: Reinartz' Perspektive ist momentan alles andere als rosig. Und zur neuen Saison kommt mit Philipp Wollscheid ein weiterer junger Innenverteidiger.

1. FC Kaiserslautern: Seit dem Abgang von Srdjan Lakic im Sommer trifft beim FCK niemand mehr regelmäßig das Tor. Itay Shechter hatte einen guten Saisonstart und ist mit drei Toren bester Knipser (!), inzwischen sitzt er aber überwiegend auf der Bank. Dorge Kouemaha ist die neue Nummer eins in vorderster Front, hat mit zwei Treffern aber noch recht wenig gezeigt. Ilian Micanski und Adam Nemec scheinen auch nicht die Lösung zu sein. Die Fans träumen davon, dass im Winter Lakic (auf Leihbasis) zurückgeholt wird, der beim VfL Wolfsburg keine Rolle spielt. Oder Patrick Helmes. Aber warum in die Ferne schauen, wenn das Glück vielleicht so nah ist? Mit Andrew Wooten tummelt sich im Regionalliga-Team ein Torjäger, der in 16 Spielen immerhin zehn Mal einnetzte. Klar, die Regionalliga West ist nicht die Bundesliga, aber immerhin scheint der 22-jährige Deutsch-Amerikaner zu wissen, wo das Tor steht. Viele Lautern-Anhänger würden es begrüßen, wenn Wooten zumindest mal eine Chance bekäme.

SC Freiburg: Jonathan Schmid ist einer derjenigen, die man vor dieser Saison überhaupt nicht auf dem Zettel hatte. Der 21-Jährige war Stammspieler in der zweiten Mannschaft und erzielte dort ab und an mal ein Tor. Marcus Sorg, ehemals Trainer beim SCF II, verfolgte Schmids Entwicklung allerdings genau und setzte ihn am 13. Spieltag erstmals auch in der Bundesliga ein. Es folgten zwei weitere Einsätze in der Startelf. Mit Schmid ist der SC bislang noch ungeschlagen. Sorg sagt über den Rechtsfuß: "Er hat seine Qualität in der Offensive." Dennoch kam Schmid gegen Hannover als Rechtsverteidiger zum Zug. Eine durchaus überraschende Maßnahme, schließlich hatte Freiburg für diese Position vor einiger Zeit erst Ex-Nationalspieler Andreas Hinkel verpflichtet. Der saß gegen 96 nun 90 Minuten auf der Bank. Sorg sprach zwar von einer Ausnahme, doch gleichzeitig bescheinigte er Schmid "ein richtig gutes Spiel". Die Partie dürfte auch in Österreich verfolgt worden sein. Denn: Schmid besitzt neben der französischen auch die österreichische Staatsbürgerschaft und der ÖFB hat bereits verkündet, ihn genau zu beobachten und gegebenenfalls zum Nationalspieler zu machen.

FSV Mainz 05: Mario Gavranovic kam zu Saisonbeginn als Leihgabe vom FC Schalke 04 und sollte Trainer Thomas Tuchel eigentlich eine weitere Alternative im Angriff der Mainzer bieten. Allerdings kam der Schweizer in einem schlechten Zustand zu den Rheinhessen. Die körperliche Verfassung, vor allem aber schlechte Trainingsleistungen sorgten für einen Rüffel von Trainer Thomas Tuchel und Manager Christian Heidel. Nun scheint sich die Kritik langsam auszuzahlen. Gavranovic zeigte sich zuletzt sehr engagiert und durfte gegen den VfL Wolfsburg das erste Mal seit dem 5. Spieltag wieder für ein paar Minuten ran. Geht es so weiter, winkt dem Angreifer demnächst vielleicht sogar sein Startelf-Debüt.

VfB Stuttgart: Abseits des Platzes ist Cacau ein höflicher, zuvorkommender und stets freundlicher Mensch. Auf dem Platz strahlte der Angreifer zuletzt dagegen nur wenig Freude aus. Cacau wirkt angefressen und teilweise sogar ein wenig frustriert. Bei seinen letzten sieben Einsätzen gelang ihm lediglich ein Treffer, insgesamt bringt er es in dieser Saison erst auf vier Tore. Seit Wochen wird er regelmäßig ausgewechselt, gegen Bremen saß er anfangs sogar nur auf der Bank. Bruno Labbadia war zuletzt nicht immer zufrieden mit den Auftritten seines Kapitäns. Der wiederum, so heißt es, fühle sich im 4-2-3-1-System als einzige Spitze nicht besonders wohl. Zudem berichten Beobachter, dass Cacau innerhalb der Mannschaft isoliert und deshalb zum Einzelgänger geworden sei. Zuletzt sollen einige Spieler Cacaus Eigensinnigkeit auf dem Platz kritisiert haben. Cacau selbst mag sich dazu öffentlich äußern - trotz seiner höflichen und freundlichen Art. Oder vielleicht auch gerade deshalb.

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