Fussball

Wer hat Angst vor den Super-Bayern?

Von SPOX
Sonntag, 13.11.2011 | 22:13 Uhr
FC Bayern vs. Dortmund: Kann der Meister den Rekordmeister am kommenden Samstag stoppen?
© Getty

Am 13. Spieltag treffen die ersten Vier der Bundesliga aufeinander - SPOX intensiviert deshalb die Berichterstattung über diese vier Teams. Zum Auftakt ein Überblick: Beim FC Bayern sind alle Statistiken überragend - außer vielleicht die Punktausbeute. Borussia Dortmund ist nicht viel schlechter als im Vorjahr, bei Borussia Mönchengladbach wächst was zusammen und Werder Bremen steht für seine Probleme eigentlich richtig gut da.

FC Bayern München (1., 28 Punkte) vs. ...

Überragend - oder nicht?

Meiste Tore (32), wenigste Gegentore (4), meiste Zu-Null-Spiele (9), meiste angekommene Pässe (88 Prozent), beste Zweikampfbilanz (54,2 Prozent), beste Flankengenauigkeit (28,2 Prozent zum Mitspieler), wenigste Schüsse aufs eigene Tor zugelassen (2,0 pro Spiel) - der FC Bayern ist in vielen Bundesliga-Kategorien das Maß aller Dinge.

Einzig die Punkteausbeute liegt mit 28 aus 12 Spielen knapp hinter der eigenen Bestmarke aus der Saison 2005/2006, in der man 31 Zähler schaffte - ebenso wie Dortmund in der Vorsaison. Die Herbstmeisterrekordmarke von 44 Punkten aus 17 Spielen in der 05/06-Saison kann der FCB indes nicht mehr erreichen.

Die Konkurrenz ist in dieser Saison allerdings auch nicht so schlecht: Verliert der FCB das Spitzenspiel gegen Dortmund, sind BVB und der Sieger aus Mönchengladbach vs. Bremen sogar auf zwei Punkte dran. Angesichts von zuletzt fünf Liga-Heimsiegen in Folge bei einem Torverhältnis von 24:0 Toren muss dem Rekordmeister davor aber nicht bange sein.

Das dicke Plus in dieser Saison ist vor allem die Effektivität in der ersten Halbzeit. Gefühlt macht der FCB aus den ersten drei Torchancen eines Spiels meist zwei Tore. Genauer weist die Statistik 14 Bayern-Treffer in der ersten halben Stunde auf, acht davon in der Anfangsviertelstunde - beides Top-Werte.

Einmal in Führung, sind die Münchner meist nicht zu stoppen. Nach 1:0-Führung hat der FCB jedenfalls bislang alle neun Spiele gewonnen. Dafür endeten beide Spiele, in denen Bayern 0:1 zurücklag (M'gladbach, Hannover), mit einer Niederlage.

Wenig Mut macht dem BVB auch die Bayern-Bilanz nach Länderspielen: gegen Wolfsburg (1:0), Freiburg (7:0) und Hertha BSC (4:0) gab's ausschließlich Zu-Null-Siege und Mario Gomez trifft zurzeit eh, wie er will (20 Tore in 18 Pflichtspielen).

Ottmar Hitzfeld lobte unlängst aus der Ferne: "Messi und Ronaldo sind Individualisten. Gomez ist mehr der Vollstrecker. Aber: Da hat er Weltniveau. In seiner Kategorie, also als Torjäger, braucht er keinen Vergleich zu scheuen."

Man muss jedoch kein großer Prophet sein, um zu erahnen, dass sich das Duell mit der Borussia wahrscheinlich am ehesten im defensiven Mittelfeld entscheiden wird. Dort machten die Münchner beim 1:3 gegen Dortmund im Februar die entscheidenden Fehler.

Nach Bastian Schweinsteigers Verletzung und Antaloij Tymoschtschuks Sperre werden wohl wieder David Alaba und Luiz Gustavo auflaufen - eine Kombination, die es so nur beim Spiel in Augsburg gab. Einstudieren können die beiden im Training nicht viel, beide sind mit ihren Nationalmannschaften unterwegs. Vielleicht die Chance für Dortmund...

...Borussia Dortmund (2., 23 Punkte)

Die Reife-Leistung

Manches muss man sich immer mal wieder vor Augen führen, um andere Dinge besser einordnen zu können. Darum, zur Erinnerung: Vor der letzten Saison hatte Dortmund niemand als Meisterschaftskandidat auf der Rechnung. Überhaupt niemand. Und dementsprechend war der Titelgewinn des BVB nichts anderes als eine riesige Sensation.

Angesichts dessen verwunderte es doch, dass die Borussia für viele Beobachter in den ersten Wochen dieser Saison eine Enttäuschung war.

Hat die Sensationsmeisterschaft den Blick auf die Realität derart getrübt? Hat der Gewinn der Schale viele vergessen lassen, dass die Klopp-Elf immer noch eine der jüngsten Mannschaften der Liga ist? Dass mit Nuri Sahin die prägende Figur der Vorsaison nicht mehr da war?

Dass mit Lucas Barrios der Top-Torjäger wegen Verletzung nicht zur Verfügung stand? Und dass die noch immer ziemlich unerfahrene Mannschaft nun neben dem Bundesliga-Alltag auch noch Champions-League-Abende zu meistern hatte? Offenbar.

Denn eigentlich ist das, was der BVB in dieser Saison trotz Sahin-Abgang, der Verletzung von Lucas Barrios und Dreifachbelastung bislang zeigt, überaus beachtlich - die Auswärtsauftritte in der Champions League mal ausgenommen.

Trotz einer Schwächephase mit nur vier Punkten aus fünf Spielen liegt man nur fünf Zähler hinter Tabellenführer Bayern München und wirkt bedeutend stabiler als die Konkurrenz aus Bremen, Gladbach oder Schalke.

Von Rückschlägen, sei es das bislang enttäuschende Abschneiden in der Königsklasse, die zwischenzeitlichen Formtiefs einiger Akteure (Shinji Kagawa, Kevin Großkreutz, Marcel Schmelzer) oder anhaltende Verletzungssorgen (Barrios, Neven Subotic, Schmelzer), lässt man sich kaum noch aus der Bahn werfen.

Stattdessen ist es gelungen, das eigene Spiel weiterzuentwickeln und mittlerweile auch ohne Sahin guten Fußball zu zeigen.

Mit Robert Lewandowski gibt es inzwischen eine (gleichwertige) Alternative zu Barrios, in Ivan Perisic einen hochkarätigen Joker und mit Moritz Leitner einen Youngster, der im Mittelfeld zur Dauerlösung werden könnte.

Der BVB ist in den letzten Monaten erheblich gereift. Eine riesige Sensation ist das freilich nicht, immer mal wieder sollte man sich das allerdings durchaus vor Augen führen.

Seite 2: Bärenstarke Borussen und Schein-Krise in Bremen

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