"Ralf Rangnick hat mich weiterentwickelt"

Von Interview: Daniel Börlein
Dienstag, 13.12.2011 | 10:52 Uhr
Bernhard Peters (l.) und Ralf Rangnick (r.) arbeiteten über vier Jahre gemeinsam in Hoffenheim
© Imago
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Der ehemalige Hockey-Bundestrainer Bernhard Peters ist seit 2006 Direktor für Sport- und Nachwuchsförderung bei 1899 Hoffenheim. Im Interview spricht der 51-Jährige über die bisherige Entwicklung des Vereins, Vorwürfe anderer Klubs, den Rücktritt von Ralf Rangnick, Jürgen Klinsmann und sein Verhältnis zum DFB.

SPOX: Herr Peters, Sie waren bis 2006 rund 20 Jahre lang Hockey-Trainer. Was ist Hockey für Sie heute, fünf Jahre nach Ihrem Rücktritt?

Bernhard Peters: Hockey bleibt immer der Ursprung und die Entwicklung meiner Trainertätigkeit im Sport. Es ist für mich nach wie vor eine unglaublich dynamische, interessante und innovative Sportart, mit der ich mich immer in meinem Leben verbunden fühlen werde.

SPOX: Sie sind 2006 vom Hockey in den Fußball gewechselt und haben dadurch einen intensiven Einblick in beide Sportarten. Worin unterscheiden und worin ähneln sich Hockey und Fußball?

Peters: Es gibt viele Gemeinsamkeiten, aber auch Grenzen. Es geht im Hockey sehr linear und eindeutig um die Entwicklung von Leistung. Es gibt eine gute Talentsichtung und -entwicklung. Es wird ohne Umschweife auf der inhaltlichen Ebene sehr gut gearbeitet. Im Fußball gibt es oft Störfeuer durch Eitelkeiten, besonders in den Medien. Andererseits kann Hockey in Sachen Marketing viel vom Fußball lernen. Ähnlichkeiten gibt es zwischen beiden Sportarten in der langfristigen Entwicklung von Spielern, im technischen, taktischen, athletischen oder mentalen Bereich.

SPOX: Waren diese Dinge auch ein Grund, warum Sie 2006 entschieden haben, in den Fußballbereich zu gehen?

Peters: Der Schritt war eine schon länger geplante berufliche Weiterentwicklung. Ich wollte diesen sehr Energie raubenden Job als Hockey-Bundestrainer vier bis sechs Jahre machen. Letztlich waren es sechs sehr erfolgreiche Jahre, nach denen ich mich einfach weiterentwickeln und in meinem Leben noch etwas anderes machen wollte.

SPOX: Seit Herbst 2006 sind Sie in Hoffenheim Direktor für Sport- und Nachwuchsförderung. Sind Sie zufrieden mit dem, was sich in den fünf Jahren in Hoffenheim entwickelt hat?

Peters: Die Idee, diesen Klub aus der dritten Liga mit aufzubauen, war sehr interessant. Ich bin dankbar, dort mitmachen zu können. Wir haben eine tolle Entwicklung genommen, sowohl leistungsmäßig als auch infrastrukturell. Es war bis jetzt eine intensive Zeit, mit bestimmt auch ein paar Tiefen. Es war bis jetzt aber auch sehr erfahrungsreich. Es gibt noch viel zu tun!

SPOX: Als Hockey-Bundestrainer haben Sie sich selbst ein zeitliches Limit von sechs Jahren gesetzt. Gibt es das nun auch?

Peters: Wir sind noch mitten auf dem Weg. Es gibt noch viele Entwicklungspotenziale. Wir sind ein junger Verein. Letztlich geht es darum, alle Parameter, die die Leistungen unserer Mannschaften oder sportlichen Mitarbeiter entwickeln können, zu optimieren. Das macht mir in diesem Umfeld sehr viel Spaß.

SPOX: Seit Sommer gibt es in Hoffenheim von der U 16 bis zur U 23 neue Trainer. Wie kam es zu dieser ungewöhnlich hohen Zahl an Trainerwechseln?

Peters: Es gab zwei Gründe. Wir haben unsere Trainer sehr intensiv gecoacht und sie dadurch weiterentwickelt, so dass sie für andere Vereine interessant wurden. Das ist dann der Lauf der Dinge. Wenn zum Beispiel ein U-17-Trainer, den wir sehr gerne behalten hätten, die Möglichkeit hat, in Freiburg die U 23 zu betreuen und in der Bundesliga-Mannschaft zweiter Co-Trainer zu werden, dann ist das einfach ein sehr guter Karriereschritt.

SPOX: Es gab allerdings auch Trainer, von denen sich der Verein getrennt hat.

Peters: Das ist der zweite Punkt. Wir haben auch bewusst Trainer gewechselt, um durch neue Ansprache noch mehr Zielorientiertheit, Mentalitätsentwicklung und Widerstandsfähigkeit in die Köpfe der Spieler zu bekommen.

SPOX: Ein Trainer, mit dem Sie in Hoffenheim über vier Jahre zusammengearbeitet haben, ist Ralf Rangnick. Wie sehr hat Sie sein Rücktritt als Schalke-Trainer vor zwei Monaten geschockt?

Peters: Mit der Konsequenz eines Rücktritts hatte ich nicht gerechnet. Ralf Rangnick war immer ein Trainer, der unglaublich intensiv an seinen Ideen gearbeitet hat. Ohne Punkt und Komma, ohne Pause. Ich denke, es war eine Folge, dass er irgendwann in einem Zustand der Energieleere angelangt war.

SPOX: Wie lange wird es dauern, bis er wieder zurückkehrt?

Peters: Er wird sicher in aller Ruhe alle seine Systeme wieder auftanken. Er ist ein hervorragender Trainer, mit dem ich sehr intensiv zusammengearbeitet habe und der mich auch weiterentwickelt hat. Unsere Zusammenarbeit war stets interessant, nicht immer frei von Spannungen, aber lehrreich.

SPOX: Als sehr gut darf man auch Ihr Verhältnis zu Jürgen Klinsmann bezeichnen. Wie bewerten Sie seinen neuen Job in den USA?

Peters: Das ist eine tolle Aufgabe für ihn. Erstmal muss er sich natürlich für die Weltmeisterschaft qualifizieren. Er hat schon einen Plan aufgestellt, um alle Dinge - vom Staff bis zur Leistungsentwicklung der Spieler - zu beachten. Er hat eine recht junge Mannschaft. Der muss er Ideen, Konzept und Selbstbewusstsein beibringen und die vorhandene Begeisterung in die richtigen Bahnen lenken.

SPOX: Warum hat er es nicht nochmals in Deutschland versucht?

Peters: Der Lebensmittelpunkt seiner Familie ist in den USA. Das hat jetzt für ihn optimal gepasst, er ist happy.

SPOX: Der Kontakt zum ehemaligen Bundestrainer ist sehr eng, wie ist es mit Klinsmanns Nachfolger Joachim Löw?

Peters: Ich habe auch zu Joachim Löw und seinen Mitstreitern eine gute informelle Verbindung. Es macht Spaß, sich mit ihnen auszutauschen. Hansi Flick wohnt ja quasi bei uns vor der Haustür, wir treffen uns regelmäßig. Mit Oliver Bierhoff tausche ich auch immer wieder Ideen aus. Wir profitieren voneinander.

SPOX: Das Verhältnis zum DFB ist sehr gut. Zuletzt gab es allerdings immer wieder Stimmen anderer Vereine, die Hoffenheim vorwarfen, Talente aggressiv abzuwerben. Was sagen Sie dazu?

Peters: Diese Aussagen werden nicht wahrer, dadurch dass man sie dauernd wiederholt. Wir überzeugen durch unser inhaltliches, ganzheitliches Konzept. Das gefällt den Spielern und ihren Eltern gut. Dadurch sind wir bei den Talenten sehr gefragt.

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