Keeper Kraft vor der Rückkehr nach München

Thomas Kraft, ole, ole...

Von Florian Bogner
Freitag, 14.10.2011 | 18:03 Uhr
Thomas Kraft hat sich bei Hertha BSC zur unumstrittenen Nummer eins gemacht
© Getty
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Mit Hertha BSC kehrt Thomas Kraft in die Allianz Arena zurück (Sa., 15.30 Uhr im LIVE-TICKER und bei Sky). Obwohl der Torwart den FC Bayern München aus freien Stücken verließ, wird er am Samstag eher nicht mit Pfiffen rechnen müssen.

Sepp Maiers in die Welt gesetzte Prognosen stehen allgemein nicht unbedingt unter Verdacht, irgendwann genau so einzutreffen. Dafür redet der ehemalige Weltklassekeeper einfach zu gerne und zu viel, wenn der Tag lang ist.

Und dennoch schwingt in den Äußerungen des mittlerweile 67-Jährigen oft etwas mit, was haften bleibt. So zum Beispiel im Februar diesen Jahres, als Maier über die damalige Nummer eins beim FC Bayern sagte: "Meine Hoffnung ist: Kraft wird der neue Sepp." Weil Maier es ihm zutraute und einfach von Herzen gegönnt hätte.

Vielleicht der neue Kiraly

Acht Monate später ist freilich klar: Thomas Kraft wird nicht der neue Sepp Maier. Seit Sommer hält der 23-Jährige seine Knochen für Hertha BSC hin, kann dort also nur so etwas wie der neue Gabor Kiraly werden.

"Wenn du die Chance hast, einen Torwart mit so einem Potenzial wie Kraft zu holen, musst du das tun", hatte Hertha-Trainer Markus Babbel den Transfer im Sommer bereits ehrfürchtig kommentiert.

Das Risiko hielt sich angesichts Krafts Qualitäten in Grenzen, nach acht Spieltagen zieht Manager Michael Preetz auch schon ein vielversprechendes Fazit: "Er hat jetzt schon bewiesen, warum wir ihn unbedingt verpflichten wollten. Thomas ist einfach ein sehr guter Torwart."

"Er hat sich ganz gut gemacht"

Neunmal musste der sehr gute Torwart bislang in Diensten der Berliner hinter sich greifen, ein ordentlicher, wenn auch nicht überragender Wert. Beim 1:2 in Bremen sah er beim ersten Gegentor schlecht aus, ansonsten überwiegen positive Eindrücke.

Zwei Heimspiele hielt Kraft zu Null, beim Sieg in Dortmund behielt er einen kühlen Kopf. Kraft hat sowieso seine ruhige, unaufgeregte Spielweise mit nach Berlin gebracht, gibt klare Anweisungen an die Vorderleute, geht resolut zum Ball. Nicht mehr, nicht weniger.

"Es ist gut für ihn, dass er als Nummer eins gesetzt ist, auch wenn er mal einen Fehler macht", sagte Ex-Teamkollege Toni Kroos am Donnerstag über das abgewanderte Talent. "Das ist das, was er wollte. Er hat sich ganz gut gemacht, wie die Hertha allgemein."

Nachtreten? Bringt nichts...

Am Samstag kehrt Kraft nach München zurück. Vergessen haben sie ihn dort nicht. Ihn, dessen Karriere beim FCB im April mit einem Patzer gegen den 1. FC Nürnberg und der damit verbundenen Entlassung von Louis van Gaal ein jähes Ende fand. "Was war, das war", sagt Kraft heute und will sich nicht mehr über das, was damals beim Branchen-Primus lief, äußern.

Auch nicht über den Wutausbruch von Uli Hoeneß, der bei der Verkündung der van-Gaal-Entlassung geiferte, mit dem Wechsel von Jörg Butt auf Kraft im Bayern-Tor habe "die ganze Scheiße erst angefangen". Kraft heute: "Es bringt nichts, zurückzublicken oder nachzutreten." Dabei hätte er Grund. Er, das Bauernopfer. Verübeln könnte man es ihm jedenfalls nicht.

Krafts Fan Sepp Maier nannte die Hoeness'schen Aussagen damals "eine Frechheit". Maier konterte Hoeneß: "Das geht so nicht. Ich bleibe dabei: Er ist ein talentierter Mann, ein guter." Mit ein wenig Abstand und Draufsicht kann Kraft heute zumindest behaupten, in dem halben Jahr als Nummer eins der Bayern Dinge gelernt zu haben, "wofür andere manchmal Jahre brauchen".

Gassenhauer in der Südkurve

Anders als die nun ebenfalls in Berlin spielenden Ex-Bayern Christian Lell und Andreas Ottl verließ Kraft die bayerische Hauptstadt als Publikumsliebling - zumindest bei den eher konservativen Teilen der Fankurve. Bei denen, die sich dem Motto "Gegen den modernen Fußball" verschrieben haben.

Der Singsang "Thomas Kraft, ole, ole..." war jedenfalls in der letzten Rückrunde ein Gassenhauer in der Südkurve und wird bestimmt auch am Samstag wieder zu hören sein - alleine, um es Manuel Neuer unter die Nase zu reiben.

Ob er denn mit Pfiffen rechne, wurde er unlängst in einem Interview gefragt. Nein, nein, antwortete Kraft. Es ist immer noch seine Kurve. Auch wenn er im selben Atemzug stets betont, es sei exklusiv seine Entscheidung gewesen, die Münchner zu verlassen.

"Mir war einfach klar, dass es keinen offenen Konkurrenzkampf zwischen Neuer und mir geben würde", sagte er der "B.Z.". Deswegen schlug er das Vertragsangebot der Bayern aus und ging nach Berlin.

Gegentorschnitt gesenkt

Seinen Gegentorschnitt hat er dort nun schon von 1,29 (in 17 Pflichtspielen für den FCB 2010/11) auf 1,13 (in 8 Spielen für die Hertha) gesenkt.

Angst, dass diese Marke am Samstag in die Höhe schnellen könnte, verspürt Kraft nicht. Warum auch, die Hertha schlug sich in den bisherigen Auswärtsspielen in Hamburg, Hannover, Dortmund und Bremen durchaus beachtlich.

Und wenn die Bayern dann doch mal vor dem Berliner Tor auftauchen, gibt es ja da noch Kraft, über den kein geringerer als Oliver Kahn Anfang des Jahres so schön sagte: "Ich habe Kraft immer mit dem jungen Sepp Maier verglichen, vor allem wegen seiner Schnelligkeit und seiner katzenhaften Bewegungen."

Vielleicht hat Kraft ja doch mehr mit Maier gemein, als man denkt. Gegen dessen Marke von 442 in Serie absolvierten Bundesliga-Spiele hätte der 23-Jährige mit Sicherheit nichts einzuwenden. Auch wenn es vielleicht "nur" für die Hertha ist.

Thomas Kraft im Steckbrief

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