Auch Dreadlocks schützen nicht vor Volksmusik

Von Stefan Moser
Montag, 17.10.2011 | 21:00 Uhr
Die Überschrift hätte 2009 noch besser gepasst: Damals hatte Owomoyela noch Dreads
© Getty
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Das wichtigste vorab: Der schönste Stürmer der Bundesliga schießt die hässlichsten Elfmeter der Welt, die Tabelle sieht aus wie in den Siebzigern und Ivo Ilicevic ist ein reiner Fußballgott. Und jetzt der ganze Rest: In der Alternativen Liste des 9. Spieltags.

1. Was als Witz begann: Weil Chuck Norris und Hans Sarpei keine Lizenz haben, übernimmt jetzt also Thorsten Fink den HSV als Trainer. Auf den ersten Blick für Hamburg eine gute Wahl. Denn der Mann, das muss man neidlos anerkennen, sieht im Anzug echt tip top aus. Doch weil's mal wieder etwas länger dauerte mit der Besetzung einer Schlüsselposition, musste sich Sportchef Frank Arnesen vorher jede Menge schlechte Witze anhören. Die meisten nach dem Motto: "Wahrscheinlich setzt er jetzt auch noch den Trainer der zweiten Mannschaft von Chelsea auf die Bank." Ziemlich plumper Humor, möchte man meinen - bis HSV.de die Übergangslösung für die vergangene Woche präsentierte: "Frank Arnesen wird Interimstrainer: In der Praxis wird er auch auf dem Trainingsplatz das Zepter schwingen. Schon am Montag wird er nach einer kurzen Ansprache seine erste Einheit leiten. Zuletzt hat er das beim Reserve-Team des FC Chelsea getan."

2. Postmoderne Beliebigkeit: Denkwürdiger Auftritt auch von Uwe Mojeler vom BVB. Erst sein Tor in Bremen. Beim Comeback. Gegen den Ex-Verein. Ausgerechnet undsoweiter. Und dann aber auch gleich so ein hartes Eigentor hinterher: Guckst Du!

3. Logo: Zur kognitiven Ausstattung eines jeden Fußballers gehören solide Grundkenntnisse im syllogistischen Schließen. Wir erinnern uns an die Zeit als E-Jugendliche, als wir vor jedem Training Aufgaben lösen mussten nach dem Schema: Prämisse #1: "Alle Fußballer haben scheußliche Frisuren." Prämisse #2: "Änis Ben-Hatira ist ein Fußballer." Schlussfolgerung: "Änis Ben-Hatira ist hat eine scheußliche Frisur." Alles klar? Dann erhöhen wir jetzt den Schwierigkeitsgrad und hören zwei Prämissen von Gladbachs Trainer Lucien Favre, die er nach dem unglücklichen Unentschieden gegen Leverkusen in den Raum stellte. #1: "Das Leben ist ungerecht." #2: "Fußball ist ein Teil des Lebens." Also: Was wollte der Professor damit sagen?

a) Fußball ist ungerecht!

b) Änis Ben-Hatira hat wirklich eine scheußliche Frisur!

c) Mir egal, ich habe mich gerade durch die Grid-Girls geklickt und bin jetzt geil!

4. Generalverdacht: "Alle Menschen sind fehlbar." - "Schiedsrichter sind Menschen." - ergo: "Auch Schiedsrichter sind fehlbar." Das ist völlig richtig, ist aber nicht unser Problem. Wir haben eigene. Hätten sie halt was Ordentliches gelernt! Denn wer samstagnachmittags in viel zu engen kurzen Hosen seinen Schmerbauch und ein blödes Trillerpfeifchen über Fußballplätze trägt und sich dabei freiwillig zum Gespött der Meute macht, der muss wohl davon ausgehen, dass er irgendwann im Leben einmal eine falsche Abzweigung genommen hat. Wir nennen ausnahmsweise keine Namen - sondern nehmen gleich die ganze Zunft in Sippel-Haft.

5. Leuchtendes Vorbild: Einen aber wollen wir explizit von unserer Kritik ausnehmen. Den Mann nämlich, der das Spiel Stuttgart gegen Hoffenheim so umsichtig leitete. Seine stärkste Szene hatte der Unparteiische dabei nach einem Zweikampf zwischen Isaac Vorsah und Pawel Pogrebnjak, der alleine auf das Tor zulaufend auf die Nase fiel. Was würde der Referee entscheiden? Schwalbe des Russen und Gelb? Notbremse von Vorsah und Rot? Spannende Frage! Die einfachste Antwort: weder noch! Der Schiedsrichter machte ganz einfach nichts. Gar nichts. Verzog nicht mal eine Miene. Von Babak Rafati lernen, heißt siegen lernen.

6. Fragen über Fragen: Weil wir seine Stimme so gern hören, zitieren wir mal wieder Marcel Reif. Ein kleines Best-of seines Kommentars zu Bremen gegen Dortmund: "Subotic...niedergemäht von Marko Marin mit seiner ganzen Körperlichkeit. Für Bauarbeiten und Aufräumarbeiten immer Bender rufen. Kommen pünktlich, sauber und preiswert. Wenn man einen Bender in der Mannschaft hat, ist man immerhin in Unterzahl nicht zu zehnt, sondern noch zu zehneinhalbt. Die letzte Schlussviertelstunde läuft." Das führt natürlich zu einer Reihe von Fragen: Wie viele Schlussviertelstunden gibt es eigentlich? Und ist der ganze Text nun so schlecht, dass er schon wieder gut ist? Oder vielleicht sogar so schlecht, dass er schon wieder so gut ist, dass er schon wieder schlecht ist? Oder wird einem dabei einfach nur schlecht? Wer kann das sagen? Und vor allem: Wer will es wissen?

7. Vorglühen im ZDF: Diese komplizierten Diskussionen gibt es beim Aktuellen Sportstudio mittlerweile zum Glück nicht mehr. Erwachsene Menschen bei halbwegs klarem Verstand sind sich in ihrem ästhetischen Urteil weitgehend einig. So differenziert wie möglich ausgedrückt: "Kacke". Dass Kathrin Müller-Hohenstein einen ganz banalen Beitrag zum Hoffenheimer Pressing mit den Worten "wir sahen hier etwas, das man als Pressing beschreiben könnte" abmoderiert, um fachlich wenigstens einmal auf der sicheren Seite zu sein - geschenkt! Dass sie aber die missglückte Überblendung von "Hell's Bells" zum "Badener Lied" nachträglich lang und breit erklärte, weil die Pointe von selbst nicht zünden wollte, ist dann doch eher uncool. Und dass der arme Holger Stanislawski schließlich in einem weißen Rolls Royce vor einer Fototapete durch das virtuelle Sinsheim gondeln musste, ist so pseudopädagogisch muffig, dass es selbst im Öffentlich-Rechtlichen noch als altbacken heraussticht. Unangenehm ist das vor allem deshalb, weil man sich als Zuschauer innerlich ständig darauf vorbereitet, dass plötzlich Dieter Thomas Heck auf die Bühne kommt und eine Nummer von Peter Alexander ansagt. Und mit diesem Gefühl soll man dann Samstagnacht noch lässig auf die Piste gehen.

8. Kollateralschaden: Immerhin brachte die Sendung aber ein paar Erkenntnisse über Holger Stanislawski. Erstens: Er trägt nun offenbar die alten Frisuren von Änis Ben-Hatria auf. Zweitens: "Mein Ziel ist es, dass unsere Spieler in Zukunft die schnelle Ausführung von gegnerischen Freistößen verhindern. Und wenn ich das zu meiner Lebensaufgabe mache." Und drittens: Während der letzten Mannschaftsbesprechung zeigte er dieses schöne Video: Klick.

9. Bei aller Medienkritik: Wie ein geglückter Sportjournalismus, wenn man mal ehrlich ist, eigentlich aussehen müsste, zeigte mal wieder Arnd Zeigler. Im Interview mit Jürgen Klopp.

10. Syllogismus für Fortgeschrittene: "In Topspielen spielen Topmannschaften." - "Klabautern holte sieben seiner acht Punkte in den Topsspielen am Samstag um 18.30 Uhr." Schlussfolgerung: "Klabautern ist eine absolute Top ---" Rofl!!! Doppel-Lol!!! Totaler Quatsch natürlich. War nur Spaß. Das Topspiel heißt doch bloß so...

11. The Simpsons: Das FCB-Bayern-Magazin brachte am Samstag eine ganze Seite über das neue Sponsorship von... Trommelwirbel... OSRAM! Überschrift: "OSRAM Licht-Spiele in der Allianz Arena!" Im Text ein Zitat von Karl-Heinz Rummenigge: "Damit ist OSRAM ab sofort ein offizielles Mitglied des FC-Bayern-Teams."

Und da stehen wir jetzt etwas auf dem Schlauch. Ist das nun ein bösartiger Kalauer auf Kosten von Jupp Heynckes? Oder nur das unschuldige Fettnäpfchen eines PR-Praktikanten? Oder doch eine ganz ausgeklügelte und feinsinnige Strategie der Marketingexperten? Und die Alternative Liste ist voll darauf reingefallen und macht gerade unfreiwillig Werbung für Glühbirnen? Ach, dieses Universum ist in der Tat sehr verwirrend.

Der 9. Spieltag im Überblick

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