Guck mal, wer da spricht!

Von Max-Jacob Ost
Montag, 03.10.2011 | 18:39 Uhr
Bruno Labbadia bestellt sich einen Kaffee mit zwei Stück Zucker
© Getty
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Wer mit Bruno Labbadia telefoniert, braucht ein Headset. Denn der Trainer vom VfB Stuttgart ist ein Fremdsprachenexperte auf dem Gebiet der Körpersprache. Die halbe Bundesliga könnte von ihm lernen: Vom bockigen Lukas Podolski bis zum unterwürfigen Hans-Joachim Watzke. Fragt sich nur: Wer übersetzt uns die Körpersprache von Ecki Heuser?

1. Logik mit Thomas Tuchel: Fußball ist ein ständiges Hin und Her zwischen Theorie und Praxis. In der Theorie tänzelt so mancher sämtliche Gegenspieler mit einer einzigen Hüftbewegung aus, in der Praxis heißt er im schlimmsten Fall dann aber Christian Lell. In der Theorie hat man den perfekten Trainer gefunden, mit innovativen Matchplänen, einer perfekten Food-Balance-Kinetic-Strategie und einer Frisur zum Daniederkien und in der Praxis heißt der gute Mann dann doch nur Huub Stevens.

Gerade weil das so ist, sollte man sich die Schwächen der Theorie zunutze machen. Denn in der Theorie ist alles möglich. Deshalb muss man Thomas Tuchel applaudieren, wenn er vor dem Spiel gegen Nürnberg sagt: "Wir sind in der Lage, jedes Bundesligaspiel zu gewinnen." Da hat er natürlich Recht. Doch - und jetzt lieber wegschauen, lieber Thomas Tuchel - wenn man dann zum Abgleich mit der Realität 90 Minuten später kommt, steht da folgendes:

Theorie: Mainz kann jedes Bundesligaspiel gewinnen. Praxis: Mainz dreht ein 0:2 und spielt trotzdem 3:3 beim 1. FC Nürnberg. Es gilt folgendes Naturgesetz: Der Club is a Depp. Was ist dann der FSV Mainz 05? Herr Tuchel, irgendeine Idee?

2. Der wöchentliche Fritz: Was gehört zum Fußballnachmittag wie Bier und ein knackiges Bratwurstimitat? Richtig, ein ebenso knackiger Spruch von Fritz von Thurn und Taxis. Auf der nach oben offenen Neururer-Skala erzielte er dabei am Wochenende einen neuen Rekordwert. Kommentierte lässig vom Diwan herab im Hugh-Hefner-Bademantel mit Pfeife im Mund Hoffenheim gegen Bayern und stellte fest: "Wenn's für Hoffenheim am Ende ein Punktgewinn wird, dann kann ich mir vorstellen, dass die Nacht zum Tag wird - bei all den Brasilianern." Einziger Brasilianer im Kader von Hoffenheim: Firmino.

3. Geile Field-Interviews: Das, was Sky zu einer Art 1. FC Köln der Bundesliga-Berichterstattung macht, ist die unheimliche Breite im Kader. Denn das, was Fritz von Thurn und Taxis vom Kommentatorenpult aus ist, verkörpert Ecki Heuser am Spielfeldrand. Schön zu beobachten nach dem Spiel Leverkusen gegen Wolfsburg, als er einen actiongeladenen Psychokrimi mit Bayer-Trainer Dutt inszenierte. Grund: Bender hatte sich nicht direkt nach der Verletzung auswechseln, sondern nach einem Gespräch mit Dutt erst behandeln lassen. Da zückte der MacGyver unter den Investigativ-Journalisten natürlich schnell den Kabelbinder und fixierte Dutt verbal:

Heuser: "Was haben Sie denn Lars Bender nach dem Tor geflüstert?"

Dutt: "Ich habe nachgefragt, ob er weitermachen kann."

Heuser: "Wieso legt sich Bender dann hin?"

Dutt: "Wenn man Schmerzen hat, legt man sich schon mal hin..."

Heuser: "Aber... aber... war das nicht Zeitschinden nach dem Tor?"

Dutt: "Nein, das ist nicht meine Art!"

Heuser: "Jetzt klären Sie uns doch mal auf!!!"

Dutt: "Ich habe keine Ahnung, worauf Sie hinaus wollen?! Was soll ich aufklären?"

Und während sich Robin Dutt nach dieser Vernehmung erst einmal unters Sauerstoffzelt legte, rückte Heuser schon Torschütze Eren Derdiyok auf die Pelle. Und zwar in, nun ja, doch sehr direkter Art und Weise. Einstiegsfrage: "Herr Derdiyok, worüber sollen wir reden: über Ihren geilen Oberkörper oder Ihr geiles Tor?"

4. Wolfsburger Understatement: Es ist natürlich billig, über einen Verein Witze zu machen, dessen Heimatstadt sogar von Lokführern regelmäßig übersehen wird. Wir wären aber nicht der Ecki Heuser unter den Bundesligarückblicken, wenn wir nach dem vergangenen Wochenende nicht investigativ-kritisch nachhaken würden. Also, liebe Pressestelle vom VfL Wolfsburg: Meint Ihr das wirklich ernst? Eine Pressemitteilung an uns zu schicken, dass der VfL nun auf Recyclingpapier zurückgreift - schön und gut. Wir haben schon von weniger witzigen Sachen tausend Ausdrucke auf Pandafell gemacht und in der Münchner Fußgängerzone verteilt.

Aber unter uns: Wäre es nicht viel eher eine Pressemitteilung wert gewesen, dass jetzt auch die Mannschaft für Recycling steht? Wir wollen ja nichts unterstellen, aber der Auftritt gegen Bayer sah schon sehr nach der Spielweise von Arminia Bielefeld 2008/2009 aus. Und die Kaderzusammenstellung ergibt eigentlich auch erst dann Sinn, wenn man das Ganze als das Aufschichten eines prächtigen Komposthaufens betrachtet. Das wäre doch einmal eine schöne Meldung: "Grüner geht's nicht. Der VfL Wolfsburg ist die Renate Künast der Bundesligavereine."

5. Entschuldigung, sprechen Sie Körper? Mit den Fremdsprachen ist es ja so eine Sache. Bei manchem deutschen Nationalspieler hat man den Eindruck, Deutsch gehört dazu - und wurde spätestens in der 7. Klasse zu Gunsten von "Nuscheln" und "als wie-Nebensätzen" abgewählt. Man kann es also als äußerst mutig bezeichnen, dass Bruno Labbadia von seinen Spielern jetzt sogar noch weitere Sprachkenntnisse einfordert und unter der Woche Körpersprache trainieren ließ.

Auch wenn die Vorstellung einer gewissen Komik nicht entbehrt, wie Martin Harnik durch wildes Verrenken die Frage nach den Abfahrtszeiten des 14er-Busses zum Hauptbahnhof stellt und Khalid Boulahrouz Mitspieler Okazaki körpersprachlich ins Kino einlädt (was durch die meisten Körpersprachenübersetzer leider in eine Aufforderung zum Beischlaf umgedeutet wird) - nützlich war der Exkurs allemal. Denn beim 2:0 auf dem Betzenberg parlierten die Stuttgarter auf einem Niveau, als hätte ihnen Theodor Fontane die Dialoge auf den Körper geschrieben. Auf der anderen Seite zeigten sich gleichzeitig böse Lern-Defizite. Ganz offensichtlich beherrscht man in Lautern nur ein Wort in Körpersprache: "Scheiße".

Seite 2: Podolski hat keinen Bock und Schalke kauft sich Burger

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