Tasci: "Ich habe Muhammad Ali bewundert"

Von Interview: Florian Regelmann
Freitag, 05.08.2011 | 09:31 Uhr
Serdar Tasci hat in 127 Bundesliga-Spielen für den VfB Stuttgart 6 Tore erzielt
© Getty
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Serdar Tasci schien vor der WM 2010 auf dem Weg zum Stammspieler in der Nationalmannschaft. Doch es folgte eine bittere WM und eine Albtraum-Saison mit dem VfB Stuttgart. Vor dem Bundesliga-Auftakt gegen den FC Schalke 04 am Samstag (15.15 Uhr im LIVE-TICKER) spricht der 24-Jährige über ein Comeback im DFB-Team, Cacaus Leistung als Koch und das Selbstvertrauen eines echten Champions.

SPOX: Herr Tasci, bevor wir zum Fußball kommen: Wann sehen wir Sie eigentlich beim "Perfekten Promi-Dinner" im Fernsehen?

Serdar Tasci: (lacht) Nie, da können Sie sicher sein. Kochen ist bei mir eher schwierig. Aber ich habe Cacaus Auftritt natürlich gesehen, er musste sich in der Mannschaft auch ein paar Sprüche anhören. Er hat das wirklich sehr gut gemacht und ja sogar gewonnen.

SPOX: Und das mit überragenden 29 Punkten. In der letzten Saison hat es ganz schön lange gedauert, bis der VfB 29 Punkte auf dem Konto hatte. Aber die notorische Hinrunden-Schwäche kennt man ja jetzt schon.

Tasci: Ja, leider. Es ist echt verrückt. Eine Erklärung dafür zu finden, ist verdammt schwierig. Ich denke, dass wir einfach zu unkonzentriert an die Sache herangegangen sind. Wir haben uns zu sehr auf unseren qualitativ gut besetzten Kader verlassen und gedacht, wenn wir das erste Spiel verlieren, gewinnen wir eben das zweite. So läuft es aber nicht immer. Wenn man einmal in so eine Negativspirale hereinkommt, dann ist es schwer, da wieder herauszukommen. Wir müssen deshalb jedes Spiel so angehen, als ob es das letzte wäre. Für uns ist es ein Vorteil, dass wir zuhause starten können, mit unseren Fans im Rücken ist zum Auftakt einiges möglich.

SPOX: Was macht Sie denn zuversichtlich, dass es in dieser Saison zum Start besser läuft?

Tasci: Ich habe ein sehr positives Gefühl. Wir hatten trotz der Verletzungsprobleme auf der Innenverteidiger-Position eine sehr gute Vorbereitungsphase und haben sehr hart und intensiv trainiert. Ich bin guter Dinge, dass wir eine gute Hinrunde spielen werden. Wir haben ein tolles neues Stadion, gegen Schalke wird die Hütte mit über 60.000 Zuschauern voll sein, es wird eine Euphorie herrschen - das müssen wir für uns nutzen.

Aufstellungen: Tasci für Schalke-Spiel fit

SPOX: Der Coach spielt sicherlich auch eine große Rolle. Wie hat es Bruno Labbadia geschafft, in der letzten Rückrunde das Team wieder aufzurichten? Die Mannschaft war ja brutal am Boden.

Tasci: Bruno Labbadia hat uns in erster Linie wieder stark gemacht. Als er gekommen ist, waren wir ganz unten. Er hat dann viele Gespräche mit den Spielern geführt und so dafür gesorgt, dass wir wieder an uns geglaubt haben. Er hat uns wieder eine Siegermentalität eingeimpft, wir sind dann wieder ganz anders in die Spiele reingegangen. Er hat einiges bewegt.

SPOX: Auch für Sie persönlich war der Trainerwechsel nicht unbedeutend, nachdem es zwischen Ihnen und Christian Gross nicht immer so perfekt passte.

Tasci: Es stimmt, mit unserem Ex-Coach hat es nicht so gut funktioniert, obwohl ich trotzdem fast jedes Spiel gemacht habe. Es gab aber immer mal Unstimmigkeiten. Beim neuen Trainer habe ich dagegen von Beginn an das volle Vertrauen gespürt. Und dann spielt man eben auch ganz anders.

SPOX: Es war in den letzten Jahren nicht immer ganz einfach für Sie in Stuttgart. Dass als Nachfolger von Thomas Hitzlsperger damals Matthieu Delpierre und nicht Sie zum Kapitän bestimmt wurde, muss Ihnen weh getan haben. Sie hatten fest damit gerechnet, die Binde zu bekommen, oder?

Tasci: Ja, ich hätte gedacht, dass ich als Vize-Kapitän aufrücke. Es hat mich damals schon ein bisschen geärgert. Aber nur kurzfristig. So eine Entscheidung muss man hinnehmen und sich wieder auf seine Aufgaben konzentrieren.

SPOX: Es gab in den vergangenen Jahren auch immer mal wieder Gerüchte, dass Sie den VfB verlassen könnten und ausländische Top-Klubs wie Juventus Turin Interesse gezeigt haben. Inzwischen hört man davon aber nichts mehr. Wie sehen Sie Ihre Zukunft?

Tasci: Ich hatte in diesem Jahr keine Wechselabsichten. Ich will mich voll und ganz auf den VfB konzentrieren. Mit dem VfB eine gute Runde zu spielen ist alles, was für mich zählt. Irgendwann kann ein Wechsel ins Ausland dann sicher noch mal ein Thema für mich werden, aber im Moment ist dieser Gedanke überhaupt nicht in meinem Kopf.

SPOX: Was ist denn für den VfB drin in dieser Saison?

Tasci: Es ist völlig klar, dass es der Anspruch des VfB Stuttgart sein muss, eine bessere Saison als die letzte zu spielen. Aber wir wollen jetzt nicht irgendwelche Ziele ausgeben oder von einem bestimmten Tabellenplatz sprechen. Wir müssen wirklich von Spiel zu Spiel schauen und uns darauf konzentrieren, eine gute Hinrunde zu spielen. Danach können wir dann weitersehen.

SPOX: Eine gute Saison des VfB wäre sicher auch für Sie persönlich wichtig. Stichwort: Nationalmannschaft.

Tasci: Auf jeden Fall. Wenn wir eine vernünftige Runde spielen, hilft das auch jedem persönlich. Es ist schwer, wieder in den Kreis der Nationalmannschaft reinzukommen, wenn man einmal draußen war. Aber ich glaube dennoch, dass ich wieder meine Chance bekommen werde, sofern meine Leistung stimmt.

SPOX: Haben Sie manchmal das Gefühl, dass Sie zu schlecht wegkommen in der Öffentlichkeit?

Tasci: Das müssen andere beurteilen. Mir ist wichtig, dass ich auf dem Platz Gas gebe und wie ich dann von außen bewertet werde, interessiert mich eigentlich gar nicht. Der Trainer schaut, was ich in den Spielen für eine Leistung bringe. Darauf kommt es an.

SPOX: Aber es muss Sie doch stören, wenn Sie gute Statistiken haben und dennoch andere Innenverteidiger mit schlechteren Werten aus Ihrer Sicht dann zu Unrecht vielleicht mehr im Fokus stehen?

Tasci: Man denkt schon etwas darüber nach. Aber wie gesagt: Das Wichtigste ist eben auf dem Platz. Ich hatte gute Statistiken, das weiß ich. Und wenn ich das beibehalten kann, dann wird die Nationalmannschaft denke ich ganz automatisch wieder ein Thema für mich.

SPOX: Es war ohne Zweifel auch die für Sie äußerst unglückliche WM 2010, die Ihnen im Standing geschadet hat. Vor der WM waren Sie auf dem Weg zum Stammspieler, und dann haben Sie nur diese mickrigen zwei Minuten bekommen im Spiel um Platz drei. Wie bitter war das?

Tasci: Es war nicht einfach. Vor allem deshalb, weil ich vor der WM die Hoffnung hatte, beim ersten Spiel von Beginn an auf dem Platz zu stehen. Es sah ja auch so aus. Aber es sollte für mich eben nicht sein. Ich war trotzdem mit 23 bei einer WM dabei und als Team war es ein grandioses Turnier für uns. Und zu diesem Team zähle ich mich dazu.

SPOX: Ein anderes DFB-Thema: Sie sind DFB-Integrationsbotschafter, was darf man sich denn darunter vorstellen?

Tasci: Es geht in erster Linie darum, dass ich meine Erfahrungen, die ich selbst als Kind mit ausländischen Wurzeln gemacht habe, weitergebe. Wie ich es geschafft habe, wie ich Fußball-Profi geworden bin. Ich habe persönlich erfahren, wie wichtig die Integrationsarbeit ist und wie gut sie insbesondere im Fußball gelingen kann. Daher mache ich das sehr gerne und engagiere mich dafür.

SPOX: Auch wenn man die U-Teams des DFB anschaut, sieht man, wie multi-kulturell es da inzwischen zugeht. Sehen Sie Deutschland in dieser Hinsicht auf einem guten Weg?

Tasci: Ich finde, das ist eine schöne Sache. Wie viele Jungs mit Migrationshintergrund für den DFB kicken, zeigt, was sich alles entwickelt hat. So sieht gelungene Integration aus.

SPOX: Wir haben mit einem Non-Fußball-Thema angefangen, zum Schluss auch noch mal etwas anderes: Sie haben einmal Muhammad Ali als Person angegeben, die Sie gerne einmal kennenlernen würden. Warum Muhammad Ali?

Tasci: Vor ein paar Jahren gab es ein Special mit all seinen Classic Fights, die habe ich mir alle gerne angeschaut. Ich habe Ali bewundert, vor allem für sein Selbstbewusstsein. Wie er schon auf den Pressekonferenzen aufgetreten ist, dann die Kämpfe selbst natürlich - es hat mir wirklich imponiert, mit welchem Selbstvertrauen er zur Sache gegangen ist. Ich würde ihn gerne mal treffen und interviewen. (lacht)

Serdar Tasci im Steckbrief

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