Fussball

Bayern 2011/12: Fehlt nur noch Mister X

Von Thomas Gaber
Die große Frage: Wie gestaltet der neue Trainer Jupp Heynckes den FC Bayern München um?
© Getty / SPOX

In der kommenden Saison soll beim FC Bayern München vieles besser werden. Der FCB plant den Angriff auf Meister Borussia Dortmund, im Mai 2012 würde man zudem gerne das Champions-League-Finale im eigenen Stadion spielen. Was bleibt, was ist neu? Wie sieht Jupp Heynckes' Wunschelf aus? Die Bayern 2011/12.

Der Kader:

Mit Miroslav Klose verlässt der vierte Profi den FC Bayern. Hamit Altintop wechselt zu Real Madrid, Andreas Ottl und Thomas Kraft schließen sich Hertha BSC an. Zudem wurde der an Nürnberg ausgeliehene Mehmet Ekici nach Bremen verkauft. Keiner dieser Spieler gehörte in der letzten Saison zur Stammelf, von Kraft in der Rückrunde einmal abgesehen. Der Qualitätsverlust ist daher überschaubar.

Mit dem neuen Trainer Jupp Heynckes sind die Bayern-Bosse übereingekommen, dass der Kader bis zum Trainingsstart am 27. Juni komplett sein soll. "Wir wollen diesmal schon am 20. Juni fertig sein", sagte der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge.

Last-Minute-Einkäufe wie Mark van Bommel 2006 oder Arjen Robben 2009 sollen der Vergangenheit angehören.

Manuel Neuer der wichtigste Transfer

"Es ist wichtig, dass Jupp Heynckes zum Trainingsstart alle Mann zur Verfügung hat. Die Spieler hatten dann ausreichend Urlaub. Unser Vorteil ist, dass in diesem Jahr keine WM oder EM stattfindet und wir alle Spieler zur gleichen Zeit an Bord haben", so Rummenigge.

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Der wichtigste Transfer ist zweifelsohne Manuel Neuer. Seit dem Abschied von Oliver Kahn haben mehrere Bayern-Trainer viel ausprobiert auf der Torhüter-Position - ohne Nachhaltigkeit.

Mit Neuer haben die Bayern wieder den besten deutschen Torhüter und einen der besten der Welt und auf Jahre hinaus Ruhe im Kasten.

Philipp Lahm wechselt auf links

Aus der Serie A kommt Rafinha, an dem die Bayern schon 2009 dran waren. Beim FC Genua war der Brasilianer die Allzweckwaffe in der Defensive. Rechtsverteidiger, rechtes Mittelfeld, linkes Mittelfeld, zentrales Mittelfeld - Rafinha wurde überall eingesetzt.

Heynckes plant mit ihm als Rechtsverteidiger, Lahm soll dafür wieder auf links wechseln. Der Coach verspricht sich von Lahm dadurch mehr Einfluss auf das Offensivspiel.

Bayern-Präsident Uli Hoeneß hatte Rafinhas Art und Spielweise einst als "widerlich" bezeichnet, sieht in ihm aber nun ein Puzzleteil, dass den Bayern in der Zeit nach dem Abgang von Mark van Bommel fehlte. Auch Heynckes schätzt dessen aggressive Spielweise.

Hoeneß' Basis für "große Erfolge"

Für Nils Petersen setzte sich Heynckes ebenfalls vehement ein. "Ich hatte sehr überzeugende Gespräche mit ihm. Heynckes hat mir zu verstehen gegeben, dass er voll mit mir plant", sagte Petersen. An Mario Gomez wird der 22-Jährige jedoch kaum vorbeikommen.

Sollte Heynckes auf 4-4-2 wechseln, darf sich Petersen Chancen auf einen Platz in der Stammelf ausrechnen. Er ähnelt in der Spielanlage Miro Klose, hat einen schnellen Antritt und einen harten, platzierten Schuss. Möglich, dass Petersen im System mit nur einem Stürmer die Rolle hinter Gomez einnimmt, als Backup für Thomas Müller.

Fehlt nach Hoeneß' Ansicht eigentlich nur noch ein Innenverteidiger von Weltklasseformat. "Ich bin ein Verfechter der Philosophie, dass Schlüsselpositionen gut besetzt sein müssen", sagte er im "Sport-Bild"-Interview.

Dafür bräuchte man einen guten Torwart (Neuer), einen starken Abwehrspieler (Mister X), einen zentralen Mittelfeldspieler (Schweinsteiger) und einen Stürmer (Gomez). Hoeneß: "Wenn du diese Kette hast, ist das die Basis für große Erfolge."

Vidal ist Heynckes' Wunschspieler

Deswegen sollen noch weitere Spieler kommen. Der Wechsel von Jerome Boateng scheiterte allerdings bislang an der hohen Ablöseforderung von Manchester City (ca. 20 Millionen Euro). "Bei Boateng sind wir guter Dinge, müssen aber jetzt abwarten. Kommt er nicht, wird es eine Alternative werden", bestätigte Hoeneß.

Boateng (oder der Mister X) müsste sich im Kampf um einen Platz in der Innenverteidigung gegen Holger Badstuber, Daniel Van Buyten und Breno durchsetzen.

Heynckes' Wunschspieler für die Mittelfeldzentrale ist Arturo Vidal. Der Spieler will nach München, Bayer Leverkusen weigert sich aber bislang beharrlich gegen einen Verkauf. Hoeneß gibt sich allerdings gelassen: "Wenn der eine oder andere nicht kommen sollte, ist das auch kein Beinbruch. Der Kader steht im Großen und Ganzen."

Breno steht vor Problemen

Mit Takashi Usami soll zudem der beste japanische Export neben Shinji Kagawa als weiterer Perspektivspieler verpflichtet werden. Schon im Januar waren die Bayern am 19-Jährigen dran.

Gert Engels, der seit über 20 Jahren als Trainer in Japan arbeitet und zuletzt Chefcoach von Urawa Red Diamonds war, sagte bei SPOX über Usamis Stärken: "Seine Stärke ist sein Gefühl im Fuß, die vorbildliche Ballannahme in Spielrichtung und sein herausragender Abschluss."

Mit dem lange verletzten Ivica Olic haben die Bayern einen weiteren "Neuzugang". Der Kroate arbeitet seit Mai verbissen für sein Comeback. David Alaba kehrt vorerst aus Hoffenheim zurück, 1899 würde den Österreicher gerne behalten.

Schwierig dürfte die Saison für Breno, Danijel Pranjic und Anatolij Tymoschtschuk werden. "Mit Brenos Entwicklung ist der ganze Verein unzufrieden. Er weiß auch, dass er jetzt nach drei Jahren professioneller werden muss", sagt Rummenigge.

Pranjic ohne Chance auf Stammplatz

Tymoschtschuk dürfte den Verein verlassen, sollte Vidal kommen. Pranjic hat durch Heynckes' Planspiele mit Lahm kaum Chancen auf einen Platz in der Stammelf und bietet sich nur als Backup auf allen Außenpositionen sowie im defensiven Mittelfeld an.

Mit Luiz Gustavo hat Heynckes zudem einen in der Defensive vielseitig einsetzbaren Spieler in der Hinterhand, der sich allerdings auch erstmal hinten anstellen muss.

Toni Kroos machte in seiner Entwicklung unter Heynckes in Leverkusen einen großen Schritt nach vorne. Die Saison danach in München war eine einzige Enttäuschung. Wie kommt Kroos bei Bayern unter Heynckes zurecht? Eine der spannendsten Fragen der kommenden Saison.

FC Bayern 2011/12: Der Trainer

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