Marc-Andre ter Stegen im Interview

"Torhüter sind unterschiedlich verrückt"

Von Interview: Jochen Tittmar
Freitag, 06.05.2011 | 10:54 Uhr
Marc-Andre ter Stegen löste unter Lucien Favre Logan Bailly im Borussia-Tor ab
© Getty
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Marc-Andre ter Stegen hat im April beim 5:1-Sieg im Derby gegen den 1. FC Köln sein Bundesligadebüt für Borussia Mönchengladbach gegeben. Seitdem besticht der 19-jährige Torwart durch erstaunlich abgeklärte Leistungen. Mit SPOX sprach er über Stadionverbot für seine Eltern, seine Ausbildung bei der Borussia und über das Wesen des Torhüters.

SPOX: Wissen Sie eigentlich, der wievielte Torhüter Sie bei Ihrem Bundesligadebüt waren, der in der Bundesliga in dieser Saison eingesetzt wurde?

Marc-Andre ter Stegen: Waren das nicht 42?

SPOX: Knapp daneben. 39 sind's. Das ist Rekord in der Bundesligahistorie.

Ter Stegen: Stark.

SPOX: Absolut. Stark finde ich auch, dass Sie Ihrer Mutter bei Ihrem Debüt quasi Stadionverbot erteilt haben, weil Sie sich auf Ihr Spiel konzentrieren wollten. Inwiefern hätte Sie denn Ihre Mutter dabei abgelenkt?

Ter Stegen: Eigentlich ging es dabei nicht nur um meine Mutter, sondern auch um meinen Stiefvater. Ich hielt es einfach für besser, wenn sie das Spiel zuhause am Fernseher schauen. Die waren damit auch einverstanden. Das war, auch wegen der Aufregung, für beide Seiten die beste Lösung.

SPOX: Sie haben Ihre Karriere als Stürmer begonnen. Wieso sind Sie nicht dabei geblieben?

Ter Stegen: Es war irgendwann so, dass ich recht flexibel einsetzbar war. Dann hat man zusammen mit mir entschieden, dass ich ins Tor wechsle. Ich war letztlich nur bis zur E-Jugend Stürmer.

SPOX: Ich habe gehört, dass es Ihre Macke sei, dass außer Ihnen niemand in die Nähe Ihrer Torwarthandschuhe darf. Was hat es damit auf sich?

Ter Stegen: Das ist Quatsch. Es darf einfach nur kein anderer in die Handschuhe hineinschlüpfen. Das ist alles.

SPOX: Sie haben bereits mit 15 Jahren die Möglichkeit gehabt, regelmäßig ein, zwei Einheiten mit den Profis zu trainieren. Wer hat das möglich gemacht und was hat es Ihnen Stand heute gebracht?

Ter Stegen: Nach ein paar Trainingseinheiten mit Uwe Kamps wollte er, dass ich oben mittrainiere, um mich langsam an das höhere Niveau zu gewöhnen. Diese Einschätzung hat der Verein geteilt. Hans Meyer und Jos Luhukay waren damals die Trainer. So konnte ich auch deren verschiedene Spielauffassungen kennenlernen. Ich habe da eine optimale und sehr hilfreiche Förderung genossen.

SPOX: Was hat sich für Sie am Torwarttraining im Laufe der Jahre verändert?

Ter Stegen: Ich trainiere seit der U 15 mit Uwe Kamps. Er hat es geschafft, immer neue Reize zu setzen. Das Training war immer auf die Spiele ausgerichtet und sehr variabel. So konnte ich mich kontinuierlich weiterentwickeln.

SPOX: Inwiefern ist ein Torhüter kein normaler Fußballspieler und anders als die Spieler, die nicht zwischen den Pfosten stehen? Und warum?

Ter Stegen: Torhüter sind unterschiedlich verrückt. Das gehört auch ein wenig dazu und ist in Ordnung. Trotzdem sind viele Torhüter natürlich unterschiedliche Typen.

SPOX: Zusammen mit Kaiserslauterns Kevin Trapp, Freiburgs Oliver Baumann und dem Hannoveraner Ron-Robert Zieler zählen Sie zu einer neuen Torhütergeneration, die trotz ihrer Unerfahrenheit die Chance bekommt, sich in der Bundesliga zu etablieren. Wie erklären Sie sich ganz grundsätzlich diese Entwicklung?

Ter Stegen: Auch das mache ich an der Leistung fest. Bei diesen Keepern werden für die Trainer ähnliche Gesichtspunkte dafür gesprochen haben, sie einzusetzen, wie bei mir auch.

SPOX: Wenn man Sie spielen sieht, erstaunt vor allem Ihre Sachlichkeit und Ruhe. Wo haben Sie diese Eigenschaften in diesem jungen Alter her?

Ter Stegen: Ich weiß es nicht. Es ist halt ein Teil von mir und meinem Charakter. Viele kennen mich nur so. Das ist einfach meine Spielart. Ich verfolge meine Ziele mit der gleichen Ruhe, die ich auch auf dem Platz ausstrahle.

SPOX: Oliver Kahn hat sich mit den Jahren eine Aura der Unbezwingbarkeit zugelegt, die Stürmer hatten regelrecht Angst davor, alleine vor ihm aufzutauchen. Inwiefern lässt sich so etwas trainieren?

Ter Stegen: Diese Dinge stehen und fallen mit der Leistung, die man zeigt. Als Torwart möchte man jeden Ball halten. Man muss jeden Tag hart im Training arbeiten, um dauerhaft Leistung zeigen zu können. Dann stellen sich auch irgendwann solche Effekte wie bei Kahn ein.

SPOX: Lucien Favre hat relativ schnell auf Sie gesetzt. Glauben Sie, dass das nur an Logan Baillys Fehler gegen Kaiserslautern lag?

Ter Stegen: Damit habe ich mich nie befasst. Ich bin natürlich froh, dass Favre auf mich setzt.

SPOX: Wann wussten Sie von seiner Entscheidung?

Ter Stegen: Einen Tag vor dem Spiel gegen Köln hat er mir gesagt, dass ich spiele und hat mit mir darüber geredet. Das war's.

SPOX: Kommenden Samstag gastiert der SC Freiburg im Borussia-Park (15.15 Uhr im LIVE-TICKER). Papiss Demba Cisse hat bereits 22 Tore geschossen und dabei meist aus allen Lagen und gegen so gut wie jedes Team getroffen. Wie geht man eine solche Aufgabe als Torhüter an?

Ter Stegen: Die Vorbereitung ist dieselbe wie gegen jeden Gegner. Dass Cisse schon so oft getroffen hat, weiß ja jeder. Das braucht man nicht mehr groß zu erwähnen. Im Grunde legt man den Fokus auf den gesamten Gegner. Cisse wäre ja ohne seine Mitspieler auch weniger wert.

SPOX: Stefan Effenberg möchte mit seiner Initiative Borussia zusammen mit einem Kompetenzteam die sportliche Verantwortung im Verein übernehmen. Auch wenn die Mitgliederversammlung nun mal im Mai ansteht: Was halten Sie generell vom Zeitpunkt dieser Thematik?

Ter Stegen: Darüber möchte ich nicht reden. Damit habe ich nichts zu tun, das ist nicht mein Thema.

Marc-Andre ter Stegen im Steckbrief

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