Werder-Geschäftsführer Klaus Allofs im Interview

"Das muss Stimulanz für alle Spiele sein"

Von Für SPOX in Bremen: Stefan Rommel
Montag, 28.02.2011 | 11:10 Uhr
Seit fast zwölf Jahren haben Thomas Schaaf (l.) und Klaus Allofs bei Werder Bremen das Sagen
© Getty
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Nach dem dramatischen Punktgewinn gegen Bayer Leverkusen äußerte sich Werder-Geschäftsführer Klaus Allofs über einen neuen Lerneffekt für die Mannschaft, seine Trainer Thomas Schaaf, das Bremer Publikum und "Sorgenkind" Aaron Hunt.

Frage: Herr Allofs, wie steht es um Ihre Gefühlslage nach so einem aufreibenden Spiel mit dieser Wendung am Ende?

Klaus Allofs: Man darf sich nie aufgeben und manchmal sind im Fußball auch unmögliche Dinge möglich. Das war ein Sieg der Moral. Auch wenn uns das Ergebnis nicht den Sprung beschert hat, den wir wollten. Der Trainer hat in der Halbzeit gesagt, dass wir wieder aufstehen müssen, auch wenn wir vielleicht noch einen zweiten Gegentreffer kassieren. Die Mannschaft hat sich dafür entscheiden, nochmal alles zu probieren und nicht aufzugeben.

Frage: Denken Sie, dass dieser neue Geist auch eine Reaktion auf das Zusammentreffen mit den Fans am vergangenen Wochenende am Stadion war, als eine Gruppe nach dem 0:4 in Hamburg den Dialog gesucht hatte?

Allofs: Das mag ein kleiner Anteil gewesen sein. Aber es spielen noch viele andere Dinge eine Rolle, die wir als Mannschaft besprochen haben. Es sind viele Dinge zusammengekommen, um in der Lage zu sein, sich noch einmal aufzubäumen. Wenn wir wieder aufstehen wollen - und zwar gemeinsam - dann können wir die Dinge auch erreichen.

Frage: Macht der Punktgewinn Ihre Arbeit in der kommenden Woche auch ein bisschen einfacher?

Allofs: Wer gewinnt hat Recht. Und wer unentschieden spielt, hat zumindest ein bisschen Recht. Die Partie war als Lerneffekt für die Mannschaft von Bedeutung. Und dieser Lerneffekt sollte unsere Arbeit leichter machen. Dieser Punktgewinn wird die Mannschaft noch enger zusammenbringen und sorgt für einen noch intensiveren Zusammenhalt. Aber: Wir werden bald auch wieder siegen müssen, um da unten raus zu kommen. Nur das ist der Weg.

Frage: Muss das jetzt die nötige Stimulanz für die kommende Auswärtspartie in Freiburg sein. Es gab in dieser Saison ja schon einige böse Niederlagen auswärts...

Allofs: Das muss Stimulanz für alle Spiele sein! Es wird nicht reichen, wenn wir sagen, wir punkten oder spielen nur zu Hause unentschieden.

Frage: Tim Borowski stand nach Monaten wieder in der Startelf, musste dann aber gleich wieder verletzt raus. Wie lange soll seine Leidenszeit noch gehen?

Allofs: Das verfolgt ihn schon die ganze Saison: Er ist verletzt und trainiert sich wieder an die Mannschaft. Dann wird er krank, kommt wieder zurück. Dann ist er wieder verletzt... So kann er natürlich nicht an sein Leistungsvermögen gelangen. Die halbe Stunde bis zu seiner Auswechslung war toll. Ich hoffe, dass die Verletzung nicht so schlimm ist und er nächste Woche wieder dabei sein kann. Er hat jetzt gefühlte fünf Spiele für uns gemacht und sollte eine tragende Rolle bei Werder spielen. Da ist es klar, dass man nicht zufrieden ist.

Frage: Es wurde viel geschrieben, dass Thomas Schaaf sich in letzter Zeit verändert habe. Wie nehmen Sie ihn derzeit wahr?

Allofs: Das wird nur an der Oberfläche gekratzt. Da heißt es, er ginge zum Lachen in den Keller und wäre mürrisch. Wir wissen doch auch, dass das Dinge sind, die so nicht stimmen. Dass wir alle etwas anders sind als nach einem Pokalsieg oder nach einer Meisterschaft, ist nachvollziehbar.

Frage: Die Bekundungen für Schaaf waren auch am Sonntag wieder zu hören und zu sehen. Freut Sie das?

Allofs: Es wird immer welche geben, die ihn nicht mehr als richtigen Trainer ansehen. Aber viel mehr sagen: Thomas Schaaf ist noch der richtige Trainer. Das Vertrauen in ihn wird ihm auch von vielen Seiten gezeigt. Dass das mal an die einhundert Prozent gegangen ist, ist schon außergewöhnlich. Und dass es jetzt ein paar Prozent weniger sind, ist angesichts unserer Tabellensituation ganz normal.

Frage: Sie haben die Zuschauer gelobt - aber Aaron Hunt wurde schon ausgepfiffen, bevor er überhaupt eingewechselt wurde.

Allofs: Jeder macht mal Fehler, auch die Fans. Wenn Aaron jetzt sagt: ‚Ich warte jetzt darauf, bis sie mir wieder freundlich gesonnen sind', wird das nicht gehen. Er muss gut spielen, er muss das zeigen und sich auch ein bisschen ändern. Da muss er jetzt durch. Aber wenn er schon ausgepfiffen wird, wenn er nur zur Bank gerufen wird, macht das einen Spieler nicht sicherer. Ich will keine Zuschauerschelte betreiben, und manchmal hat ein Spieler auch seinen Anteil daran. Wenn er sich aber bemüht und alles tut und wird dann noch ausgepfiffen, dann werden wir auch einschreiten. Wir wissen auch, dass Aaron sehr viel mehr kann und dass er sich dabei manchmal selbst im Weg steht.

Frage: Was glauben Sie, wie groß war der Lerneffekt für Hunt, Marko Arnautovic und Marko Marin, die allesamt zunächst nur auf der Bank saßen?

Allofs: Wichtig war, dass jeder zu jeder Sekunde bereit sein und sich als Teil der Mannschaft begreifen muss. Ich hoffe darauf, dass sie das erkannt haben und dass sie das für sich auch annahmen, um in Zukunft ein paar Dinge besser zu machen. Aber wir haben letzte Woche 0:4 verloren. Dann kann man schon etwas an der Mannschaft verändern. Und wenn man unter der Woche im Training das Gefühl hat, andere könnten das besser machen, dann ist das völlig normal, dass man auch mal draußen sitzt. Das kann nächste Woche aber schon wieder anders aussehen. Nur, wenn ein Spieler vollstes Verständnis dafür hätte, wenn er draußen sitzt, dann wäre ich sauer. Aber man muss auch sehen: Am Ende standen alle drei auf dem Rasen und haben mitgeholfen, den Punkt zu holen.

Frage: Es gibt Verwirrung um die Zukunft von Torsten Frings. Wie ist der Stand?

Allofs: Wir haben in der Türkei und in den Wochen danach gesprochen und die Möglichkeiten abgewägt. Alles ist möglich. Im Moment halten wir uns aber an die Dinge, die die Mannschaft nach vorne bringen können.

Analyse: Prödl rettet Werder einen Punkt

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