Gerald Asamoah im Interview

Asamoah: "Pfiffe in Dortmund? Das ist geil!"

Von Interview: Benny Semmler
Donnerstag, 17.02.2011 | 22:33 Uhr
Erlebt bei Pauli den zweiten Frühling: Stürmer Gerald Asamoah (r.) bejubelt sein Tor gegen den HSV
© Getty
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Am Mittwoch war Gerald Asamoah der Held im Stadtderby: Sein Siegtreffer bescherte dem FC St. Pauli den ersten Bundesliga-Sieg gegen den HSV seit 33 Jahren. Doch schon am Samstag wartet auf den 32-Jährigen das nächste Derby - zumindest ein gefühltes. Der Ex-Schalker reist mit St. Pauli zu Borussia Dortmund. Und freut sich auf die Reaktionen der BVB-Fans.

SPOX: Sie haben Ihrem Klub gerade den ultimativen Höhepunkt verpasst. Ein Sieg im Stadtderby. Gibt es etwas Schöneres?

Gerald Asamoah: Die Geburt meiner Kinder war auch sehr schön. Aber klar, das war ein besonderer Tag. Wir haben Geschichte geschrieben, das ist einfach weltklasse. Keiner hätte uns den Sieg zugetraut. Ich kann es immer noch nicht fassen. Wir, der kleine FC St. Pauli, gewinnen gegen den großen HSV. Und dann auch noch auswärts. Ich bin einfach unheimlich stolz auf unsere Truppe.

SPOX: St. Pauli holte schon elf Punkte in der Rückrunde, ist damit das beste Team der letzten Wochen. Erklären Sie das.

Asamoah: Alle haben in der Winterpause neue Spieler gefordert. Aber Stani war es egal. Er vertraut den Jungs total. Und wir spüren das. Wir wollen das Vertrauen so gut es geht zurückzahlen.

SPOX: In den letzten sechs Spielen waren Sie an acht Treffern direkt beteiligt - vier Tore, vier Vorlagen. Wie geht das?

Asamoah: Ganz einfach: Ich spiele endlich wieder auf meiner Position, ganze vorne als Spitze.

SPOX: War die Umstellung Ihre Idee oder hat sich der Trainer aus eigenen Stücken dafür entschieden, dass Sie wieder als echte Spitze agieren?

Asamoah: Also wenn es meine Idee gewesen wäre, hätte ich dem Trainer schon vorher signalisiert, dass ich lieber als echte Spitze spiele. Erst als Marius Ebbers sich verletzt hat, hat mich der Trainer weiter nach vorne geschoben. Seitdem läuft es.

SPOX: In der Hinrunde agierten Sie oft glücklos. Nicht wenige sprachen Ihnen das Prädikat Leistungsträger ab. Jetzt wirken Sie beinahe so stark wie zu Ihren besten Zeiten.

Asamoah: Ich habe ein Jahr lang kaum Fußball gespielt. Ich saß bei Schalke ja nur auf der Bank. Da ist es normal, dass man eine gewisse Eingewöhnungszeit benötigt. Dann habe ich mich zu Beginn der Saison direkt verletzt. Das wirft dich auch wieder zurück.

SPOX: Mittlerweile standen Sie in dieser Spielzeit über 1000 Minuten auf dem Feld. Davon waren Sie im vorigen Jahr Lichtjahre entfernt.

Asamoah: Ja, ich spiele einfach wieder Woche für Woche Fußball. Nur das bringt dich als Spieler weiter.

SPOX: Fast immer sind Sie der meistgefoulte Spieler auf dem Platz. Sie sind zweikampfsüchtig, oder?

Asamoah: Klar, ich brauche das. Ich versuche in jedem Zweikampf meinen Körper einzusetzen. Vielleicht mag es für einige Zuschauer auch so wirken, dass ich nur auf dem Boden liege. Aber es sind ja immer eindeutige Fouls, ich lasse mich ja nicht fallen. Ich haue mich nur voll rein.

SPOX: Jetzt geht es zum Spitzenreiter Borussia Dortmund. Mit welchen Gefühlen werden Sie dort auflaufen?

Asamoah: Ich bin noch immer ein Schalker. Deswegen ist das Spiel gegen Dortmund mindestens genauso emotional wie gegen den HSV. Zumindest für mich. Ich weiß schon jetzt, dass mich die Fans von der ersten bis zur letzten Minute beschimpfen werden, aber das macht auch Spaß, das ist geil. Ich bin heiß auf Dortmund.

SPOX: Als bestes Rückrundenteam könnten Sie sich auch in Dortmund etwas ausrechnen.

Asamoah: Dortmund ist Erster. Sehr souverän sogar. Ich werde jetzt nicht sagen, wir fahren dahin und hauen Dortmund weg. Das nimmt mir doch keiner ab.

SPOX: Wie weit ist der Klassenerhalt noch weg?

Asamoah: Sehr weit. Wir brauchen noch viele Punkte. In der Hinrunde sind wir auch gut gestartet und später eingebrochen. Das wollen wir jetzt besser machen. Aber wenn wir so weiterspielen, dann bleiben wir in der Bundesliga.

Gerald Asamoah im Steckbrief

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