Nerlinger: Wir haben die beste Mannschaft

SID
Donnerstag, 13.01.2011 | 13:41 Uhr
FCB-Manager Christian Nerlinger glaubt weiterhin an die deutsche Meisterschaft
© Getty
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Bayern München glaubt trotz 14 Punkten Rückstand auf Borussia Dortmund weiterhin an die Titelverteidigung. Christian Nerlinger erklärt im Interview die Zuversicht der Münchener.

Bayern München startet nach einer gelungenen Wintervorbereitung einen Großangriff auf Spitzenreiter Borussia Dortmund. Sportdirektor Christian Nerlinger spricht im Interview über Ziele, Arjen Robben, den Torwartwechsel und Vertragsgespräche.

Frage: Christian Nerlinger, was war Ihre wichtigste Erfahrung als Sportdirektor des FC Bayern in den vergangenen Monaten?

Christian Nerlinger: Es lief in meinem ersten Jahr super, aber auch da hat es schon Situationen gegeben, als wir einige Dinge korrigieren mussten. Jetzt erleben wir wieder ein Phase, wo wir in der Meisterschaft besser werden müssen. Aber gerade da kühlen Kopf zu bewahren, ist das A und O. Man muss die Dinge richtig analysieren und darf sich nicht anstecken lassen von emotionalen Einflüssen. Es ist wichtig, nach den Ursachen zu suchen.

Frage: Wo sehen Sie die Ursachen für die verkorkste Hinrunde?

Nerlinger: Wir sind in der Champions League mit fünf Siegen in sechs Spielen durchmarschiert, wir stehen im Pokal-Viertelfinale. Wenn das verkorkst ist... Okay, in der Bundesliga haben wir uns weniger Probleme und einen besseren Tabellenplatz erhofft.

Frage: Warum lief es gerade in der Liga nicht rund?

Nerlinger: Ich glaube, dass die Weltmeisterschaft nicht das wichtigste Kriterium war. Wir hatten einfach unglaubliches Verletzungspech. Man sieht es jetzt wieder: Wenn Arjen Robben und Franck Ribery dabei sind, hat diese Mannschaft einfach ein anderes Gesicht. Zu den beiden kamen dann aber noch sieben, acht Verletzte. Das konnten wir einfach nicht kompensieren. Und: Dortmund hat eine fantastische Vorrunde gespielt. Wenn sie so eine Rückrunde spielen, dann sind sie auch verdient deutscher Meister.

Frage: Es drängt sich aber trotz 14 Punkten Rückstand der Eindruck auf, dass der FC Bayern den Titel noch nicht abgehakt hat?

Nerlinger: Der Eindruck täuscht nicht. Wenn man in Katar die Mannschaft gesehen hat: Wir haben die beste Mannschaft in Deutschland. Das muss man einfach so festhalten. Wichtig war erst einmal, dass der Abstand zu Platz zwei geschrumpft ist. Das war immer mein Credo. Aber ich habe nie die deutsche Meisterschaft ausgeschlossen, wenn ich gesagt habe, dass wir uns auf Platz zwei konzentrieren müssen. Aber es geht nur Schritt für Schritt.

Frage: Was muss passieren, um das Unmögliche doch noch möglich zu machen?

Nerlinger: Wenn wir uns stabil präsentieren, dann haben wir eine Chance auf Dortmund Druck auszuüben. Wenn Dortmund es schafft, an die Leistungen der Vorrunde anzuknüpfen, ist es unmöglich. Aber wenn sie Schwäche zeigen, dann werden wir da sein. Da bin ich mir sicher.

Frage: Ist es nur die Rückkehr von Arjen Robben und Franck Ribery, die Sie optimistisch stimmt?

Nerlinger: Das spielt natürlich eine ganz wichtige Rolle, aber wir haben in Luiz Gustavo einen Super-Transfer getätigt. Er kann uns auf vielen Positionen weiterhelfen und ist auch menschlich ein absoluter Gewinn. Wenn ich mir den Kader so anschaue, stimmt mich das sehr zuversichtlich. Wir haben eine sehr, sehr starke Mannschaft, die siegeshungrig ist.

Frage: Trainer Louis van Gaal vollzieht einen Wechsel im Tor. Birgt dies nicht ein gewisses Risiko?

Nerlinger: Ich habe mich mit dem Trainer über diese Personalie ausgetauscht. Die Entscheidung und die Verantwortung über die Aufstellung trifft bzw. hat bei uns grundsätzlich immer der Trainer.

Frage: Der Druck auf Arjen Robben ist enorm. Wird er nach dieser langen Verletzungspause damit fertig?

Nerlinger: Arjen ist ein geborener Wettkämpfer. Druck spornt ihn eher an. Er ist ein Weltklassespieler, der diesen Druck nicht spürt. Er spürt nur den Drang, die Spiele zu gewinnen.

Frage: In der Hinrunde war insbesondere die Auswärtsschwäche der Bayern eklatant...

Nerlinger: Es waren komische Spiele. Wir hatten einige Spiele voll im Griff, aber nach einem Gegentor haben wir völlig den Faden verloren. Das darf einfach nicht mehr passieren - unabhängig von Auswärts- oder Heimspielen. Wenn Bayern München 1:0 führt, muss das wieder eine Bank sein. Daran arbeiten wir. Bei einem 1:0-Vorsprung müssen wir den Ball eben auch mal halten.

Frage: Wie wichtig ist ein guter Start in Wolfsburg?

Nerlinger: Wir stehen von Beginn an unter Druck. Wir dürfen uns keinen Ausrutscher und keine Schwächephase mehr erlauben, wenn wir unsere Ziele erreichen wollen. Die Qualifikation für die Champions League ist ein absolutes Muss. Deshalb ist ein Sieg zum Auftakt für uns unheimlich wichtig.

Frage: In der Champions League kommt es schon im Achtelfinale zur Revanche gegen Inter Mailand. Wie sehen Sie die Chancen?

Nerlinger: Inter hat den Trainer gewechselt - und über die Qualität der Mannschaft muss man ohnehin nicht reden. Das ist ein absolutes Hammerlos im Achtelfinale. Wir stellen uns dieser Aufgabe, es wird sehr schwierig, aber ich bin trotzdem optimistisch.

Frage: Spielen auch Revanchegelüste eine Rolle?

Nerlinger: Das Finale ist abgehakt, das war eine bittere Niederlage. Aber wenn wir Inter Mailand schlagen, wissen wir, dass wir alles gewinnen können. Das wird ein Schlüsselspiel.

Frage: Es laufen im Sommer einige Verträge aus. Wann werden Sie die Verhandlungen aufnehmen?

Nerlinger: Wir müssen in den nächsten Wochen erst einmal die sportlichen Grundlagen legen, es steht sehr viel auf dem Spiel, der Druck ist sehr groß. Deshalb sind Gespräche im Moment nicht angesagt. Vielleicht im späten Frühjahr.

Frage: Wird Kapitän Mark van Bommel in der Rückrunde das Bayern-Trikot tragen?

Nerlinger: Mark hat einen Vertrag bis Sommer. Und Spekulationen möchte ich nicht kommentieren.

Frage: Sein Vertrag läuft aus. Ist eine Verlängerung möglich?

Nerlinger: Darüber möchte ich jetzt nicht reden. Wir werden sehen.

Frage: Werden Sie die Mannschaft im Sommer weiter verstärken?

Nerlinger: Ich denke schon, dass punktuelle Verstärkungen notwendig sind. Ich bin aber erst einmal froh, dass die Mannschaft so steht. Jetzt müssen wir uns auf die Rückrunde konzentrieren, die wird schwer genug.

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