Michael Ballack im Interview

Ballack vs. Heynckes: Harmonie sieht anders aus

Von Für SPOX in Mönchengladbach: Markus Hoffmann
Sonntag, 23.01.2011 | 22:34 Uhr
Michael Ballack (r.) hat offenbar ein angespanntes Verhältnis zu Leverkusen-Trainer Jupp Heynckes
© Getty
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Das Verhältnis zwischen Michael Ballack und Bayer-Coach Jupp Heynckes scheint angespannt. Lange musste Ballack auf sein Comeback warten, nun macht er seinem Ärger ein wenig Luft. Im Interview spricht er über das großartige Comeback-Gefühl, Saisonziele und Wechselgerüchte um seine Person.

Michael Ballack musste lange auf sein Comeback bei Bayer Leverkusen warten. Zu lange, wie er selbst findet. Denn auch in Gladbach setzte ihn Trainer Jupp Heynckes zunächst auf die Bank. Nach dem Spiel deutete Ballack gegenüber "LIGA total!" Unstimmigkeiten im Verhältnis zum Bayer-Coach an: "Harmonie sieht anders aus", erklärte Ballack angefressen.

Frage: Herr Ballack, wie war es, endlich wieder auf dem Platz zu stehen?

Michael Ballack: (lacht) Na, besser als zu trainieren. Das war natürlich ein besonderer Moment, wieder eingreifen zu können. Als Fußballer vor so einer Kulisse, das ist schon wunderschön.

Frage: Wie haben Sie Ihr Comeback erlebt?

Ballack: Bei einer 2:0-Führung rein zu kommen war natürlich ganz angenehm. Dadurch hatte ich etwas mehr Platz. Meine Mannschaft hatte das Spiel ja vorher schon in die richtigen Bahnen gelenkt, wonach es am Anfang gar nicht aussah. Zumindest hat Gladbach besser gespielt, als es der Tabellenplatz aussagt. Wir hatten schon ziemlich zu kämpfen, vielleicht auch noch das Dortmund-Spiel im Hinterkopf. Nach dem 2:0 hatten wir das Spiel dann eigentlich gut im Griff, aber nach dem Anschlusstreffer wurde es vor allem bei Gladbachs langen Bällen nochmal gefährlich. Am Ende haben wir aber verdient gewonnen.

Frage: Nach einigen Testspieleinsätzen, wie groß war der Schritt heute für Sie?

Ballack: Für mich gibt es momentan nur große Schritte. Vom Training, über Testspiele bis zum Bundesligaspiel habe ich große Fortschritte gemacht. Natürlich hoffe ich, dass ich irgendwann wieder von Anfang an auf dem Platz stehen kann. Dafür werde ich weiter hart arbeiten. Spiele wie heute bringen mich aber natürlich auf jeden Fall weiter.

Frage: Wie weit sind Sie körperlich?

Ballack: Ich fühle mich wirklich ganz gut, auch in den letzten Trainingsspielen. Ich habe gut gearbeitet, sechs Wochen Vorbereitung mit Aufbautraining und zuletzt drei Wochen Mannschaftstraining. Ich habe schon gut Fuß gefasst. Aber nach einer halben Stunde heute eine genaue Einschätzung zu geben, ist schwer. Dafür brauche ich wohl zwei, drei Spiele über 90 Minuten.

Frage: Fühlen sie sich fit für 90 Minuten?

Ballack: Ich habe gut trainiert und könnte auch 90 Minuten spielen. Die Fitness holt man sich nicht im Training oder im Testspiel, dafür braucht man Bundesligaspiele. Da ist die Anspannung eine ganz andere, auch das Tempo ist höher und nur das bringt dich weiter. Heute war ein Anfang und mal sehen, wie es weitergeht.

Frage: Vertrauen Sie Trainer Jupp Heynckes, dass er Sie richtig dosiert einsetzt?

Ballack: Ich arbeite ja noch nicht so lange mit Heynckes zusammen. Ich habe allerdings einige Erfahrung mit Verletzungen und bin immer relativ schnell zurückgekommen. Auch meine Trainer haben immer recht schnell auf mich gebaut. Im Moment ist der Weg ein anderer, allerdings habe ich nun auch zwei schwere Verletzungen kurz hintereinander gehabt. Das ist auch neu für mich, da muss ich vielleicht auch mehr Geduld haben. Die hat man natürlich nie als Spieler, das ist ganz klar. Ich noch am wenigsten. Deshalb ist auch normal, dass ich spielen will. Aber er ist der Trainer und er muss es entscheiden.

Frage: Möglich, dass durch diese Situation plötzlich Wechselgerüchte mit Wolfsburg aufgekommen sind?

Ballack: Keine Ahnung, ich habe ja die Situation erklärt. Wenn Spieler verletzt waren und zurückkommen wollen, gibt es immer verschiedene Meinungen, das ist ja völlig normal. Ich habe meine und so ist es halt.

Frage: Ist Leverkusen als Zweiter nun Dortmund-Verfolger Nummer eins?

Ballack: Es wäre schön, wenn die da vorne jemand verfolgen würde. Klar fragt man uns jetzt, weil wir auf Platz zwei liegen. Aber um Ansprüche anzumelden, hätten wir im Heimspiel gegen Dortmund punkten müssen. Das haben wir nicht geschafft und deshalb können wir den Blick nach oben momentan vergessen. Die Aufgabe, Platz zwei zu erreichen, ist schon groß genug. Da gibt es ein dichtes Gedränge, da geht es von den Punkten her so eng zu, dass wir damit wirklich genug zu tun haben.

Frage: Was muss sich bei  Bayer verbessern?

Ballack: Wir müssen besser verteidigen. Wir tun uns auswärts leichter, weil wir dort vielleicht einen Tick konzentrierter in der Defensive stehen und weniger Tore kassieren. Zu Hause versuchen wir teilweise, alles spielerisch zu lösen. Daran müssen wir arbeiten. Wir haben am Freitag die Riesenchance, gegen einen Mitkonkurrenten (Hannover 96) für Luft zu sorgen und im Gegensatz zu den Spielen gegen Freiburg und Dortmund, wo wir es nicht geschafft haben, auch mal ein Ausrufezeichen an die Konkurrenz zu setzen. Wir wollen den zweiten Platz nun verteidigen, aber dafür müssen wir unsere Heimspiele gewinnen, denn auf Auswärtssiege können wir uns auf Dauer nicht verlassen.

Frage: Sehen Sie Hannover 96 als Mitkonkurrenten auf die Champions-League-Plätze?

Ballack: Wir haben jede Mannschaft, die oben steht, auf der Rechnung. Wir sind nicht so arrogant, dass wir so ein Spiel auf die leichte Schulter nehmen. Wir haben auswärts auch nur 2:2 gespielt und Hannover hat sich durch gute Leistungen den Tabellenplatz auch verdient. Aber wir wollen auf jeden Fall zeigen, dass wir zu Recht auf Platz zwei stehen.

Leverkusens Castro knockt Gladbach aus

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