Bayerns neuformierte Innenverteidigung

Breno: Nachhilfe auf Spanisch

Von Thomas Gaber
Dienstag, 11.01.2011 | 17:42 Uhr
Holger Badstuber (l.) kam 2002 von der Jugend des VfB Stuttgart zum FC Bayern
© Imago
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Breno und Holger Badstuber haben noch nie zusammengespielt. Der FC Bayern sieht in beiden allerdings das Abwehrzentrum der Zukunft. Bedenken gibt es keine.

Hamit Altintop schlug die Flanke von rechts mit viel Schnitt vom Tor weg. Kaum war der Ball in der Luft, war auch schon die Schärfe und Präzision der Flanke zu erahnen.

Im Strafraum lief Holger Badstuber in Position, kombinierte Timing und Sprunghöhe perfekt und traf den Ball frontal mit der Stirn. Ein Kopfball wie aus dem Lehrfilm - aber ohne Erfolg. Der Ball flog rechts am Tor vorbei. "Oh, Holger, das war nicht gut", schrie der im Mittelkreis verweilende Louis van Gaal.

Für Badstuber war es dennoch eine positive Erfahrung. Sein Bewegungsablauf ist wieder nahe am Optimum. Zwei Monate musste der 21-Jährige wegen einer Schambeinentzündung pausieren. "Jede Bewegung war schmerzhaft", erinnert sich Badstuber.

Letztes Spiel im Oktober

Seit dem 0:0 in Hamburg Ende Oktober hat er nicht mehr gespielt. In Doha trainierte er nach einem zweitägigen Individualprogramm wieder mit der Mannschaft, das Feintuning will er sich in den letzten Tagen vor dem Rückrundenstart des FC Bayern in Wolfsburg holen.

"Für mich ist es das Größte, wieder Fußball spielen zu können. Ich habe genug Pause gehabt und kann wieder voll angreifen", sagte Badstuber in Doha. Van Gaal braucht Badstuber, seine Nummer eins unter den Innenverteidigern. "Er spielt bei mir immer, wenn er fit ist. Er ist für mich der beste linke Innenverteidiger Deutschlands", erklärte der Coach während Badstubers Abwesenheit.

In den neun Hinrundenspielen der Bundesliga mit Badstuber kassierten die Bayern acht Gegentore, ohne ihn in acht Spielen zwölf. Van Gaal musste aufgrund von Verletzungen und Formtiefs seiner zentralen Abwehrspieler immer wieder improvisieren.

Wunschformation kam nie zustande

Weil Breno nach einem Kreuzbandriss noch bis November pausieren musste, spielte Daniel van Buyten. Der Belgier hatte jedoch während der Hinrunde mit körperlichen und persönlichen Problemen zu kämpfen. Zwischenzeitlich bekam sogar der in der Innenverteidiger-Hierarchie ans Ende gerückte Martin Demichelis eine Chance. In den letzten Spielen der Hinrunde setzte van Gaal auf Breno und Anatolij Tymoschtschuk.

Van Gaals Wunschformation kam nie zustande. Der Trainer plante schon zu Saisonbeginn langfristig mit dem Duo Badstuber/Breno. In Doha verlieh van Gaal seinem Vorhaben Nachdruck. Badstuber und Breno verteidigten in den meisten Trainingsspielen Seite an Seite.

Vor allem Breno stand bei verschiedenen Trainingsformen im Fokus. Tagelang probten die Bayern unter strenger Beobachtung von Co-Trainer Andries Joncker Varianten im Offensivspiel mit der voraussichtlichen Stammformation.

Breno für Spieleröffnung zuständig

Philipp Lahm und Arjen Robben wirbelten auf der rechten, Luiz Gustavo und Franck Ribery auf der linken Seite. Auf der Zehner-Position engagierten sich wahlweise Thomas Müller und Bastian Schweinsteiger, die einzige Spitze bildete Miroslav Klose als Vertreter für Mario Gomez, der nach seinem Muskelfaserriss vorwiegend Spezialtraining absolvierte.

Breno war stets Ausgangspunkt und verantwortlich für die Spieleröffnung. Der Brasilianer wurde dabei auffallend häufig von Joncker in der ihm vertrauten spanischen Sprache instruiert.

Die Zeit ist gekommen für das Innenverteidiger-Juwel, das sich die Bayern einst über zehn Millionen Euro kosten ließen und dessen Potential Präsident Uli Hoeneß kürzlich wiederholt in Euphorie verfallen ließ: "Breno ist auf dem besten Weg, einer der besten Innenverteidiger der Welt zu werden."

Schweinsteiger lobt Breno und Badstuber

Auch bei seinen Mannschaftskollegen hinterließ Breno einen bleibenden Eindruck. "Er ist sehr schnell. Es gibt nicht viele Innenverteidiger, die mit ihm mithalten können. Außerdem spielt er sehr körperbetont. Ich weiß von unseren Stürmern, dass sie nicht gerne gegen ihn spielen", sagte Bastian Schweinsteiger zu SPOX.

Bayerns dritter Kapitän gewährt Breno die Zeit, "noch dazuzulernen", nimmt die zentrale Abwehr aber gleichzeitig in die Pflicht. "Wir haben viele gute Innenverteidiger, die die Position auf ihre Weise interpretieren. Aber wir müssen unsere individuellen Fehler abstellen", so Schweinsteiger.

Dass Breno und Badstuber noch nie zusammengespielt haben, beunruhigt Schweinsteiger nicht: "Holger stand schon im Champions-League-Finale und hat schon eine WM gespielt. Er spielt für sein Alter sehr ruhig und abgeklärt. Beide haben eine große Zukunft vor sich. Auf lange Sicht kann das eine sehr gute Innenverteidigung werden. "

Van Gaal hat "vollstes Vertrauen"

Badstuber ist der Chef, Breno der Adjutant. Beide müssen sich noch aneinander gewöhnen. Mit Thomas Kraft spielt ein Bundesliga-Novize im Tor und mit Luiz Gustavo ein Neuzugang links in der Viererkette, der hohe Qualität verspricht, dessen Probezeit aber bis zum ersten Spiel in Wolfsburg auf ein Minimum beschränkt ist.

Bayerns neuformierte Abwehr liefert schon vor der ersten Ballberührung genügend Diskussionsstoff. Nicht für den Trainer. Van Gaal sieht die Mannschaft bestens gerüstet: "Ich habe vollstes Vertrauen in alle Spieler."

FC Bayern: Bereit für die Aufholjagd

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