Mittwoch, 08.12.2010

Spielervermittler machen große Kasse in der DFL

Liga zahlt Spielervermittlern 71,6 Millionen Euro

Spielervermittler im deutschen Profi-Fußball verdienen gut: In den ersten beiden Ligen der Saison 2009/10 flossen 71,6 Millionen Euro aus Transfers in die Geldbeutel der Berater.

Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler begrüßt die Reform des Transferwesens
© Getty
Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler begrüßt die Reform des Transferwesens

Spielervermittler machen im deutschen Profi-Fußball weiter große Kasse. Die 36 Erst- und Zweitligisten haben in der abgelaufenen Saison 2009/2010 nach Angaben der Deutschen Fußball Liga insgesamt 71,6 Millionen Euro im Zuge von Transfers an die Berater überwiesen.

FIFA planzt Reform des Transferwesens

Doch der Weltverband FIFA plant im kommenden Jahr eine Reform des Transferwesens. Zunächst wird die Lizenzpflicht für Berater abgeschafft. Und ab 2012 sollen die Spielervermittler bei Transfers nur noch drei Prozent und nicht wie derzeit noch üblich zehn Prozent der Ablöse kassieren.

"Drei Prozent sind der Oberwitz", sagte der lizenzierte Berater Lars-Wilhelm Baumgarten der "Sport Bild". Dass die FIFA die Lizenz abschaffen und damit unter anderem 14 Millionen Euro sparen will, bringt den Vermittler der Agentur "Stars and Friends" erst recht auf die Palme.

"Ich hoffe, dass der DFB seinen Einfluss geltend macht und diesen Unfug verhindert. Man kann nur überrascht sein, wie der Fußball Korruption bei der FIFA beklagt und selbst alle Tore für den Wilden Westen aufmacht", sagte Baumgarten.

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Bundesliga-Manager begrüßen Reform

Die Bundesliga-Manager sehen indes Handlungsbedarf und begrüßen die Reform des Transferwesens. Denn wenn die Spielervermittler bei ihren Provisionen in Zukunft Abstriche machen müssen, bleibt den Vereinen mehr Geld für Einkäufe.

"Man sieht ja, dass die Lizenzpflicht ständig umgangen wird. Das Problem mit den Spielervermittlern ist durch die Lizenz nicht gelöst worden. Nach den Erfahrungen der letzten Jahre ist die Idee der FIFA, die Lizenzierung der Spielervermittler zu reformieren, deshalb absolut nachzuvollziehen", sagte Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler: "Mir tun nur diejenigen leid, die schwer für die Lizenz gebüffelt und Geld dafür ausgegeben haben."

Eintracht Frankfurts Vorstandschef Heribert Bruchhagen ist allerdings nicht davon überzeugt, dass neue FIFA-Regularien zu einer Änderung der Marktlage führen.

"Dieser Markt bewegt sich außerhalb jeglicher Regeln, das wird auch in Zukunft so sein. Aber eine Lizenz für Spielervermittler auszustellen ist so, als wenn man in der Sahara die Straßenverkehrsordnung einführen will", sagte Bruchhagen dem SID.

Vermittler kritisieren Abschaffung der Lizenz

Die lizenzierten Berater sehen das naturgemäß anders. "Die Abschaffung der Lizenz ist der falsche Schritt in die falsche Richtung. Auch wenn sie ihre Lücken hat, war es eine Möglichkeit, in der Branche die Spreu vom Weizen zu trennen", sagte Gregor Reiter, Geschäftsführer der Deutschen Fussballspieler-Vermittler Vereinigung (DFVV).

Der gelernte Jurist fordert neben der Beibehaltung der Lizenz, für die es neben dem Bestehen einer Prüfung weitere Voraussetzungen gibt, ein bei den Zahlungsvorgängen zwischen Vereinen und Beratern zwischengeschaltetes Institut. Das mache Regelverstöße einzelner Berater zwar "nicht unmöglich, aber schwieriger".

Die FIFA hatte im Oktober bestätigt, dass eine Arbeitsgruppe an einer weitreichenden Reform arbeite, da maximal 25 bis 30 Prozent aller Transfers weltweit von lizenzierten Vermittlern abgewickelt werden.

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