Schalke 04 vs. FC Bayern

Kuh auf dem Glatteis

Von Fatih Demireli
Freitag, 03.12.2010 | 18:53 Uhr
Beim Supercup vor dem Bundesliga-Start gewann der FC Bayern gegen Schalke 04 mit 2:0
© Getty
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Der FC Schalke 04 und der FC Bayern wollten sich eigentlich ein Duell um die Spitze liefern. Bayern ist nach 14 Spieltagen Fünfter, die Knappen sogar auf Platz 15. Es läuft anders als erwartet - gerade deshalb ist das direkte Aufeinandertreffen so wichtig. SPOX sagt, worauf es ankommt.

Louis van Gaal wollte eigentlich eine klare Ansage machen: "Wir müssen jetzt eine Serie starten, um Punkte aufzuholen. Das ist so wahr wie eine Kuh." Verstanden hat man den zweiten Teil seiner Äußerung aber nicht wirklich. Zwar erklärte der Niederländer, dass es sich um ein holländisches Sprichwort handele, aber die genauere Bedeutung wusste nicht mal van Gaal genau. Nur eines ist klar: Die Kuh steht auf Schalke und in München auf dem Glatteis, beide Mannschaften haben bei Platz 15 bzw. Platz 5 noch einiges gut zu machen.

Felix Magath versuchte es mit ungewöhnlichen Strafen, als er seinen Spielern winterfeste Trainingskleidung verweigerte. Ob die Maßnahme reicht, um drei Punkte gegen Bayern einzufahren? Der gegenseitige Respekt ist auf jeden Fall da: "Bayern kommt langsam wieder in Tritt. Aber sie sind noch nicht so stark wie in der Vorsaison", so Magath. Van Gaal meint, dass Schalke nach dem 0:5 gegen Kaiserslautern "gefährlicher ist, als wenn sie gewonnen hätten".

Worauf es am Samstag (ab 18.15 Uhr im LIVE-TICKER) besonders ankommt...

Wer macht bei Schalke 04 den Jones?

Felix Magath hat genug: Jermaine Jones ist endgültig suspendiert, wird vor der Winterpause kein Spiel mehr für Schalke 04 machen. Magath gefiel die "Spielauffassung" des defensiven Mittelfeldspielers zuletzt nicht. Die Suche nach einem Vertreter bzw. einem Nebenmann für Peer Kluge ist voll im Gange. Joel Matip, der in der vergangenen Saison ein sensationelles Bundesliga-Debüt gegen den FC Bayern feierte, dürfte nach zuletzt sehr schwachen Leistungen kaum eine Alternative darstellen. Bleiben zwei Kandidaten: Ivan Rakitic und Kyriakos Papadopoulos.

Die Wahl des zweiten Sechsers wird unmittelbar mit der grundsätzlichen Ausrichtung Magaths gegen den FC Bayern zutun haben. "Papa" wäre eine Überraschung, für die Magath aber immer gut ist. Papadopoulos könnte gegen Bayern den Zerstörer mimen, sich dabei auch um die Kreise Bastian Schweinsteigers kümmern. Es ist davon auszugehen, dass Schweinsteiger erneut hinter der Spitze auflaufen wird. Notfalls könnte Papadopoulos sogar in die Manndeckung gehen.

Das kreative Element würde bei einer Doppelsechs Kluge/Papadopoulos aber sicherlich abhanden kommen. "Es fällt uns scheinbar leichter, zu Hause Stärke zu zeigen", sagt Magath. Wenn die Knappen das Spiel machen dürfen, fühlen sie sich wohler. Aufgrunddessen kommt Magath am deutlich kreativeren Rakitic wohl nicht vorbei.

Der Breno-Watch: Die neue Rolle des Bayern-Juwels:

Weder Leistung noch Personal: Konstanz ist in der bayerischen Innenverteidigung in dieser Saison nicht zu erkennen. Van Buyten, Demichelis und Badstuber wechselten sich verletzungs- oder formbedingt ab. Aufs Abwehrkarussell gestiegen ist nun auch Breno. Der Brasilianer hat seinen Kreuzbandriss auskuriert und ist inzwischen zur festen Größe avanciert. Louis van Gaal hält viel vom Brasilianer: "Er ist ein wichtiger Spieler, weil er eine Qualität hat: seine Schnelligkeit  So können wir weiter vor unserem Tor spielen. Es ist ein großer Vorteil, dass wir durch Breno noch mehr taktische Möglichkeiten haben."

Schon gegen Eintracht Frankfurt zeigte Breno, wie wertvoll er sein kann: sowohl defensiv als auch offensiv. Breno hat van Buyten und Demichelis voraus, das Spiel sauber von hinten aufbauen zu können. Eine weitere Stärke, die van Gaal am Brasilianer schätzt. Nur ein idealer Partner ist noch nicht gefunden. Möglichweise landet Daniel van Buyten aufgrund seiner schwachen Form auf der Bank. Angeblich plant van Gaal sogar Anatolij Timoschtschuk wieder in die Verteidigung zurückzuziehen.

Mark van Bommel ist zurück: Wie läuft Louis van Gaals Mittelfeld auf?

"Die Fragen sind berechtigt", sagte Louis van Gaal, aber beantworten wollte sie der Niederländer noch nicht. Was passiert mit Mark van Bommel? Darf sich Toni Kroos erneut auf der Sechs probieren? Kann es sich van Gaal leisten, seinen Erfolgsgaranten Timoschtschuk (vier Siege, drei Remis, keine Niederlage) rauszunehmen, kurz: wie sieht das Mittelfeld der Bayern auf Schalke und auch künftig aus? Der Reihe nach: Louis van Gaal legt großen Wert darauf, ob ein Spieler medizinisch fit oder spielfit ist. Spieler, die nach Verletzung wieder im Training sind, gelten für van Gaal als grundsätzlich fit, aber nicht spielbereit. Unter diese Kategorie fiel zuletzt van Bommel, weswegen der Kapitän nicht für die Startelf in Frage kam.

"Er ist jetzt spielfit", sagt van Gaal, sprich: Mark van Bommel könnte auf Schalke in der Startelf stehen. Doch wird er das auch? Fakt ist, dass das Zusammenspiel zwischen den Doppelsechsern Kroos und Timoschtschuk sowie dem Zehner Schweinsteiger gut funktionierte. Kroos meldete sogar, künftig öfter die Rolle im Zentrum übernehmen zu können. "Timo" wird seinen Platz in der Elf wohl nicht verlieren, aber die wahrscheinlichste Möglichkeit für einen Einsatz von Mark van Bommel könnte Timoschtschuks Aufstellung in der Innenverteidigung sein.

Gomez vs. Raul und Huntelaar - Top-Stürmer im Duell:

Da treffen sich zwei, die sich mögen: Klaas-Jan Huntelaar berichtete in der "Sport Bild", dass er ein großer Fan von Louis van Gaal sei. Der Bayern-Coach sendete nette Worte zurück: "Er ist der beste Stürmer der Welt im Sechzehnmeterraum und das bestätigte er immer wieder." Ein stärkeres Lob kann es kaum geben, bei zehn Toren in 17 Pflichtspielen von Huntelaar mag man van Gaal kaum widersprechen. Doch auch der Bayern-Coach darf sich nicht beklagen: Mario Gomez schoss 15 Tore in seinen letzten elf Pflichtspielen für die Bayern und traf zuletzt in sieben Pflichtspielen in Serie.

Nicht ganz so rosig sieht die Bilanz Rauls aus. Der Dreierpack gegen Bermen war ein kurzlebiges Highlight. So richtig angekommen ist der Spanier noch nicht. Van Gaal scheint die Gründe zu kennen: "Jeder Spieler kann sein Alter tarnen, aber die Jahre zählen weiter. Viele sagen, dass 27 das beste Alter ist, das Beste zu zeigen. Wenn man über 30 ist, wird das immer weniger. Raul hat es aber immer noch drauf, fantastische Tore zu machen, weil er das Auge und die Fähigkeiten dafür hat." Und da ist ja noch Rauls Vorliebe gegen van Gaals Mannschaften zu treffen. "Als ich Barca-Trainer war, hat er gegen mich immer getroffen. Und dann auch wieder in der Vorbereitung für Schalke gegen uns. Ich hoffe, diesmal trifft er nicht."

Ob Gomez, Huntelaar oder Raul: die wackeligen Abwehrreihen stehen gehörig auf der Probe, auf beiden Seiten stehen Stürmer vorne drin, die zurzeit jeden Fehler gnadenlos ausnutzen.

Schalkes Schlüsselspieler: Jefferson Farfan

Wenn ein Spieler bei den Knappen in dieser Saison überzeugt, dann ist es Farfan - und das obwohl der Peruaner eine für ihn etwas ungewöhnliche Rolle ausfüllen muss. Als rechter Mittelfeldspieler ist er mit offensiven aber auch defensiven Aufgaben ausgestattet. Anfangs habe er "Selbstzweifel" wegen seiner Rolle gehabt. "Jetzt bin ich froh darüber, wie es funktioniert. Rennen und kämpfen, um dem Gegner den Ball abzujagen, macht mir sogar Spaß." Der Spaß ist Farfan anzusehen, die Leistungen sprechen für sich.

Gegen den FC Bayern könnte der Südamerikaner die Hauptwaffe Magaths werden, zumal die linke Abwehrseite sicherlich nicht die größte Stärke der Bayern ist. Sollte van Gaal erneut Pranjic eine Chance geben, wird es kein ungleiches Duell, zumal Pranjic ähnlich wie der "neue" Farfan in beide Richtungen seine Stärken ausspielen kann. Van Gaal könnte aber auch mit dem Rückkehrer Contento einen defensiv etwas stärkeren Spieler aufstellen, der Farfans Kreise stört.

Bayerns Schlüsselspieler: Franck Ribery

Ganz der Alte ist Ribery noch nicht, aber zwei Torvorlagen gegen Eintracht Frankfurt machen Hoffnung auf mehr. "Ich fühle mich immer besser und bin in sehr guter Verfassung", sagt Ribery selbst. Auch weil der Franzose zuletzt mit Louis van Gaal "viel gesprochen" habe. Besonders das Zusammenspiel mit Mario Gomez klappt - etwas überraschend - schon sehr gut. Befürchtungen, auch von Gomez, dass mit Riberys Rückkehr die Flanken und dadurch Gomez' Präsenz abnehmen, bewahrheiteten sich nicht. Stattdessen suchen sich die beiden Offensivkräfte immer wieder in Kombinationen.

Für die Schalker wird es wichtig, Ribery zu stoppen: dessen möglicher Gegenspieler Atsuto Uchida in den letzten Wochen zeigte, dass der japanische Neuzugang durchaus Qualitäten für die Bundesliga hat, aber das 0:5 gegen Kaiserslautern war auch für Uchida ein Rückschlag. Gegen die Pfälzer war der Japaner einer der schwächsten Schalker. Doch Uchida ist genau der Spielertyp, der Ribery das Leben schwer machen könnte: wendig, schnell, hartnäckig und, wenn es sein muss, auch mal nervtötend. "Ich habe vielleicht das Blut der Samurai", witzelte Uchida erst neulich.

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