Donnerstag, 16.12.2010

Renato Augusto im Interview

"Schweinsteiger ist der Beste"

Leverkusen liegt in der Bundesliga als Zweiter auf Champions-League-Kurs. Im Interview spricht der 22-jährige Mittelfeld-Star Renato Augusto über die Situation bei Bayer, seine Kindheit in Brasilien und den Grund für seine herausragende Technik.

Renato Augusto beim Trikottausch mit Bayerns Bastian Schweinsteiger (r.)
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Renato Augusto beim Trikottausch mit Bayerns Bastian Schweinsteiger (r.)

SPOX: Es heißt, Sie sollen Anfang Februar gegen Frankreich für die brasilianische Nationalmannschaft debütieren. Das große Ziel aller brasilianischen Fußballer, bei der Heim-WM 2014 dabei zu sein, scheint für Sie damit durchaus greifbar.

Renato Augusto: Wenn ich in Frankreich tatsächlich dabei sein sollte, würde für mich ein Kindheitstraum in Erfüllung gehen. Die WM ist natürlich ein Ziel für die Zukunft. Ich denke aber eher an das Jetzt. Wenn ich gut bei Bayer spiele, wir Erfolge haben, dann entwickeln sich die Dinge.

SPOX: Fußball hat in Brasilien einen ganz anderen Stellenwert als in vielen anderen Ländern. Warum bedeutet er den Brasilianern so viel?

Augusto: Die Menschen sind in Brasilien im Allgemeinen bedürftiger. Vielen geht es nicht so gut wie beispielsweise den Menschen in Europa. Leidenschaft und Lebensfreude bringt den Brasilianer insbesondere der Fußball. Für ihn können sie sich begeistern, er bringt ihnen Spaß. Bei mir war es ja genauso. Der Fußball hat schon meine Kindheit geprägt und mir viel Freude bereitet.

SPOX: Woran erinnern Sie sich, wenn Sie an Ihre Kindheit in Rio de Janeiro denken?

Augusto: Vor allem an meine Freunde und Familie, aber auch an meine Schulzeit. Und natürlich ans tägliche Fußballspielen. Das sind sehr schöne Erinnerungen.

SPOX: Wer wollten Sie beim Kicken auf dem Bolzplatz früher immer sein?

Augusto: Romario und Ronaldinho haben mich immer beeindruckt. Aber ich wollte nie so sein wie jemand anderes. Ich wollte niemals jemanden auf dem Platz imitieren.

Berühmte Brasilianer der Bundesliga
Raoul Tagliari war der erste Brasilianer in der Bundesliga. Er war von 1964-66 beim Meidericher SV und erzielte vier Treffer in neun Spielen
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Raoul Tagliari war der erste Brasilianer in der Bundesliga. Er war von 1964-66 beim Meidericher SV und erzielte vier Treffer in neun Spielen
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Tita kam 1987 für eine Saison nach Leverkusen. Seine starke Bilanz: 21 Spiele, zehn Tore und der Gewinn des UEFA-Cups 1988
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Tita kam 1987 für eine Saison nach Leverkusen. Seine starke Bilanz: 21 Spiele, zehn Tore und der Gewinn des UEFA-Cups 1988
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Jorginho trug von 1989 bis 1992 das Bayer-Trikot. Danach zog es ihn für drei Jahre zu den Bayern. In 154 Bundesligaspielen erzielte er 15 Treffer
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Mazinho und Bernardo gehörten Anfang der 90er Jahre trotz passender Lederhose zu den erfolgloseren Brasilianern der Liga
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Von 1993-95 bestritt Carlos Dunga (r.) 54 Spiele für den VfB Stuttgart. Der heutige Nationaltrainer der Selecao steuerte sieben Treffer für die Schwaben bei
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Von 1993-95 bestritt Carlos Dunga (r.) 54 Spiele für den VfB Stuttgart. Der heutige Nationaltrainer der Selecao steuerte sieben Treffer für die Schwaben bei
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Mitten im Getümmel war Julio Cesar von 1994 bis 1999 beim BVB. Danach ging es nach Bremen. Bei 92 Einsätzen brachte er es auf sieben Tore
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Mitten im Getümmel war Julio Cesar von 1994 bis 1999 beim BVB. Danach ging es nach Bremen. Bei 92 Einsätzen brachte er es auf sieben Tore
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1997 wagte Emerson den Sprung nach Europa und spielte bis 2000 sehr erfolgreich für die Bayer-Elf. 82 Spiele und 11 Tore standen auf seinem Konto
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1997 wagte Emerson den Sprung nach Europa und spielte bis 2000 sehr erfolgreich für die Bayer-Elf. 82 Spiele und 11 Tore standen auf seinem Konto
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Ballkünstler Ratinho war von 1996 bis 2003 auf dem Betzenberg aktiv. In 147 Spielen brachte es "das Mäuschen" lediglich auf zehn Treffer
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Ballkünstler Ratinho war von 1996 bis 2003 auf dem Betzenberg aktiv. In 147 Spielen brachte es "das Mäuschen" lediglich auf zehn Treffer
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Von 1997 bis 2002 schnürte Paulo Rink die Leverkusen-Schuhe. Stationen in Nürnberg und Cottbus folgten. Insgesamt machte er 119 Spiele und 35 Tore
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Von 1997 bis 2002 schnürte Paulo Rink die Leverkusen-Schuhe. Stationen in Nürnberg und Cottbus folgten. Insgesamt machte er 119 Spiele und 35 Tore
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Paulo Sergio zauberte von 1993 bis 1997 in Leverkusen und von 1999 bis 2002 in München. Mit 68 Toren in 198 Spielen blieb er der Liga in guter Erinnerung
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Von 1994-97 ging Giovane Elber im Ländle auf Torejagd, danach ging es bis 2004 nach Bayern. Seine Bilanz: 256 Spiele und 133 Tore
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Von 1994-97 ging Giovane Elber im Ländle auf Torejagd, danach ging es bis 2004 nach Bayern. Seine Bilanz: 256 Spiele und 133 Tore
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Der spätere Bayer und Hamburger Ze Roberto kam 1998 nach Leverkusen, wo er bis 2002 17 Tore in 113 Spielen schoss
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Leonardo de Deus Santos kam 1998 als 20-Jähriger aus Brasilien nach Dortmund: "Ich dachte, ich erfülle meinen Dreijahres-Vertrag und gehe dann wieder weg"
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Von 2001 bis 2004 trug Marcio Amoroso zum Erfolg des BVB bei. 28 Tore in 59 Spielen konnten sich sehen lassen
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Von 2001 bis 2004 trug Marcio Amoroso zum Erfolg des BVB bei. 28 Tore in 59 Spielen konnten sich sehen lassen
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Alex Alves ging von 1999 bis 2003 für die Hertha auf Torejagd. In 81 Spielen brachte er es immerhin auf 25 Treffer
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Alex Alves ging von 1999 bis 2003 für die Hertha auf Torejagd. In 81 Spielen brachte er es immerhin auf 25 Treffer
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Paradiesvogel in Berlin: Von 2001-06 war Marcelinho der Star der Hauptstadt. 70 Tore in 173 Spielen lautet seine Erfolgsbilanz
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Paradiesvogel in Berlin: Von 2001-06 war Marcelinho der Star der Hauptstadt. 70 Tore in 173 Spielen lautet seine Erfolgsbilanz
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In Bremen ging sein Stern auf. Von 1998 bis 2004 spielte Ailton an der Weser. Mit 169 Spielen und 88 Toren wurde er zum Publikumsliebling
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In Bremen ging sein Stern auf. Von 1998 bis 2004 spielte Ailton an der Weser. Mit 169 Spielen und 88 Toren wurde er zum Publikumsliebling
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Vor seinem Wechsel nach München spielte Lucio von 2000 bis 2004 in Leverkusen. Der Abwehrspieler erzielte 15 Treffer für die Werkself
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Vor seinem Wechsel nach München spielte Lucio von 2000 bis 2004 in Leverkusen. Der Abwehrspieler erzielte 15 Treffer für die Werkself
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SPOX: Sie sind nun seit rund zweieinhalb Jahren in Leverkusen. Wo liegen die größten Unterschiede zwischen Brasilien und Deutschland?

Augusto: Es gibt nur wenige Gemeinsamkeiten und dafür sehr viele Unterschiede. Eigentlich ist alles anders, nicht nur das Wetter. Auch die Kultur, auch der Fußball. Aber ich habe mich in Deutschland gut eingelebt...

SPOX: ...und das sehr schnell. Anders als viele Südamerikaner hatten Sie keinerlei Anlaufschwierigkeiten. Warum?

Augusto: Bayer hat mir eine gute Struktur gegeben, die es mir nicht nur auf, sondern auch abseits des Platzes leicht gemacht hat. Und natürlich hat mich auch die Mannschaft mit offenen Armen empfangen.

SPOX: Innerhalb der Mannschaft war auch jetzt die Freude groß, als Sie nach Ihrer Verletzungspause wieder ins Team zurückgekehrt sind. Gegen den HSV haben Sie gezeigt, warum. War das der Renato Augusto, wie Sie sich selbst ihn vorstellen?

Augusto: Sagen wir es so: Nach der Verletzung bin ich noch nicht bei 100 Prozent, aber nahe dran.

SPOX: Gegen Hamburg gelang Ihnen ein Treffer per Heber. Ihre technischen Fähigkeiten werden von allen Seiten gelobt. Woher kommen diese Qualitäten?

Augusto: Ich habe zehn Jahre lang Futsal gespielt. Wenig Platz, kurze Dribblings - das hat mir immer geholfen. Es freut mich natürlich zu hören, wenn Leute mich loben. Aber ich möchte noch einige Dinge verbessern.

SPOX: Sie zählen zu den technisch besten Spielern der Liga, wer ist Ihrer Meinung nach der beste Spieler der Bundesliga?

Augusto: Bastian Schweinsteiger.

SPOX: Schweinsteiger hinkt mit den Bayern derzeit weit hinter Tabellenführer Borussia Dortmund her. Leverkusen liegt zwischen beiden Klubs. Schauen Sie in der Tabelle momentan eher auf den BVB oder darauf, wie weit die Bayern hinter Bayer liegen?

Augusto: Dortmund hat momentan einen großen Punktevorsprung. Und wir hatten leider viele Verletzungsprobleme in der Hinrunde. Deswegen halte ich es lieber so, dass ich nur auf uns selbst schaue. Und da gilt: Wir wollen möglichst in jedem Spiel Punkte mitnehmen.

Renato Augusto im Steckbrief

Interview: Daniel Börlein

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