"Ich hoffe auf den Weihnachtseffekt"

Von Interview: Andreas Rebmann
Sonntag, 26.12.2010 | 11:00 Uhr
Torwart Markus Pröll hat 113 Mal für Köln und Frankfurt in der Bundesliga gespielt
© Getty
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Torhüter Markus Pröll galt in seiner Zeit bei Eintracht Frankfurt als einer der besten Keeper der Bundesliga. Seit dem Sommer 2010 steht der 31-Jährige nun ohne Verein da - sein Vertrag bei der Eintracht wurde nicht verlängert. Pröll spricht im Interview über die arbeitslose Zeit, die Jobsuche und einen fatalen Zusammenstoß mit einem kleinen Mädchen.

SPOX: Herr Pröll, Sie sind seit dem Sommer ohne Verein. Bei der Eintracht hat man Sie gelegentlich als Stürmer in Freundschaftsspielen eingesetzt. Wäre das nichts für Sie?

Markus Pröll: Mir hat das damals immer Spaß gemacht, mal auf dem Feld zu spielen. Das war aber mehr aus Jux und Dollerei. Ich habe dabei dann schon das eine oder andere Tor gemacht, wurde aber immer super bedient. So sagt man das doch als Stürmer, oder? (lacht)

SPOX: Wahrscheinlich. Ernsthaft: Wie kam es aus Ihrer Sicht zu Ihrer aktuellen Situation?

Pröll: Ich war sieben Jahre in Frankfurt und hatte dort eine sehr erfolgreiche Zeit mit dem Aufstieg in die Bundesliga, dem DFB-Pokalfinale und Spielen im UEFA-Cup. Mein Hauptproblem war, dass ich mir in dieser Zeit drei schwierige Verletzungen zugezogen habe, die mich immer wieder zurückgeworfen haben. Wenn dann der Ersatzmann gut spielt, ist es auf der Torwartposition nicht immer so, dass man direkt im Kasten steht, wenn man wieder fit ist. Als der Verein mit Ralf Fährmann einen jungen Keeper verpflichtete, wurde mir mitgeteilt, dass mein Vertrag nicht verlängert wird. Seitdem bin ich auf der Suche und habe bis dato leider noch keinen neuen Verein gefunden.

SPOX: Es gab ja sicherlich Angebote und Anfragen. Warum hat es nicht geklappt?

Pröll: Es war einfach kein Angebot dabei, das mich zu hundert Prozent überzeugt hat. Ich hätte ins Ausland gehen können, beispielsweise nach Griechenland oder in die Türkei. Ich bin aber nun in einem Alter, in dem man sich überlegen muss, welchen Schritt man als nächstes macht. Es ist eben schwierig, wenn man mit 31 in einer Liga spielt, in der man nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt bekommt. Da ist das Risiko hoch, schnell von der Bildfläche zu verschwinden.

SPOX: Hätten Sie sich jemals vorstellen können, dass Ihnen ein solches Schicksal widerfährt? Sie waren vor wenigen Jahren immerhin einer der besten Keeper der Bundesliga.

Pröll: So ist eben das Geschäft, so blöd es sich anhört. Mit meinem Namen verbindet man nun auch diverse Verletzungen. Davon ist aber rein gar nichts zurückgeblieben, ich habe keine Beschwerden und alles ist ausgeheilt.

SPOX: Ihre letzte Verletzung war besonders unglücklich: Nach einem Freundschaftsspiel der Eintracht sind Sie mit einem kleinen Mädchen zusammengestoßen und haben sich das Schultereckgelenk gesprengt. Können Sie die Geschichte noch einmal erzählen?

Pröll: Als wir nach Spielende vom Platz gegangen sind, bin ich recht nah an einem etwas größeren Mann vorbeigelaufen. Hinter dessen Rücken kam plötzlich ein kleines Mädchen hervor. Das habe ich auf die Seite gehoben, damit ich sie nicht über den Haufen renne. Mit ihr im Arm bin ich auf die Schulter gefallen. Ich habe sie weiter festgehalten, damit ihr nichts passiert. Für sie wäre das wohl recht schlimm ausgegangen und für mich lief es dann eben unglücklich.

SPOX: Inwiefern hat sich Ihr Blick auf den Fußball durch die arbeitslose Zeit verändert?

Pröll: Man kommt schon ins Grübeln. Gerade in die Richtung, ob man nicht das eine oder andere hätte anders machen können. Auf der anderen Seite muss ich sagen, dass ich immer mein Bestes gegeben habe. Besonders viel kann ich mir nicht vorwerfen.

SPOX: Wie haben Sie seit dem Sommer Ihre Zeit verbracht?

Pröll: Ich habe bei der zweiten Mannschaft von Bayer Leverkusen mittrainiert. Es war sehr nett von ihnen, einen Kölner wie mich aufzunehmen. (lacht) Dort herrschen sehr professionelle Bedingungen. Ulf Kirsten ist ein sehr guter Trainer. Parallel dazu werde ich im Januar meine Abschlussprüfung zum Fußballmanager in Düsseldorf machen. Man muss ja auch für die Zeit nach der Karriere vorsorgen.

SPOX: Der Markt für Torhüter in der Bundesliga ist mehr oder weniger zu, Talente haben aus sportlichen und finanziellen Gründen meist Vorrang. Zuletzt haben Sie ein Probetraining beim 1. FC Köln absolviert. Leider erfolglos.

Pröll: Es ist ja das gute Recht eines Vereins, einen Torhüter zu testen. Ich habe auch einen guten Eindruck hinterlassen, aber der Verein wollte sich mit der Entscheidung Zeit lassen. Das ist auch absolut legitim, da es einfach eine wichtige Position ist, die ich bekleide.

SPOX: Auf was wird bei einem solchen Training Wert gelegt?

Pröll: Man wollte sehen, ob ich mich noch richtig lang machen und abspringen kann und keinerlei Einschränkungen bei den diversen Bewegungen habe. Abgesehen von der Spielpraxis bin ich topfit.

SPOX: Nun haben die Kölner Michael Rensing verpflichtet. Wussten Sie davon?

Pröll: Nein. Ich verfolge auch nur das, was in den Medien steht. Mehr kann ich dazu nicht sagen.

SPOX: Sie gelten als verletzungsanfällig, sagen aber, dass jede Verletzung verheilt sei. Hadern Sie daher manchmal mit Ihrem Image?

Pröll: Ich habe mir in meiner Karriere immer alles sehr hart erarbeiten müssen und habe daher sehr viel trainiert. Da passiert es eben schon einmal, dass man sich verletzt. Es ist aber nicht so, dass ich damit hadern würde. Ich schaue nach vorne und hoffe auf den Weihnachtseffekt: Vielleicht geht ja irgendwo ein "Törchen" für mich auf.

Markus Pröll im Steckbrief

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