Matthias Lehmann im Interview

"Wir sind keine Graupentruppe“

Von Für SPOX in St. Pauli: Benny Semmler
Sonntag, 19.12.2010 | 12:05 Uhr
Mittelfeldspieler Matthias Lehmann wechselte 2009 von Alemannia Aachen ans Millerntor
© Getty
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Der Hinrundenabschluss gegen den FSV Mainz 05 ging für den FC St. Pauli in die Hose. Der obligatorischen Torpanik fügte sich am Samstagabend noch eine zweite Schwäche hinzu: Das Verteidigen. Und so fiel die spontane Analyse auf Seiten der Hamburger ungewohnt rau aus. Trainer Holger Stanislawski sah gar die "schlechteste Saisonleistung". Matthias Lehmann fand für die Hinrunde trotzdem erfreuliche Worte und erklärte, warum der Kiez-Klub keine "Graupentruppe" ist.

SPOX: "Meine Spieler sollen die Bundesliga genießen." Kaum ein Satz ging Ihrem Trainer Holger Stanislawski zu Beginn der Saison häufiger über die Lippen. Nun sind 17 Spieltage vorbei. Haben Sie die Liga genossen?

Lehmann: Größtenteils. Klar, die längere Periode ohne Sieg war nicht so gut - aber das sind Phasen, wo wir als Team dazu gelernt haben. Die Vorrunde hat uns einfach häufig gezeigt, wie es nicht geht, aber auch, wie es gehen kann. Nun liegt es an uns, die positiven Erkenntnisse mitzunehmen.

SPOX: Ist der 15. Tabellenplatz schon das Maximum?

Matthias Lehmann: Wir waren vor der Saison der Abstiegskandidat Nummer eins. Alle haben uns auf dem letzten Platz gesehen. Jetzt haben wir 17 Punkte und sind über dem Strich. Das hat keiner erwartet.

SPOX: Also spiegelt die Punktzahl das Leistungsvermögen des Teams gut wider?

Lehmann: Nein. Die 17 Punkte sind eindeutig zu wenig. Wenn man sich die Hinrunde genau anschaut, haben wir locker sieben bis acht Punkte liegen gelassen. Aber wir können uns gut einschätzen. Und wir gehören eben nicht zur Kategorie Europa-Cup.

SPOX: Das heißt: Sie können mit Platz 15 gut leben?

Lehmann: Das erste Etappenziel ist geschafft. Wir sind über dem Strich. Insofern: Im Großen und Ganzen war es ein schönes Jahr 2010.

SPOX: Nur der November war kein guter Monat. Nur ein einziger Punktgewinn. Ansonsten hagelte es Niederlagen. Wie unruhig wurde es in dieser Phase innerhalb der Mannschaft?

Lehmann: Es brodelte, das ist doch klar. Aber trotz der Niederlagenserie haben wir nie schlecht gespielt. Man konnte nie sagen: "Oh Gott, was ist das denn für eine Graupentruppe" - wir hatten ja unsere Chancen, haben nur das Tor nie gemacht. Insofern: Der Teamspirit stimmt beim FC St. Pauli immer. Auch wenn es mal nicht so läuft.

SPOX: Deniz Naki, Carlos Zambrano und Charles Takyi sind aus disziplinarischen Gründen aus dem Kader gestrichen worden.

Lehmann: Charly kam gegen Mainz rein und hat sofort was gerissen. Nur das ist wichtig. Klar sind Spieler angefressen, wenn sie nicht spielen. Aber bei uns gibt's kein Zerfleischen. Keiner bringt eine negative Stimmung in die Mannschaft und macht auf Scheißegal. Das ist auch keine Floskel, dass wir eine Truppe sind. Wir sind einfach eine Truppe und gehen durch dick und dünn.

SPOX: Die meisten Spieler schauen selbst bei Ballbesitz lieber nach hinten als nach vorne. Denken Sie insgesamt zu defensiv und schießen deswegen so wenig Tore?

Lehmann: Es gibt eine grobe Spieleinteilung. Und die ist dafür da, dass wir nicht mit elf Mann blind angreifen. Einige sollen sich einschalten, andere nicht. Und dass man hinten immer in der Überzahl sein sollte, ist doch auch klar.

SPOX: Sie gehören zu St. Paulis Leistungsträgern, wollen das auch in Zukunft sein und haben deshalb Ihren Vertrag um zwei Jahre verlängert.

Lehmann: Ich will auch im nächsten Jahr in der Bundesliga spielen und bin mir zu 100 Prozent sicher, dass wir es mit dieser Mannschaft und der Gemeinschaft schaffen können. Das sportliche Konzept ist hier sehr durchdacht. All das hat mir meine Entscheidung sehr leicht gemacht.

Spielerprofil Matthias Lehmann

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